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24.10.2015

17:44 Uhr

Nur wenige Schäden bislang

Rekord-Sturm „Patricia“ verliert an Kraft

„Patricia“ hat an Schrecken verloren: Auf dem Meer noch der stärkste jemals registrierte Hurrikan, büßt der Sturm deutlich an Kraft ein. Schlimmeres verhinderte in Mexiko bisher auch das Frühwarnsystem.

Statt weißer Traumstrände und türkisblauem Meer gibt es für die Urlauber in Puerto Vallarta derzeit Hurrikan-Warnungen und Evakuierungen. Reuters

Badeort Puerto Vallarta in Mexiko

Statt weißer Traumstrände und türkisblauem Meer gibt es für die Urlauber in Puerto Vallarta derzeit Hurrikan-Warnungen und Evakuierungen.

Manzanillo/Puerto VallartaDer Rekord-Hurrikan „Patricia“ hat sich über dem mexikanischen Festland deutlich abgeschwächt und bisher weit weniger Schäden angerichtet als befürchtet. Er wurde daher am Samstag zum Tropensturm herabgestuft. Bisher verursachte „Patricia“ nur geringe Schäden, wie Präsident Enrique Peña Nieto mitteilte. Todesopfer wurden auch dank des umfangreichen Frühwarn- und Evakuierungssystems zunächst nicht bekannt. Wie der nationale Zivilschutz am Samstag mitteilte, wurden zuletzt nur noch Windgeschwindigkeiten von 80 Kilometern pro Stunde gemessen, allerdings begleitet von sehr heftigem Regen.

Die Behörden warnten daher vor möglichen Überschwemmungen und Erdrutschen. Am Samstag galt nur noch für den gesamten Bundesstaat Nayarit die höchste Warnstufe Rot, sowie für Teile von Jalisco, Durango, Zacatecas, Aguascalientes und einige kleinere Inseln.

Peitschender Regen, leergefegte Straßen und bis zu 4,5 Meter hohe Wellen an den Küsten der Pazifikstaaten Jalisco und Michoacán waren Begleiterscheinungen von „Patricia“, viele Häuser waren mit Spanplatten verbarrikadiert worden, Tausende Menschen hatten sich in Notunterkünfte begeben. Auf dem Meer war „Patricia“ noch der bisher schwerste registrierte Hurrikan. Als Kategorie-5-Hurrikan wurden Geschwindigkeiten von bis zu 400 Kilometern pro Stunde erreicht.

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

Die Pazifikküste Mexikos traf „Patricia“ lediglich noch mit bis zu 120 Kilometern pro Stunde - begleitet von starken Böen und heftigem Regen. Präsident Peña Nieto rief die Bevölkerung auf, wachsam zu bleiben und den Anweisungen der Behörden zu folgen. „Bislang haben die Alarmsysteme und der Zivilschutz funktioniert“, lobte Peña Nieto, der die Entwicklung des Sturms aus der Kommandozentrale der nationalen Sicherheitskommission verfolgte. Viele Mexikaner flohen vor dem Sturm ins Landesinnere. Die Regierung verlegte Soldaten und Polizisten in das Gefahrengebiet an der Küste. Im ganzen Land wurden Sammelstellen für Sachspenden und Lebensmittel eingerichtet.

Im Ferienort Puerto Vallarta wurden rund 28 000 Touristen in Sicherheit gebracht, wie der Tourismusminister des Bundesstaates Jalisco, Enrique Ramos, der Zeitung „Excélsior“ sagte. Der Großteil sei in Notunterkünften untergebracht worden. Rund 1200 Urlauber wurden demnach in die Provinzhauptstadt Guadalajara gebracht. Auch Bewohner und Geschäftsleute der Region trafen Vorsorge und verkleideten die Fenster ihrer Häuser mit Holzplatten.

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Die Auswirkungen reichten bis in den an Mexiko grenzenden US-Staat Texas. Wegen Starkregens und Gewitter war dort am Freitag das zweite Freie Training zum Formel-1-Rennen in Austin abgesagt worden. Auch während der am Samstag anstehenden Qualifikation für den Großen Preis der USA wurden Unwetter erwartet. Für Teile von Texas wurden Flutwarnungen ausgegeben. Nachdem es bereits in den vergangenen Tagen heftig geregnet hatte, warnten Meteorologen vor schweren Überschwemmungen durch die Ausläufer von „Patricia“. Südlich von Dallas blieben in der Nacht zum Samstag mehrere Fahrzeuge auf überfluteten Straßen stecken. Ebenfalls in Texas entgleiste ein Güterzug, nachdem die Erde unter den Schienen weggespült worden war. Menschen kamen nicht zu Schaden.

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