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29.06.2015

16:57 Uhr

New Yorker Haftausbrecher gefasst

„Der Alptraum ist vorbei“

Vier Teenager sind nachts im Auto im Staat New York unterwegs und sehen einen erschöpften Mann. Doch ein „ungutes Gefühl“ sagt ihnen, ihn doch nicht mitzunehmen. Wie sich später herausstellt: eine sehr gute Idee.

Der Alptraum ist vorbei: Der Ausbrecher wurde nach drei Wochen auf der Flucht gefasst. AFP

Ausbrecher gefangen genommen

Der Alptraum ist vorbei: Der Ausbrecher wurde nach drei Wochen auf der Flucht gefasst.

DannemoraSelbst für einen Hollywood-Film wäre die Geschichte zu verrückt, sagt New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo in der Nacht zum Montag auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. „Wenn man das als Filmskript schreiben würde, würden sie einem sagen, es wäre übertrieben.“ Cuomo wirkt erleichtert - auch wenn man bei einem Toten und einem lebensgefährlich Verletzten von einem Happy End nicht sprechen mag.

Hauptdarsteller der Geschichte sind zwei verurteilte Mörder, die in einem Hochsicherheitsgefängnis des US-Bundesstaats New York lebenslange Haftstrafen absaßen. Dazu kommen unter anderem ein Mordkomplott, in Hackfleisch versteckte Metallsägen, geschmuggelte Gemälde, eine spektakuläre Flucht und eine drei Wochen dauernde Großfahndung, meist im strömenden Regen durch bergige Wälder. Die Geschichte ist wahr - jetzt fand sie ein blutiges Ende.

Drei Wochen lang hatten bis zu 1300 Polizisten an der nördlichen Grenze des Bundesstaats New York nach den zwei als extrem gefährlich eingeschätzten Häftlingen gesucht - immer in Sorge, dass diese sich ins nahe Kanada absetzen könnten. Am Freitag dann stöberten sie einen von ihnen in einer Waldhütte auf, rund 40 Kilometer von dem Gefängnis entfernt.

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Der 49-Jährige war bewaffnet und wollte sich nicht ergeben, also schoss ein Polizist. Dreimal wurde der Mann in den Kopf getroffen, wie später eine Autopsie ergab. Zudem fand der Gerichtsmediziner „Insektenstiche an den Beinen, Blasen und kleinere Hautabschürfungen, die drei Wochen Leben im Wald entsprechen“.

Zwei Tage später fanden die Polizisten auch den zweiten Flüchtling. Ein Beamter erkannte den Mann, der auf einer Straße lief. Als er ihn ansprach, floh der 35-Jährige. Der Polizist verfolgte ihn, schoss und traf ihn zweimal in den Oberkörper. Er wurde in ein Krankenhaus geflogen, „kritisch, aber stabil“ sei sein Zustand, hieß es.

„Der Alptraum ist vorbei“, sagt Gouverneur Cuomo. Vor allem für die Bewohner der Gegend, von denen sich viele seit dem Ausbruch in ihren Häusern verbarrikadiert hatten, waren die vergangenen drei Wochen ein Ausnahmezustand. „Sie mussten mit der Angst umgehen, dass Mörder frei in ihrem Garten rumlaufen könnten.“ Etwa die vier Teenager, die in der Nacht einen entkräfteten jungen Mann gesehen hatten. „Ein ungutes Gefühl“ ließ sie weiterfahren - vermutlich war es der zweite Flüchtige.

Die Männer haben ein Loch durch die Stahlwand an der Rückseite ihrer Zellen gebohrt und sich dann den Weg durch einen Kanalschacht und ein Gewirr von Leitungsrohren und Tunneln gebahnt. AFP

Spektakuläre Flucht

Die Männer haben ein Loch durch die Stahlwand an der Rückseite ihrer Zellen gebohrt und sich dann den Weg durch einen Kanalschacht und ein Gewirr von Leitungsrohren und Tunneln gebahnt.

Für die Untersuchungsbehörden aber fängt die Arbeit nun erst an. Wie konnten die beiden Häftlinge, von denen einer einen Mann zu Tode geprügelt und der andere einen Polizisten erschossen hatte, aus dem Hochsicherheitsgefängnis in Dannemora entkommen? Zwei Mitarbeiter des Gefängnisses sind festgenommen worden - eine Frau und ein Mann.

Sie hat ausgesagt, dass sie mit Hilfe der beiden Mörder ihren Mann umbringen wollte. Er schmuggelte den Insassen Werkzeug in die Zellen im Tausch gegen Gemälde, die einer der beiden anfertigte - unter anderem von US-Präsident Barack Obama oder Hollywood-Schauspielerin Julia Roberts. Mit dem schweren Gerät bohrten sich die beiden Häftlinge den Weg in die Freiheit und flohen durch die Kanalisation.

Eine umfassende Untersuchung sei eingeleitet, verspricht Gouverneur Cuomo. „Es waren außergewöhnliche Umstände und die erste Flucht aus dem Gefängnis seit mehr als 100 Jahren - aber eine Flucht ist eine Flucht zuviel.“

Von

dpa

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