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17.09.2016

15:04 Uhr

Oktoberfest

Im Waschdirndl auf die Wiesn

VonAxel Höpner

Der Trachten-Boom ist ungebrochen. Beim Start der Wiesn heute sind Dirndl und Lederhose für Jung und Alt Pflicht – ob nun vom Discounter oder handgeschneidert. Experten verraten, was heuer im Trend liegt.

In diesem Jahr setzt sich bei den Dirndl der Trend hin zu mehr Wertigkeit und Tradition fort. dpa

Dirndl-Trends

In diesem Jahr setzt sich bei den Dirndl der Trend hin zu mehr Wertigkeit und Tradition fort.

MünchenDas Wiesn-Outfit lässt sich heute mit ein paar Mausklicks zusammenstellen. Bei Hugo Boss zum Beispiel gibt es in der Wiesn & Wasen Kollektion 2016 für rund 550 Euro eine kurze Lederhose mit dem wenig bayerisch klingenden Namen Nevik5.

In „softer Qualität“ und im „feschen Stil“, verspricht der Modekonzern. Dazu passend werden auch gleich Schuhe, Halstuch, Weste, Sakko und Hemd angeboten. In der Kombi kann man sich dann auch im Wiesnzelt von Feinkost-König Michael Käfer sehen lassen.

Der Trachtentrend auf dem Oktoberfest ist auch 2016 ungebrochen. Während sich vor einigen Jahrzehnten noch nur wenige Einheimische in Lederhose und Dirndl aufs Festgelände wagten, ist Tracht seit einiger Zeit für Jung und Alt Pflicht, egal ob vom Billigschneider aus Fernost oder von der Münchener Modemacherin Lola Paltinger, die begehrte Einzelstücke näht.

Oktoberfeste 2016: „O'zapft is“ von Brasilien bis Westjordanland

Überall auf der Welt

Rund um den Globus ist das Oktoberfest ein Schlager. Wer es nicht nach München schafft, hat vielerorts eine Alternative: Denn Wiesn-Fans in aller Welt haben den Spieß umgedreht - und feiern ihr eigenes Bierfest.

Blasmusik statt Samba

Eines der größten Oktoberfeste hat Blumenau in Brasilien. Seit mehr als 30 Jahren feiern die Menschen 19 Tage lang in der von deutschen Einwanderern gegründeten Stadt mit Blasmusik und Bier, mancher hat gar eine echte Lederhose. Nach dem Karneval in Rio soll es das zweitgrößte Straßenfest Brasiliens sein.

Stars und Stripes

Das Fest in San Francisco soll es schon seit 125 Jahren geben. Das nach eigenen Angaben größte Oktoberfest in den USA findet allerdings in Cincinnati im Bundesstaat Ohio statt - demnach werden in einem Jahr ungefähr 80.000 Bratwürste, 23.000 Brezeln und 16.000 Strudel bei dem Fest verschlungen.

Bunte Wiesn

Neben traditionellen Varianten gibt es in Berlin auch die Regenbogen-Version: Zum sechsten Mal werden in diesem Jahr die Gay-Wiesn veranstaltet.

Dirndl und Kufija

Ein Bierfest kann man sich zwischen Militäranlagen im Westjordanland kaum vorstellen. Doch genau deswegen sollte man feiern, meinen die Besitzer der einzigen palästinensischen Brauerei. Seit 2005 tragen sie im kleinen Ort Taybeh nahe Ramallah ein Bierfest aus - das nach eigenen Angaben jährlich mehr als 16.000 Menschen anzieht.

Brezn mit der Queen

Gleich mehrere solcher Bierfeste feiern die Briten. Allein in London, wo die Maß wegen der britischen Pint-Einheit ein bisschen mehr als einen Liter hat, waren zeitweise mindestens fünf Oktoberfeste bekannt. In der schottischen Uni-Stadt St. Andrews veranstalten Studenten jährlich im März ihr eigenes bayerisches Bierfest - die Einnahmen gehen an einen guten Zweck.

Bier statt Wodka

Das Bierfest in Moskau fand zumindest zeitweise Anfang des Sommers statt. Angeblich wurde es auch erfunden, um die Alkoholproblematik in den Griff zu bekommen - die Russen, so das Kalkül, sollen von der „harten Droge“ Wodka auf vergleichsweise mildes Bier umsteigen.

„Die Nachfrage ist ungebrochen“, berichtet Sonja Ragaller vom Trachten-Onlinehändler Almliebe. Der Trend zu Tracht und Tradition sei ein Langzeittrend. Dabei würden Dirndl und Lederhose in Bayern längst nicht mehr nur zur Wiesn angezogen. „Immer mehr junge Leute tragen Tracht auch im Alltag.“

Das dominierende Thema in diesem Jahr auf der Wiesn ist auch für alle, die mit dem Oktoberfest Geschäfte machen, die Sicherheit. Niemand weiß, wie viele Wiesnbesucher aus Angst vor dem Terror lieber zuhause bleiben. Eine gewisse Zurückhaltung würden alle spüren, die mit dem Oktoberfest zu tun haben, sagte Axel Munz, Chef von Trachten-Angermaier, dem Handelsblatt. Insbesondere Touristen kämen sehr zögerlich. „Nichtsdestotrotz wollen sich aber viele die Lust auf die Wiesn und damit auf Tracht nicht verderben lassen.“

Und was trägt man heuer auf der Wiesn? „Der Trend hin zu mehr Wertigkeit und Tradition setzt sich fort“, berichtet Ragaller von Almliebe. Viele junge Frauen hätten die Liebe zum einfachen Waschdirndl entdeckt – „ob mit normalem Ausschnitt oder vermehrt auch hochgeschlossen oder mit V-Ausschnitt“. Auch hochgeschossene Spitzenblusen sind angesagt.

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