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24.07.2015

16:14 Uhr

NSU-Prozess

Zschäpe zeigt eigene Anwälte an

Die Auseinandersetzung zwischen Beate Zschäpe und drei Verteidigern eskaliert: Nachdem die Anwälte bereits versucht hatten, das Mandat loszuwerden, will jetzt die Angeklagte gegen sie vorgehen.

Beate Zschäpe hat ihre Verteidigung angezeigt. dpa

NSU Prozess

Beate Zschäpe hat ihre Verteidigung angezeigt.

Der Streit zwischen der mutmaßlichen NSU-Terroristin Beate Zschäpe und ihren drei bisherigen Verteidigern spitzt sich weiter zu: Die Hauptangeklagte im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München hat ihre Anwälte Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm wegen Verletzung von Privatgeheimnissen angezeigt. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München I bestätigte am Freitag, dass eine solche Anzeige eingegangen sei. Die „Bild“-Zeitung hatte als erstes darüber berichtet.

Fünf Verschwörungstheorien zum NSU

Der „Inside-Job“

Der Geheimdienst steckt mit dem NSU unter einer Decke, Akten wurden absichtlich geschreddert und die Flucht der Terroristen Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe wurde von den Behörden geplant.

Die „Neoschutz-Staffel“

Der NSU konnte nicht ohne Helfer auskommen. Die kürzlich aufgedeckte baden-württembergische „Neoschutz-Staffel“ (NSS), angeführt von dem ehemaligen Soldaten Matthias K. – Spitzname „Matze“ –, hat die Mord- und Anschlagserie mitgeplant und -durchgeführt.

Das große „Zeugensterben“

Florian H. kündigte 2012 an, zum NSU und der NSS auszusagen. Im September 2013 nimmt er sich das Leben. Bevor der V-Mann „Corelli“, der seit 2005 CDs mit dem Kürzel NSU vertrieb, umfangreich aussagen konnte, stirbt er im April 2014 einen natürlichen Tod. Das Gleiche geschieht bei Florian H.’s Freundin im März 2015. Die Theorie hinter dem „Zeugensterben“: Zeugen mussten sterben, weil sie zu viel wussten.

Der „Tag X“

Laut einer Zeugenaussage habe der NSU mit einem Zusammenbruch der Bundesrepublik gerechnet und sich schließlich für den „Tag X“ und die zu erwartenden „bürgerkriegsähnlichen Zustände“ wappnen wollen. „Waffen wurden verherrlicht, jeder wollte sie haben, jeder hat darüber gesprochen. Das gehörte zum guten Ton und galt als Statussymbol“, sagte der ehemalige V-Mann „Piatto“ im NSU-Prozess.

Die Polizei hat Böhnhardt und Mundlos getötet

Ein Obduktionsbericht lässt Zweifel an der offiziellen Selbstmordversion der beiden mutmaßlichen Rechtsterroristen aufkommen. Nach einem missglückten Banküberfall sollen die beiden Neonazis Selbstmord begangen haben. Dem Bericht zufolge fanden sich weder Rußpartikel in der Lunge Böhnhardts noch in der von Mundlos. Eine Interpretation dieser Ungereimtheit: Die Polizei hat sie exekutiert.

Die Auseinandersetzung Zschäpes mit ihren drei Anwälten ist in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder eskaliert. Im vergangenen Jahr hatte sie vergeblich versucht, alle drei Anwälte auf einmal loszuwerden. Vor einigen Wochen lehnte das Oberlandesgericht München einen Antrag Zschäpes ab, Anja Sturm zu entpflichten. Derzeit versucht sie, Wolfgang Heer loszuwerden - über diesen Antrag hat das Gericht bislang nicht entschieden.

Heer, Stahl und Sturm hatten zwischenzeitlich ihrerseits versucht, das Mandat loszuwerden, was das Gericht ablehnte. Zschäpe wird mittlerweile noch von einem vierten Anwalt vertreten.

Von

dpa

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