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23.01.2008

17:53 Uhr

Neue Skelettfunde

Kasseler Massengrab gibt Rätsel auf

Rätsel um ein Massengrab auf der Kasseler Uni-Baustelle: Bis Mittwoch hat sich die Zahl der entdeckten Skelette auf mindestens 36 erhöht, die Polizei rechnet mit weiteren Knochenfunden. Die Herkunft der Toten ist nach wie vor unklar.

Polizisten suchen auf der Baustelle nach weiteren menschlichen Überresten Foto: dpa dpa

Polizisten suchen auf der Baustelle nach weiteren menschlichen Überresten Foto: dpa

HB KASSEL. Nach den neuerlichen Funden in der Baugrube an der Universität verfügte die Staatsanwaltschaft einen Baustopp. „Es kann gut sein, dass noch weitere Skelette gefunden werden. Wir sind auf alles vorbereitet“, sagte Polizeisprecherin Sabine Knöll.

Auf dem Gelände stand im Zweiten Weltkrieg eine Lokomotiven- und Panzerfabrik, die Tausende Zwangsarbeiter beschäftigte, wie Stadtarchivar Frank-Roland Klaube der AP sagte. Derzeit finden dort Aushubarbeiten für die Uni-Erweiterung statt.

Vier Skelette waren bereits in der vergangenen Woche entdeckt worden, am Dienstag waren im Laufe des Tages 24 hinzu gekommen. Am Mittwoch wurde die Baustelle erneut von Spurensicherung unter die Lupe genommen, die zunächst „sechs bis sieben weitere Skelette“ entdeckten, wie die Sprecherin sagte. An einer Stelle hätten die Toten in Reih und Glied gelegen, sonst sei dies aber nicht der Fall.

In den nächsten Tagen will die Polizei die gefundenen Skelette komplett freilegen. Die eigentliche Bergung übernehmen Gerichtsmediziner. „Dann werden die Skelette in die Gerichtsmedizin der Uni Gießen gebracht. Wir sind sehr gespannt, was die Fachleute herausfinden“, sagte Knöll. Ein Ergebnis erwaten die Ermittler frühestens für die nächste Woche.

Eine erste Einschätzung der Gerichtsmediziner taxierte die Liegezeit auf mindestens 50 und höchstens 100 Jahre, wie die Polizei weiter mitteilte. Zu der Frage, ob die Skelettfunde mit NS-Verbrechen in Zusammenhang stehen könnte, oder ob es sich um Opfer einer Bombardierung handeln könnte, wollte sich die Sprecherin zunächst nicht äußern. „Aber natürlich stehen wir mit Historikern in Kontakt.“

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