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24.02.2013

18:10 Uhr

Österreichs Oscar-Fieber

Die Alpenrepublik feiert ihre Filmhelden

VonStefan Menzel

Während Deutschland auch dieses Jahr wieder nur staunender Beobachter der Oscar-Verleihung ist, kann der „kleine Nachbar“ Österreich gleich auf mehrere Auszeichnungen hoffen. Waltz und Haneke heißen die Preisanwärter.

Hier feiert Christoph Waltz 2011 seinen ersten Oscar. Nun kann er für „Django Unchained“ schon auf den zweiten hoffen. Reuters

Hier feiert Christoph Waltz 2011 seinen ersten Oscar. Nun kann er für „Django Unchained“ schon auf den zweiten hoffen.

WienÖsterreich ist im Oscar-Fieber. Die kleine Filmbranche des Landes könnte am Sonntag bei der Preisverleihung abräumen, ein Regisseur und ein Schauspieler könnten auf einen Schlag so wichtig wie die Skifahrer der Alpenrepublik werden. Die österreichischen Medien berichten schon die ganze Woche über die bevorstehende Oscar-Nacht, allen voran der ORF. Alte Filme von und mit Michael Haneke und Christoph Waltz werden hervorgeholt und zu Sondersendungen verpackt. Am Wochenende gibt es im ORF-Programm die letzten gefeierten Filme der beiden Österreicher zu sehen: Hanekes „Das weiße Band“, für den er die „Goldene Palme“ in Cannes bekommen hatte, und „Inglourious Basterds“, für den Waltz vor drei Jahren mit seinem ersten Oscar ausgezeichnet worden war.

Der ORF feiert sich mit diesen Sondersendungen auch ein wenig selbst, denn Österreichs öffentlich-rechtlicher Sender gehört meistens zu den Koproduzenten bei den Haneke-Filmen, wie auch beim „Weißen Band“ und „Liebe“. Österreich ist ein kleines Land mit einer sehr begrenzten Film-Szene, ohne den ORF wird in der Alpenrepublik deshalb selten ein Film gedreht. In Österreich kann ein Filmemacher gerade einmal mit durchschnittlich 800000 Euro an öffentlicher Förderung rechnen, in Deutschland oder Frankreich liegt der Förderbetrag bei etwa zwei Millionen Euro.

Zahlen und Fakten zum Oscar

Seit wann gibt es den Oscar?

Der Preis wurde erstmals 1929 vergeben, zehn Jahre später ließ die Akademie den Spitznamen Oscar zu.

Seit wann wird die Verleihung im Fernsehen übertragen?

1953 wurde die Zeremonie erstmals im Fernsehen gezeigt. Seit 1969 wird sie international ausgestrahlt.

Wer entscheidet über die Gewinner?

Wer einen Oscar bekommt, entscheiden die rund 6000 AMPAS-Mitglieder in einer Abstimmung.

Wie sieht der Oscar aus?

Die Oscar-Figur ist ein Ritter, der auf einer Filmspule steht und sich auf ein Schwert stützt. Die Statuette ist rund 35 Zentimeter hoch, etwa vier Kilogramm schwer und mit Gold überzogen.

Wo wird der Oscar hergestellt?

Die Figuren werden von einer Firma in Chicago hergestellt - 50 Stück in drei bis vier Wochen.

Warum heißt der Oscar Oscar?

Seinen Namen erhielt der Preis angeblich von der Bibliothekarin und späteren Akademie-Direktorin Margaret Herrick (1902-1976). Sie meinte, die Statue sehe ihrem Onkel Oscar ähnlich.

Michael Haneke hat es zudem sehr gut verstanden, stets auch internationale Geldgeber als Produzenten für seine Filme zu gewinnen. Deutsche Koproduzenten sind eigentlich fast schon Standard, mit seinen engen Bindungen nach Frankreich holt Haneke zudem häufig französische Geldgeber dazu. Insofern könnte am Sonntag ein erfolgreicher Film „Liebe“ auch als französischer Oscar-Gewinn gewertet werden, weil etwa 70 Prozent der Produktionskosten von französischer Seite aufgebracht worden sind.

Selbstverständlich hat ORF-Intendant Alexander Wrabetz seinen beiden Landsleuten zur Nominierung gratuliert. „Ein bewegendes Meisterwerk mit absoluten Oscar-Chancen, mitfinanziert vom ORF“, sagt Wrabetz beispielsweise über „Liebe“. Zugleich nutzt Wrabetz die Oscar-Nominierung für seine eigenen inner-österreichischen medienpolitischen Ziele. Im Moment verhandelt der ORF mit der Regierung in Wien über die Fortsetzung der Gebührenerstattung für sozialschwache Haushalte. Weil ein vom ORF geförderter Film jetzt kurz vor dem Oscar-Gewinn stehe, müsse die Regierung auch in Zukunft für die Fernsehgebühren von ärmeren Österreichern aufkommen.

Sollte Michael Haneke in diesem Jahr tatsächlich den Oscar gewinnen, kann der ORF-Intendant sicherlich mit einer großzügigen Regierung rechnen. Nach der Oscar-Zeremonie soll in Los Angeles auf jeden Fall groß gefeiert werden. Auf der Party im österreichischen Generalkonsulat in Los Angeles werden ORF-Chef Wrabetz und auch die Wiener Kulturministerin Claudia Schmied erwartet.

Die Chancen für ein ausgelassenes Fest in den Landesfarben „Rot-Weiß-Rot“ stehen jedenfalls gut, zumal sich ein Lapsus von der Oscar-Verleihung vor drei Jahren nicht wiederholen wird. Christoph Waltz hatte sich den Preis damals für die beste Nebenrolle in „Inglourious Basterds“ abgeholt, allerdings als Deutscher. Der 56-Jährige ist zwar in Wien geboren und hat dort den größten Teil seines Lebens verbracht. Doch von seinem Vater hatte er einen deutschen Pass geerbt – und war damit immer passabel durchs Leben gekommen.

Nach dem Oscar-Gewinn vor drei Jahren bemerkten die Österreicher den Lapsus und verpassten Christoph Waltz ganz schnell auch die österreichische Staatsbürgerschaft. Und damit würde am Sonntag im Fall des Falles der zweite Oscar von Christoph Waltz auf jeden Fall auch in die Alpenrepublik gehen. Auch der Schauspieler hat klar zu erkennen gegeben, dass er sich selbst als Österreicher sieht: „Ich bin in Wien geboren, hier aufgewachsen und zur Schule gegangen. Wie österreichisch muss es denn noch sein?“

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