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24.09.2014

13:12 Uhr

Oktoberfest von früh bis spät

Und dann spielt die Blaskapelle „Atemlos“

Mehr als sechs Millionen Menschen zieht es jährlich zum größten Volksfest der Welt. Wer von früh bis spät übers Oktoberfest in München schlendert, merkt schnell: Eine Pause gibt es hier so gut wie nicht.

MünchenEin Werktag auf der Wiesn um 5.30 Uhr: Der nasse Asphalt glänzt im Scheinwerferlicht der Lieferwagen. Eine Kehrmaschine dreht ihre letzten Runden zwischen Festzelten und Fahrgeschäften des Münchner Oktoberfests, um die Spuren des Vorabends zu tilgen. Ihr gelbes Blinklicht erhellt die Dunkelheit. Gabelstapler laden Bierfässer von Lkw-Anhängern. Geschäftiges Treiben am frühen Morgen.

7.30 Uhr: Kimo schnüffelt an einem Feuerlöscher, der auf der Empore im Hofbräu-Zelt herumsteht. Zweimal führt der Hundeführer den belgischen Schäferhund an dem Gegenstand vorbei. „Ist sauber“, sagt er. Jeden Morgen zieht die Polizei mit Hunden durch die Zelte, um nach Sprengstoff zu suchen.

Währenddessen wird in der Küche des Zeltes schon gewerkelt, Kellner beginnen mit dem Decken der Tische. „Eigentlich müssten wir hier nach unserer Suche alles absperren, bis die Besucher kommen“, sagt der Einsatzleiter. „Solange hier jeder rein und raus kann, gibt es keine absolute Sicherheit.“

Das Oktoberfest in Zahlen (2014)

Besucher

Rund 6 Millionen kommen alljährlich auf die Wiesn in München, der Rekord von 1985 lag bei 7,1 Millionen. Die Stadt als Veranstalter möchte gar nicht mehr Gäste anlocken - sonst wird es zu eng.

Festgelände

Das Wiesn-Gelände hat 34,5 Hektar - wenig für die riesige Besucherzahl. An die 400 000 Menschen drängen an einem starken Tag auf das Areal.

Wirtschaftsfaktor

Gut eine Milliarde Euro bringen die Besucher ein. Rund 435 Millionen Euro gaben sie etwa 2013 Umfragen und Berechnungen zufolge für Fahrgeschäfte, Bier, Hendl und Co. auf dem Fest aus. Der größere Anteil kam aber Einzelhandel, Hotellerie und Gastronomie sowie Bahn, Taxi und anderen Beförderungsmitteln zugute.

Beschäftigte

Rund 8000 fest angestellte und 5000 wechselnde Arbeitskräfte sind an den 16 Festtagen im Einsatz.

Festzelte

Das größte ist das Hofbräuzelt mit 10 000 Sitzplätzen inklusive Biergarten. Alle Zelte zusammen: rund 119 000 Plätze.

Essen & Trinken

2014 tranken die Gäste 7,7 Millionen Maß Bier. Dazu verzehrten sie rund 500 000 Brathähnchen, 112 Ochsen und 48 Kälber.

Toiletten

Rund 1500 Sitzplätze, ein Kilometer Stehplätze und 32 behindertengerechte Toiletten. Die Benutzung kostet nichts.

Trachten & Schützenzug

Mit bis zu 9000 Teilnehmern und sieben Kilometern Länge ist er am ersten Wiesn-Sonntag einer der größten der Welt.

Umwelt

Die Festleitung ist stolz auf die Fortschritte. Restmüll und Wasserverbrauch sanken um ein Vielfaches. Die Zahlen bleiben trotzdem enorm. Der Stromverbrauch liegt bei rund drei Millionen Kilowattstunden, etwa der Jahresverbrauch von 1200 Haushalten. Restmüll: Mehr als 900 Tonnen. Speisereste und Knochen: fast 400 Tonnen.

Fundsachen

Gut 3500 im vergangenen Jahr, darunter 900 Ausweise, 770 Kleidungsstücke, 530 Geldbörsen, 400 Schlüssel, 330 Smartphones und Handys, 305 Taschen, Rucksäcke und Beutel, 230 Brillen, 95 Regenschirme und Stöcke. Als Kuriosa wurden abgegeben: 2 Eheringe, 1 Katzentransportbox, 1 Schlagzeug-Beckenset. Gesucht wurde ein Bundesverdienstkreuz 2. Klasse.

Anstich

Zwei Schläge sind Bestmarke. Rekordhalter Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) schaffte das 2005 erstmals. Sein Nachfolger Dieter Reiter brauchte bei seiner Premiere im vergangenen Jahr knapp vier. Als 1950 der damalige Oberbürgermeister Thomas Wimmer erstmals zum Schlegel griff, brauchte er 19 Schläge.

9.00 Uhr: Die ersten Imbissbuden und Souvenirgeschäfte ziehen ihre Rollläden hoch. Der Geruch von gebratenem Hendl weht über die Theresienwiese. Der Betreiber eines Brotzeit-Standes klagt über den Regen am ersten Wochenende.

„Was da an Kunden gefehlt hat, holen wir nicht mehr rein“, sagt er. Seit 25 Jahren verkaufe er auf dem Oktoberfest. „Früher hab ich damit mal Geld verdient, inzwischen ist es nur noch Tradition.“ Unterdessen stehen die Besucher vor dem Hacker-Zelt schon bis auf die Straße.

10.30 Uhr: Vormittags ist Kinder-Zeit. Überall laufen die Kleinen herum, mal mit orangefarbenen Mützen, mal mit gelben Warnwesten. „Sitzen bleiben“, mahnt die Erzieherin beim Karussellfahren. Das fröhliche Geschnatter der Kinder ist weithin zu hören. „Achterbahn, Achterbahn“, rufen sie im Chor. Noch schieben sich keine Menschenmassen über die Theresienwiese, nur selten läuft Musik. Perfekt für den Ausflug mit der Kindergarten-Gruppe.

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