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22.11.2016

16:51 Uhr

Obdachlosigkeit in London

„Eigentlich habe ich niemanden“

VonStefanie Diemand

Die Zahl der Menschen, die in London auf der Straße leben, hat sich verdoppelt. Bürgermeister Sadiq Khan spricht von einer Krise und will das Problem eindämmen. Experten sehen seine Lösungsversuche kritisch.

Armut ist in London seit vielen Jahren ein großes Problem. Hier löst die Polizei eine Demonstration aus dem Jahre 2009 auf. Reuters

Demo gegen Armut

Armut ist in London seit vielen Jahren ein großes Problem. Hier löst die Polizei eine Demonstration aus dem Jahre 2009 auf.

LondonEr riecht nach Alkohol und Urin. An manchen Tagen legt er sich einfach in einen Park, verdeckt sein Gesicht mit Zeitungen. Er sei dann fast wie unsichtbar, sagt er leise, dabei würde ihn aber sowieso niemand mehr wirklich wahrnehmen. Bob, Mitte 50, zotteliger Bar, lange Haare. Seit 13 Jahre ist er obdachlos, inzwischen auch Alkoholiker.

Eine Zeitlang habe er auf der Couch eines Freundes übernachten können oder bei irgendjemandem, der ihm Platz angeboten habe, erzählt Bob. Inzwischen ist es meist die Parkbank. „Eigentlich habe ich niemanden“, sagt Bob. Frau und Sohn hätten ihn schon vor längerer Zeit verlassen, seinen Job als Koch habe er verloren. „Ich kenne viele, denen es genauso ergangen ist.“ Und noch eines hätte sie alle gemeinsam: Keine Aussicht auf Hilfe.

Sadiq Khan, seit einem halben Jahr Bürgermeister von London, will das ändern: „In einer der weltweit größten Städte können wir uns nicht einfach zurücklehnen und nichts tun“, schreibt er in der englischen Tageszeitung „The Guardian“.

London: Achten Sie auf ihr Benehmen

Absolutes Rauchverbot

In allen geschlossenen Räumen! Ob in der Gastronomie, in Büros oder dem öffentlichen Verkehr – in London ist das Rauchen strengstens untersagt.

Nie unbeobachtet

London ist die Stadt mit den meisten Videokameras, die jede Bewegung erspähen und die Aufnahmen notfalls gegen Sie einsetzen – zum Beispiel, wenn Sie in der Öffentlichkeit Alkohol trinken oder einen Zigarettenstummel auf den Boden werfen. Und dann wird’s teuer!

Bitte nicht schubsen

Es ist voll und eng, aber Drängeln ist trotzdem ein absolutes No-Go! Und wenn Sie es doch mal eilig haben, dann überholen Sie die Schlange auf der Rolltreppe von links. Sind Sie geduldig, stehen Sie demnach bitte rechts.

Manieren nicht vergessen

Freundlichkeit und Höflichkeit sind wichtige Elemente der englischen Mentalität und es wäre nett, wenn Sie sie ihnen auch entgegen bringen würden. Zum Beispiel mit einem „excuse me“, wenn Sie an einer im Weg stehenden Person vorbei möchten, mit einem „thanks“, wenn Ihnen jemand die Tür aufhält und am allerbesten mit einem großzügigen Trinkgeld.

Sperrstunde vorverlegt

Warum die Engländer an Ihrem Hotelpool schon am Nachmittag so viel trinken und kurz vor dem Abendessen sturzbetrunken sind? Weil sie es nicht anders kennen. Das Nachtleben in London ist zwar stürmisch, aber kurz. Pubs schließen gegen 23 Uhr, Bars schon um 2 Uhr. Nur in den Clubs kann das Licht erst in den frühen Morgenstunden angehen.

Geht gar nicht: Intoleranz

In London leben über 30 Kulturen zusammen, wovon nur knapp über 50 Prozent Christen und ein Drittel ausländischer Herkunft sind. Dass Sie in London vielen Hindus, Muslimen oder Buddhisten begegnen, sollte Sie vorab vor unangebrachter Intoleranz oder gar lautstarkem Protest warnen. Denn diese multikulturelle Vielfalt ist das, was London zu der Stadt gemacht hat, die Sie jetzt bewundern.

Was nicht passt, muss draußen bleiben

Das Luxuskaufhaus Harrods erlaubt sich eine harte Tür- und Verhaltensphilosophie. Zwar darf in der Regel jeder das Haus betreten, doch dieser jeder muss gepflegt erscheinen. Tabu sind subkulturelle Kleidungsstücke, große Jugendgruppen und Rucksäcke am Rücken – nehmen Sie diese in die Hand, ist die Aufsicht vielleicht sogar gnädig.

In London leben nach Angaben der Stadtverwaltung mehr als 8000 Menschen auf der Straße, doppelt so viele wie noch vor fünf Jahren. Die wirkliche Zahl wird noch deutlich höher geschätzt. Denn die offizielle Statistik erfasst nur die Menschen, die dauerhaft in Parks oder unter Brücken, in verlassenen Häusern oder Lagerhallen schlafen.

Sobald jemand ein paar Nächte bei Freunden oder im Heim unterkommt, entlastet er die Statistik – obwohl er kein eigenes Dach über dem Kopf hat. Steigende Mieten drängen immer mehr Niedrigverdiener und Arbeitslose in diese Notsituation.

Um das Problem einzudämmen, richtet Khan eine Arbeitsgruppe mit Vertretern verschiedener Einrichtungen und Bezirksverwaltungen ein. Ihr Fokus soll vor allem auf jungen obdachlosen Menschen liegen. Diese sollen Hilfe bei der Suche nach einem Job bekommen und bei familiären Problem. Damit spricht Khan bisher aber nur einen kleinen Teil der Obdachlosen in London an.

Kommentare (1)

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23.11.2016, 15:32 Uhr

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