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30.04.2011

12:49 Uhr

Oligarchen-Kidnapper

Russlands reiche Kinder leben gefährlich

Aus Angst schicken reiche Russen ihre Kinder oft ins Ausland - denn in der Heimat haben es ständig Kidnapper auf sie abgesehen. Jüngstes Beispiel ist die Entführung von Iwan Kaspersky.

Russische Polizisten. Quelle: dapd

Russische Polizisten.

Moskau Brutal stoßen die Entführer Iwan Kaspersky in ein Auto, zerren dem 20-Jährigen eine Wollmütze über den Kopf und rasen schließlich davon. In ihrem Versteck nahe Moskau sperren sie den jungen Mann in die Banja ein und zwingen ihn, seinen Vater Eugene Kaspersky anzurufen. Der berühmte Software-Entwickler besitzt Schätzungen zufolge 546 Millionen Euro. Drei Millionen Euro verlangen die Täter als Lösegeld. Nach sechs Tagen Geiselhaft befreien Zielfahnder des Geheimdiensts FSB den jungen Mann.

Die Nachkommen von Oligarchen schweben ständig in Gefahr. Ihre Eltern wollen ihnen nicht zumuten, wie sie selbst nur schwer geschützt auszugehen. „Reiche Leute sollten ihre Kinder ins Ausland bringen“, rät der Kriminologe Michail Winogradow. Dort, so die Hoffnung, sind die Jugendlichen besser geschützt. Denn in Russland sind Entführungen keine Seltenheit. Der 19-jährige Sohnes eines Öl-Managers war 2009 für zwei Monate in der Hand von Entführern, bevor er unverletzt befreit wurde. Die mittlerweile gefassten Täter hatten angeblich 50 Millionen Euro verlangt. Oft gehen die Kidnapper mit menschenverachtender Gewalt vor.

Rund 700 Menschen wurden im vergangenen Jahr in Russland verschleppt, darunter etwa 200 Kinder. Damit liege das größte Flächenland der Erde auf einem Niveau mit dem für brutale Kidnappings berüchtigten Brasilien, sagt der Rechtsanwalt Igor Trunow. Auch in Russland treiben Armut und Arbeitslosigkeit viele Menschen in die Kriminalität. Im Fall Kaspersky hatten die Entführer - ein älteres Ehepaar und sein Sohn sowie zwei Freunde - hohe Schulden, wollten mit dem Lösegeld Kredite tilgen. Die Sicherheitsvorkehrungen der russischen Elite sind immens.

Kommentare (1)

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keeper

01.05.2011, 13:32 Uhr

je größer die Potentialdifferenz,
desto größer die Spannung, desto größer der Druck ...

... und Druck erzeugt Gegendruck.


Des weiteren wird auch immer mehr Menschen bewusst,
daß es eben genau diese Ungleichgewichte, diese Ungleichverteilung des Produktivkapitals ist, welche die Ursache für die ökonomische Problematik sind.

Wenn von einigen wenigen der Anteil an den volkswirtschaftlichen Erträgen ständig stärker steigt als das Wirtschaftswachstum,
dann bleibt für den Rest -logischerweise- immer weniger übrig.

Was früher Lohnerträge waren, sind heute Kapitalerträge.
Was früher der Lohn von Millionen von Menschen war,
ist heute der Kapitalertrag einiger weniger.

Je mehr man sich von der Leistungsgesellschaft entfernt,
und je näher man sich zur reinen Eigentumsgesellschaft hin entwickelt, desto größer werden eben auch die Spannungen - und desto häufiger werden sich diese auch entladen.

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