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07.04.2013

16:07 Uhr

Neue Vorwürfe

Brand auf Nordseefähre könnte Massenmord gewesen sein

Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Brand auf der Nordseefähre „Scandinavian Star“ mit 159 Toten erheben Experten einen neuen Vorwurf: Besatzungsmitglieder hätten das Feuer selbst gelegt, um Versicherungsbetrug zu begehen.

Die brennende Fähre im Hafen von Lysekil, aufgenommen am 8. April 1990. Der Tod von 159 Menschen beim Brand der Nordsee-Fähre vor 23 Jahren geht nach Ansicht eines Expertenteams möglicherweise auf Brandstiftung der Besatzung für einen Versicherungsbetrug zurück. dpa

Die brennende Fähre im Hafen von Lysekil, aufgenommen am 8. April 1990. Der Tod von 159 Menschen beim Brand der Nordsee-Fähre vor 23 Jahren geht nach Ansicht eines Expertenteams möglicherweise auf Brandstiftung der Besatzung für einen Versicherungsbetrug zurück.

Kopenhagen/OsloSchlechter Schwedenkrimi oder wirklich „der schlimmste Massenmord in Nordeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg“? Wenn eine Expertengruppe zum verheerenden Brand auf der „Scandinavian Star“ im Jahr 1990 recht behält, haben Besatzungsmitglieder auf der Nordseefähre mit 500 Reisenden damals auf offener See mehrere Brände gelegt. Ziel war demnach ein Versicherungsbetrug ihrer Arbeitgeber, glaubt das Gremium aus zwölf Experten 23 Jahre nach der Katastrophe.

159 Reisende starben in der Nacht zum 7. April 1990 bei der Unglücksfahrt auf dem Skagerrak. Fast alle wurden im Schlaf vom Feuer überrascht und erstickten in ihren Kabinen. Bis zum Untergang der „Estonia“ viereinhalb Jahre später mit 857 Toten hat kein Schiffsunglück die Nordeuropäer seit 1945 so geschockt.

Was die Expertengruppe am Wochenende im norwegischen Bergen an neuen Untersuchungsergebnissen vorlegte, hat sofort neue Schockwellen im Norden ausgelöst, weil es so unglaublich klang: Mitglieder der gemischt skandinavischen, philippinischen und portugiesischen Besatzung sollen angeblich die Brände im Auftrag ihrer Chefs gelegt haben, damit fernab in Miami residierende US-Eigner eine Versicherungsprämie für ihr schlecht ausgerüstetes und überversichertes Schiff einstreichen konnten.

„Man zündet ein Schiff nicht ohne Grund an“, sagte der norwegische Schiffsinspektor Gisle Weddegjerde bei der Vorstellung des neuen Berichts. Er verwies auf die Auszahlung von 24 Millionen Dollar an die undurchsichtig organisierte Eignergruppe SeaEscape. Und er nennt Zeugenaussagen, wonach der Maschinenmeister der „Scandinavian Star“ nach dem Brand einen „Umschlag mit 800.000 Kronen“ (heute: gut 100.000 Euro) in die Hand bekam.

Wofür? Besatzungsmitglieder hätten, so die Experten, nach zahlreichen Aussagen Überlebender kräftig Hand angelegt, damit das Feuer sich auf dem Schiff ausbreiten konnte – statt es einzudämmen. So seien große Fenster mit Stühlen eingeschlagen worden, berichtete der norwegische Überlebende Martin Grande in der Zeitung „Politiken“: „Jeder weiß doch, dass man so praktisch Benzin ins Feuer gießt.“

Kommentare (2)

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Blinse

07.04.2013, 21:52 Uhr

Diese Räuberpistole glaubt doch kein Mensch!

Messy

07.04.2013, 23:25 Uhr

Wie schön, dass nach nur 23 Jahren sog. Experten die 'Wahrheit' über den Brand auf der "Scandinavian Star" herausgefunden haben wollen.

Warum kommen Sie erst jetzt daher?

Haben denn nicht die betroffenen Versicherungen den Brandvorgang gründlich untersucht?

Haben nicht auch Schifffahrtsbehörden die Havarie analysiert?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Versicherung - mir nicht, dir nichts - Versicherungsleistungen im Mio.-
US$-Umfang ohne penible Prüfung des Sachverhalts zahlt.

Tell that to the Marines!

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