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17.05.2017

15:27 Uhr

Oktoberfest

„Bierpreisbremse? Das geht auf gar keinen Fall“

Jahr für Jahr stöhnt der Oktoberfestbesucher über noch höhere Preise für die Maß Bier. Wiesnchef Josef Schmid wollte den Trend brechen. Doch er hatte den Widerstand unterschätzt. Die Bierpreise dürfen weiter steigen.

Im März beurteilte die Landeskartellbehörde Bayern die Pläne von Wiesnchef Schmid (CSU) als rechtlich zulässig, nun wurde die Bierpreisbremse gestoppt. dpa

Bierpreiserhöhung auf dem Oktoberfest

Im März beurteilte die Landeskartellbehörde Bayern die Pläne von Wiesnchef Schmid (CSU) als rechtlich zulässig, nun wurde die Bierpreisbremse gestoppt.

MünchenDie Oktoberfest-Wirte können weiter den Preis für die Maß Bier selbst bestimmen. Nach einer heftigen Debatte ist die von Wiesnchef Josef Schmid (CSU) geplante Bierpreisbremse am Mittwoch vom Münchner Stadtrat kassiert worden. Schmid wollte den Bierpreis für drei Jahre bei 10,70 Euro deckeln, dem Höchstpreis des Vorjahres.

Auch dem Vorschlag für einen zusätzlichen Tag zur Verlängerung des Volksfestes verweigerten die Stadträte ihre Zustimmung. Umgesetzt werden soll hingegen - wenngleich mit Änderungen - Schmids Vorschlag, die erhöhten Kosten für mehr Sicherheit auf der Wiesn über eine Umsatzpacht für die Wirte hereinzuholen.

Die Deutschen und ihr Bier

Verbrauch

Die rund 107 Liter in 2015 bedeuten einen in etwa unveränderten Konsum gegenüber dem Vorjahr. Damit trinkt jeder Deutsche rechnerisch gute 20 Liter mehr Bier als Milch pro Jahr. Seit einigen Jahren trinken die Deutschen allerdings immer weniger Bier: Vor zehn Jahren waren es noch mehr als 115 Liter pro Kopf, vor zwanzig Jahren sogar über 135 Liter. Bier ist damit das mit Abstand beliebteste alkoholische Getränk, gefolgt vom Wein, der mit etwas mehr als 20 Liter Konsum seinen Absatz in den vergangenen Jahren steigern konnte.

Biersorten

Das eher herbe Pils trifft den Geschmack am ehesten. Mehr als die Hälfte der verkauften Biere sind Pilsener Brauart. Es folgen mit großem Abstand Export- und Weizenbiere. Die größten Steigerungsraten konnten zuletzt das vor allem in Bayern verbreitete Helle sowie alkoholfreie Sorten verzeichnen. Beim alkoholfreien Bier gibt es keine Pils-Übermacht – alkoholfreies Weizenbier ist fast genauso beliebt.

Brauereien

Bierbrauen ist in. Die Zahl der Brauereien in Deutschland erhöhte sich binnen zehn Jahren um 107 auf 1388 Brauereien, die über 5500 Biermarken produzieren. Während das große Geschäft in den Händen der auch durch die Werbung dominierenden Marken liegt, wächst vor allem die Zahl der sogenannten Mikrobrauereien. Diese nur für einen Jahresausstoß bis tausend Hektoliter stehenden kleinen Brauereien und Gasthausbrauereien machen inzwischen die Hälfte der Betriebe aus.

Bayern

In Bayern wurde nicht nur das Reinheitsgebot verfasst, der Freistaat hat mit 626 Brauereien auch mit Abstand die meisten unter den Bundesländern. Es folgen Baden-Württemberg mit 190 Braustätten und das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen mit 125 Braustätten. Die wachsende Zahl der Mikrobrauereien führt in manchen Ländern zu sprunghaften Anstiegen. So verdoppelte sich in Berlin und Brandenburg die Zahl der Brauereien seit der Jahrtausendwende von 31 auf 62.

Steuer

Die Steuereinnahmen in Deutschland sprudeln – aber nicht beim Bier. Während bei Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in den vergangenen Jahren erhebliche Mehreinnahmen bei den Steuern eingingen, gab es bei der Biersteuer einen Rückgang. Im Jahr 2007 flossen noch 757 Millionen Euro an den Bund, im vergangenen Jahr nur noch 676 Millionen Euro. Eine Erhöhung der Biersteuer ist dennoch nicht geplant.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sagte nach der Debatte, er sei sicher, dass auf der Wiesn keine Maß weniger getrunken werde, auch wenn der Preis nun auch dieses Jahr steige. Die Wiesn-Wirte, die in großer Zahl die Debatte verfolgt hatte, äußerten sich zufrieden. Das Bier auf der Wiesn sei nicht zu teuer, der Preis gerechtfertigt, sagte Wirtesprecher Toni Roiderer.

In der Stadtratsdebatte war Schmid von Beginn an auf erheblichen Gegenwind gestoßen. Mehrere Redner warfen dem Wiesnchef vor, er habe seine Vorschläge im Alleingang ausgetüftelt - und nicht im Gespräch mit den anderen Fraktionen. „Weil ich alles besser weiß, meide ich den Arbeitskreis“, lästerte Lydia Dietrich von den Grünen/Rosa Liste. „Bierpreisbremse - das geht mit uns auf gar keinen Fall.“ Es sei logisch, dass dann andere Getränke und Essen teurer würden. Und das sei nicht familienfreundlich.

Der frühere Wiesn-Stadtrat Helmut Schmid (SPD) warf seinem Namensvetter Populismus vor. Selbst wenn der Bierpreis um 50 Cent steige, habe „ein Kampftrinker, der zehn Maß schafft, einen Preisnachteil von fünf Euro. Da hält sich mein Mitleid in Grenzen.“

Sämtliche Vorschläge Schmids gehörten zu einem geplanten Paket von Maßnahmen, bei dem es um die Finanzierung zusätzlicher Sicherheitsvorkehrungen wegen der Terrorgefahr in Höhe von gut fünf Millionen Euro geht. Dass dies diejenigen bezahlen sollen, die auf der Wiesn Umsatz machen, darüber herrschte weitgehend Einigkeit. „Wer es nicht zahlen darf, ist der Steuerzahler“, sagte OB Reiter. Neben der Umsatzpacht für Wirte wurde deshalb beschlossen, dass einige andere Beschicker über eine höhere Standgebühr zur Kasse gebeten werden.

Schmid hatte argumentiert: Um zu verhindern, dass die Wirte ihre erhöhten Ausgaben durch die Umsatzpacht auf die Gäste umlegen, brauche es die Bierpreisbremse. Um den Wirten wiederum als Ausgleich zusätzliche Umsätze zu ermöglichen, hätte es nach dem Willen des CSU-Politikers den Zusatztag geben

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Marc Hofmann

17.05.2017, 14:14 Uhr

Die Nachfrage...also der Kunde...macht den Preis...solange also ein hohe Nachfrage nach dem Oktoberfest Bier auf der Wiesen besteht solange werden die Bierverkäufer einen so hohen Preis verlangen....wären ja blöd, wenn die es nicht machen würden.

Herr Marc Hofmann

17.05.2017, 14:38 Uhr

...kleiner Nachtrag....wer da hin geht und das bezahlt....selber schuld....dafür bekomme ich einige Dosen beim Discounter.

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