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13.07.2017

09:45 Uhr

Öko-Test warnt vor Limonade

„Viel zu viel Zucker“ in Erfrischungsgetränken

VonThomas Schmitt

Fassbrause, Melonenlimo oder Apfelschorle: Erfrischungsgetränke aus dem Handel boomen. Als Durstlöscher eignen sie sich aber nicht, stellt Öko-Test fest. Welche Limonade den Zuckerschock bringt, und was die Tester raten.

Fassbrause ist eine beliebte Variante der trendigen, aber zuckerhaltigen Erfrischungsgetränke. Es kommen immer wieder neue Sorten auf den Markt. obs

Fassbrause

Fassbrause ist eine beliebte Variante der trendigen, aber zuckerhaltigen Erfrischungsgetränke. Es kommen immer wieder neue Sorten auf den Markt.

DüsseldorfDie Werbung wirkt großartig, führt aber in die Irre. „Ein Sprung ins kühle Nass bei hochsommerlichen Temperaturen ist pure Erfrischung.“ Genau dies soll das Motiv von Gaffels Fassbrause vermitteln. Geweckt wird so die Lust auf ein Getränk, das bei sommerlichen Temperaturen den schnellen Durst löschen soll.

Weit gefehlt, stellt die Zeitschrift Öko-Test in ihrer Juli-Ausgabe fest. „Als Durstlöscher sind trendige Erfrischungsgetränke wie Gurkenlimos, Fassbrausen mit Mangogeschmack und Estragon-Ingwer-Mischungen nicht geeignet.“ Der Grund: Sie enthalten „oft viel zu viel Zucker“. Und dieser Süßstoff macht nicht nur dick, sondern auch krank.

Öko-Test: So ungesund sind Erfrischungsgetränke

Test

Öko-Test hat insgesamt 22 Limonaden, Schorlen und Fassbrausen im Labor auf Schadstoffe untersuchen lassen.
Quelle: Öko-Test

Ergebnis

Fast alle Erfrischungsgetränke haben eins gemeinsam: Sie sind zu süß, enthalten also zu viel Zucker - gemessen an den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation.

Richtwert

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, dass Erwachsene im Idealfall maximal 25 Gramm Zucker täglich zu sich nehmen sollen. Diesen Wert knacken drei Limonaden bereits mit einer Dose bzw. 330-ml-Flasche. Stolze zehn bis elf Würfelzucker stecken darin.

Saftschorle

Auch einige Saftschorlen, denen kein Zucker zugesetzt wurde, sind zu süß. Eine Marke etwa enthält fast sechs Gramm Fruchtzucker pro 100 ml. Fruchtzucker steht unter dem Verdacht, mitverantwortlich für Herzinfarkte und Krankheiten wie Diabetes Typ II und Fettleber zu sein.

Limo-Tipp

Sechs Getränke im Test empfehlen die Tester, weil der Zuckergehalt vergleichsweise niedrig ist. Dabei geht es um eine Größenordnung von rund fünf Gramm pro 0,1 Liter.

Übersüßt

Mehr als 25 Gramm Zucker in einer Portion wurden in Fritz-Limo Melonenlimonade, Wostok Estragon Ingwer Limonade und Sanpellegrino Aranciata Limonade gefunden.

Natürlich künstlich

Limo enthält viele Zusatzstoffe: Aromen, Farbstoffe, Süßstoffe, völlig unnötige Vitamin- und Mineralstoffzusätze haben alle gemeinsam, dass sie etwas vortäuschen, was die natürlichen Zutaten nicht hergeben.

Kaum Spritzgifte

Rückstände von Pestiziden haben die Tester nur in einer Flasche gefunden.

Werbung mit Selbstverständlichkeiten

So schreibt Gaffel auf seine Fassbrause, dass sie „ohne Geschmacksverstärker“ sei. Rhön Sprudel weist darauf hin, dass man bei Konservierungs- und Farbstoffen die gesetzlichen Vorschriften einhalte.

Was ist zu viel? Die Maßstäbe dafür liefert die Weltgesundheitsorganisation WHO. Erwachsene sollten pro Tag nur bis zu 25 Gramm Zucker zu sich nehmen, Kinder natürlich weniger. Die empfohlene Menge entspricht umgerechnet acht Würfeln. Da Zucker ohnehin in den meisten Lebensmitteln verarbeitet ist, erreicht fast jeder auch ohne Limo schnell den Richtwert.

So wirbt der Getränkehersteller Gaffel für seine Fassbrause. Zucker ist da kein Thema.

Werbung von Gaffel

So wirbt der Getränkehersteller Gaffel für seine Fassbrause. Zucker ist da kein Thema.

Mit einer 0,33 Flasche Fassbrause geht das sogar rasend schnell. Am Beispiel der Gaffel-Brause: 6,3 Gramm Zucker sind laut Herstellerangaben in 100 Millilitern der Zitronenvariante. Das macht also 20,8 Gramm (oder fast sieben Würfelstücke) Zucker für eine einzige Portion der angeblich so reinen Erfrischung. Kein Einzelfall in der Branche, sondern die Regel.

Stiftung Warentest: Metalle, Zucker und Pestizide im Mineralwasser

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Metalle, Zucker und Pestizide im Mineralwasser

Im großen Mineralwasser-Test bewertet die Stiftung Warentest nur jedes dritte Wasser mit gut. Einige Eigenmarken von Supermärkten schneiden überraschend gut ab – bis auf eine. Die Gewinner und die Verlierer.

Der Zuckergehalt (umgerechnet auf 0,1 Liter) beträgt bei den meisten Limo-Varianten zwischen 4,5 und 10 Gramm. Eine kleine Flasche der so klangvollen „Fritz Limo Melonenlimonade“ kommt damit umgerechnet auf 33 Gramm pro Portion, also 11 Stücke Zucker. Nicht wesentlich besser schneiden jedoch scheinbar gesündere Varianten ab.

Selbst in der „Christinen Apfel-Himbeer-Granatapfel Activ-Schorle“ stecken noch 4,3 Gramm Zucker pro 0,1 Liter. Und wer trinkt davon nur ein Mini-Glas? Die Empfehlung von Experten lautet daher ganz klar: „Zuckergesüßte Getränke sollten generell nur in geringen Mengen getrunken werden“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Kommentare (1)

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Herr Marcel Europaeer

12.07.2017, 16:33 Uhr

Nicht nur in Erfrischungsgetränken. In vielen vorkonfektionierten Lebensmitteln ist viel zu viel Zucker.

Zucker dürfte die Droge in Deutschland sein, die die höchsten gesellschaftlichen Kosten verursacht. Und sie ist völlig legal.
Da sind wir der Zuckerlobby aber so richtig auf den Leim gegangen, die völlig legal schon Säuglinge mit Süßgetränken anfixt; ach nein, das machen ja die "mündigen Mütter", die mit Zucker versetzte Produkte kaufen und sie dem Sprösslingen einflößen.

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