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19.09.2016

10:18 Uhr

Oktoberfeste in Deutschland

Wie Wiesn-Ableger Milliarden-Geschäfte machen

VonAndreas Neuhaus

Längst wird nicht nur in Bayern das Oktoberfest gefeiert. Quer durch die Republik haben sich große und kleine Ableger entwickelt – sehr zur Freude der Wirtschaft. Von einem Milliardengeschäft ist die Rede.

Das Frankfurter Oktoberfest hatte im vergangenen Jahr 60.000 Besucher, über die Hälfte der 23 Veranstaltungen in diesem Jahr sind schon wieder ausverkauft. dpa

Oktoberfest in Frankfurt

Das Frankfurter Oktoberfest hatte im vergangenen Jahr 60.000 Besucher, über die Hälfte der 23 Veranstaltungen in diesem Jahr sind schon wieder ausverkauft.

DüsseldorfEs war 2004 als Eric Bock und Peter Schmitz-Hellwing auf dem Oktoberfest in München waren. Singen, Tanzen, Schunkeln und Trinken – die Kölner waren begeistert und dachten sich: Das müsste es auch bei uns in Köln geben. Rasch wurden auf einem Bierdeckel Stichpunkte notiert. Unter anderem, dass es Kölsch statt bayrischem Bier geben müsse. Selbstverständlich müsse auch Kölsche Musik integriert werden.

Im darauffolgenden Jahr veranstalteten sie mit ihrer Agentur zum ersten Mal das Kölner Oktoberfest, in diesem Jahr geht die Kölsche Variante des bayrischen Volksfestes bereits in seine zwölfte Auflage. An drei aufeinanderfolgenden Wochenenden ist das Festzelt geöffnet, und die Menschen strömen in Massen zum Südstadion. 20.000 Besucher waren es im vergangenen Jahr insgesamt – mehr geht auch nicht. Das Zelt war an jedem der sechs Tage ausverkauft.

Das Oktoberfest zu sich nach Hause holen, diese Idee hat Schule gemacht. Ob Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln oder Leipzig: Kaum eine Stadt kommt ohne eigenen Ableger aus. Auch in ländlichen Regionen herrscht Wiesn-Zeit. Offizielle Zahlen gibt es nicht, trotzdem ist klar: Die Oktoberfest-Kopien haben sich zu einem Wirtschaftsfaktor entwickelt.

Entwicklung der Bierpreise auf der „Wiesn“

1970

Vor gut 40 Jahren war die Maß noch, nach heutigen Maß-stäben, spottbillig: 2,65 DM kostete der Humpen damals. Das wären gerade einmal 1,35 Euro.

1980

Vor 30 Jahren sah das Ganze schon etwas anders aus: Zwischen 4,80 und 4,90 DM kostete das Oktoberfest-Bier damals. 2,45 bis 2,50 Euro würde das heute machen.

1990

Die Preissteigerungen verliefen lange Zeit regelmäßig: grob zwei DM alle zehn Jahre - Tendenz steigend. 1990 waren 6,95 DM bis 7,55 DM pro Maß, also zwischen 3,55 Euro bis 3,86 Euro.

1995

Fast außer der Reihe ging es Mitte der 90er recht sprunghaft nach oben. 1995 kostete das Oktoberfest-Bier zwischen 9,50 DM und 10,40 DM - schon 5,32 Euro in der Spitze.

2000

Zum Jahrtausendwechsel ging es noch einmal knapp zwei DM aufwärts, wenn auch in nur noch fünf Jahren. 11,20 DM bis 12,60 DM waren damals fällig, zwei Jahre vor Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung also bis zu 6,44 Euro.

2005

Fünf Jahre später waren es zwischen 6,80 Euro und 7,25 Euro. In der Spitze wurde in diesem Zeitraum die Preise um nicht einmal einen Euro erhöht, kosteten ab diesem Zeitpunkt mehr, als 1990 noch in DM.

2008

Jahr für Jahr wird das Hopfenkaltgetränk teurer, 2008 waren es bereits zwischen 7,80 Euro und 8,30 Euro.

2009

30 bis 50 Cent mehr gab es auch im Folgejahr, von 8,10 Euro bis 8,60 Euro waren 2009 als Preis ausgerufen.

2010

Im vergangenen Jahr bewegte sich die Preisspanne zwischen 8,30 Euro und 8,90 Euro.

2011

2011 steigen die Preise für die Maß auf 8,70 Euro bis 9,20 Euro. Das entspricht einer Steigerung von 3,6 Prozent gegenüber Vorjahr. Und ungefähr dem Siebenfachen, was vor 40 Jahren fällig gewesen wäre. Tendenz weiter steigend...

2012

2012 haben die Bierpreise natürlich wieder angezogen. Zwischen 9,10 Euro und 9,50 Euro kostet das Kaltgetränk in diesem Jahr.

2013

Jahr für Jahr näherten sich die Preise immer mehr der 10 Euro Grenze. 2013 liegt der Preis schon zwischen 9,40 Euro und 9,85 Euro.

2014

2014 war es dann das erste Mal so weit: Der Preis stieg auf über 10 Euro. So zahlt man je nach Standort zwischen 9,70 Euro und 10,10 Euro.

2015

Während man 2005 bei 6 Euro pro Maß die Nase gerümpft hätte, würde man sich mittlerweile drüber freuen. Schließlich kostet sie mittlerweile zwischen 10 Euro und 10,30 Euro.

2016

Die Bierpreise bleiben ihrer Linie treu und haben auch dieses Jahr ein Rekordhoch. So zahlt man zwischen 10,40 Euro und 10,70 Euro. Wie wohl die Prognose für die Zukunft aussieht?

Branchenkenner Lorenz Pöllmann vergleicht die boomende Oktoberfestindustrie mit dem Weihnachtsmarktgeschäft: „Es geht vor allem um das gastronomische Angebot. Wenn man sich da anschaut, wie viel Glühwein verkauft wird: Das ist ein Milliardengeschäft“, sagt der Professor für Medien- und Eventmanagement an der HMKW Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Berlin.

Ein Blick auf die Internetseiten der Veranstalter zeigt: Aller Orten sind die Tickets knapp. Das Frankfurter Oktoberfest hatte im vergangenen Jahr 60.000 Besucher, über die Hälfte der 23 Veranstaltungen in diesem Jahr sind schon wieder ausverkauft. Auch im niederrheinischen Xanten, wo im Vorjahr 60.000 Besucher gezählt wurden, gilt: Für die diesjährige Auflage sind keine Reservierungen mehr möglich.

Die Lust der Menschen aufs Oktoberfest ist psychologisch begründet. Über die Marke Oktoberfest wird international berichtet. „Und in dem Moment, in dem die ganze Welt darüber spricht, besteht bei vielen das Bedürfnis, dabei zu sein. Und über die Ableger kann man auch dabei sein“, erklärt Pöllmann. „Man schwimmt auf einer Welle mit. Bei den Menschen entsteht der Eindruck: Wenn ich nicht hingehe, verpasse ich etwas. Dann bin ich außen vor.“

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