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11.09.2015

15:04 Uhr

Nikotinpflaster für den Altkanzler

Helmut Schmidt raucht nicht mehr

Er rauchte immer und überall, aus Prinzip. Jetzt ist der bekannteste Rauscher der Republik, Altkanzler Helmut Schmidt, auf Nikotinpflaster umgestiegen. Ganz freiwillig geschah das freilich nicht.

Sonst nur mit Zigarette: Altkanzler Helmut Schmidt. dpa

Helmut Schmidt

Sonst nur mit Zigarette: Altkanzler Helmut Schmidt.

HamburgEin Nikotinpflaster ersetzt für Altkanzler Helmut Schmidt (96) neuerdings die Zigarette. Seit der Entfernung eines Blutgerinnsels aus dem rechten Bein hat Schmidt nach Angaben seines Arztes in der Hamburger Asklepios-Klinik nicht mehr geraucht. Der 96-Jährige habe aber ein Nikotinpflaster bekommen, bestätigte der Herzspezialist Karl-Heinz Kuck am Freitag der Deutschen Presse-Agentur entsprechende Medienberichte. Der Altkanzler war am Montag von der Intensiv- auf eine Normalstation verlegt worden.

Der SPD-Politiker war am Mittwoch vergangener Woche erfolgreich operiert worden. Er sei langsam aber stetig auf dem Weg der Besserung, hieß es am Freitag. Nach dem Kathetereingriff ohne Vollnarkose hatten sich die Ärzte sehr optimistisch über den Zustand ihres Patienten geäußert. Sie hielten eine baldige Entlassung aus der Klinik für möglich. Nach der Öffnung des Gefäßes im Oberschenkel erhält der Altkanzler weiter blutverdünnende Medikamente.

Helmut Schmidts Bekenntnisse

Schmidt spricht...

In dem am Samstag im Verlag C. H. Beck erscheinenden Buch „Was ich noch sagen wollte“ gibt Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) teils sehr persönliche Einblicke. Einige Zitate:

Quelle: dpa

über Loki

„Ich konnte mich in jeder Situation auf sie verlassen. Ich zögere nicht zu sagen: Loki war der Mensch in meinem Leben, der mir am wichtigsten war.“

(Schmidt über seine 2010 verstorbene Ehefrau Loki.)

über die RAF

„Für Loki und mich war klar: Im Falle einer Entführung lassen wir uns nicht austauschen.“

(Schmidt zur Gefahr, von RAF-Terroristen entführt zu werden – eine entsprechende Anweisung ließ er dem Kanzleramt übermitteln.)

über den Sohn

„Im Juni 1944 brachte Loki einen Sohn zur Welt, der nach acht Monaten an Gehirnhautentzündung starb. Der Feldpostbrief, in dem Loki mir vom Tod des Kindes berichtete, war verloren gegangen. Erst aus einem späteren Brief zog ich die Schlussfolgerung, dass der Junge gestorben sein musste. Es war ein schrecklicher Moment.“

(Schmidt zum Tod des Sohnes – er war zu dem Zeitpunkt an der Front.)

über seine Affäre

„In unserer 68 Jahre währenden Ehe hat es ein einziges Mal etwas gegeben, was ein Außenstehender eine Krise nennen könnte. Ich hatte eine Beziehung zu einer anderen Frau.“

(Schmidt zu seiner Affäre Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre - er musste Loki von einer Trennung abbringen.)

...über die Nazi-Zeit

„Die Heutigen wissen alles viel besser.“

(Schmidt zu Belehrungen wegen seiner Rolle in der Nazi-Zeit.)

über Politik

„Es zeichnet politische Führer wie Churchill, de Gaulle oder Adenauer aus, dass sie nicht nur die nächste Wahl, sondern auch das langfristig Notwendige im Blick haben. Der Trend, nur noch in Legislaturperioden zu denken, hat seither erheblich zugenommen.“

(Schmidt zu Veränderungen in der Politik.)

über Verstädterung

„Hier wächst, potenziert durch die sozialen Netzwerke, die Gefahr der Verführbarkeit. Je mehr Menschen auf einem Fleck zusammenwohnen, desto leichter sind sie massenpsychologisch zu beeinflussen - auch und gerade durch falsche Vorbilder.“

(Schmidt zu den Risiken der weltweit zunehmenden Verstädterung.)

über Erich Ollenhauer

„Er war ein anständiger Mensch, aber ein mittelmäßiger Politiker.“

(Schmidt über den früheren SPD-Chef Erich Ollenhauer, der die Partei von 1952 bis 1963 führte.)

über Kohl

„Ich möchte Kohl zugute halten, dass er im Grunde ein anständiger Politiker gewesen ist.“

(Schmidt zu Kohls Leistungen bei der Deutschen Einheit – er warnt davor, die CDU-Spendenaffäre überzubewerten.)

über den Westen

„Inzwischen haben die Schlafwandler den Ukraine-Konflikt auf das Feld der Ökonomie verlagert; gleichwohl ist die Gefahr eines großen Krieges nicht gebannt. (...) Das Machtgefüge der Welt ist insgesamt in Bewegung.“

(Schmidt zur Rolle des Westens im Ukraine/Russland-Konflikt)

über Gehälter

„Von zehn Jahren wäre keiner auf die Idee gekommen, dem Vorstandsvorsitzenden von VW 15 Millionen Euro Gehalt zu zahlen.“

(Schmidt zur Steigerung der Gehälter für Unternehmenschefs – er wirft den Gewerkschaften vor, dies nicht verhindert zu haben.)

Von

dpa

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