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16.08.2012

13:40 Uhr

Olympia- und WM-Countdown

Rios Kampf gegen Drogenkartelle und Armut

Die Olympischen Spiele in London verliefen friedlich. In Rio soll das nicht anders sein, doch die Probleme sind nicht zu übersehen. Polizei und Drogenkartelle liefern sich in über 1000 Favelas erbitterte Kämpfe.

Die Olympische Flagge wird in Anwesenheit der UPP Friedenspolizei und des Governeurs von Rio, Sérgio Cabral, im Complexo do Alemão gehisst. Renato Moura

Die Olympische Flagge wird in Anwesenheit der UPP Friedenspolizei und des Governeurs von Rio, Sérgio Cabral, im Complexo do Alemão gehisst.

Seit knapp einem Jahr lebe ich in Rio und recherchiere für meine Doktorarbeit über Sicherheit, Organisiertes Verbrechen und Menschenrechte. Wenn ich heute durch die Stadt spaziere, sehe ich wenig vom olympischen Glanz der cidade maravilhosa, der wunderbaren Stadt. Neben endlosen Staus, Müll und Chaos auf den Strassen ist das Stadtbild Rios vor allem von Ungleichheit und Armut geprägt. Einige der mehr als 1,000 Favelas, wie in Brasilien die Armenviertel genannt werden, liegen in direkter Nachbarschaft zu den Stadtvierteln der Oberklasse. Wenn ich die Favelas besuche höre ich Klagen über das mangelhafte Schul- und Gesundheitssystem und die Perspektivlosigkeit der Jugendlichen. Die Strom- und Wasserversorgung ist prekär.  Müll und offenes Abwasser verursachen Überschwemmungen und bringen Krankheiten wie Dengue und Tuberkulose mit sich. In den Favelas Vila Autódromo und Morro da Providência erzählen mir viele Bewohner dass sie umgesiedelt werden sollen, um Platz zu machen für das Olympische Dorf und Stadionparkplätze.

Die größte Herausforderung für die Sport-Megaevents ist allerdings das Thema Sicherheit. In den letzten drei Jahrzehnten hat es Rio aufgrund der hohen Gewalt- und Mordraten weltweit zu zweifelhaftem Ruhm gebracht. Drei verschiedene Drogenhandelskartelle kämpfen erbittert mit der Polizei und anderen illegalen Milizengruppen um die Kontrolle der Armenviertel. Hier ist ein rascher sozialer Aufstieg oft nur für diejenigen möglich, die mit dem Drogenhandel oder anderen kriminellen Machenschaften, wie Erpressung, Überfälle und Entführungen schnelles Geld verdienen. Viele bezahlen dafür mit ihrem Leben: Die Mordrate für die Stadt Rio de Janeiro beträgt 24,3 pro 100.000 Einwohner (zum Vergleich Deutschland: 0,9/100.000).

Trotzdem gibt es in den letzten Jahren bedeutende Erfolge im Bereich der öffentlichen Sicherheit zu verzeichnen, denn im Jahr 2000 betrug die Mordrate noch mehr als das Doppelte (56,6/100,000). Glaubt man den Politikern und Polizisten die ich für meine Doktorarbeit interviewe, liegt das vor allem an den Unidades de Polícia Pacificadora (UPPs), Rios Einheiten der Friedenspolizei.

Seit Beginn des Programms im Dezember 2008, wurden schon 25 UPPs in den Favelas errichtet und damit 600.000 Einwohner offiziell „befriedet“. In der Praxis bedeutet das: Die Eliteeinheit der brasilianischen Militärpolizei, BOPE, besetzt die Favela, wenn nötig unter Einsatz von Waffengewalt und Panzern. Die Drogenhändler werden verhaftet oder fliehen.

Oft wird dann demonstrativ auf dem höchsten Punkt der Favela die brasilianische Flagge gehisst, als Zeichen dafür, dass der Staat das Territorium zurückerobert hat. Nach einer Stabilisierungsphase wird eine UPP errichtet, unterstützt von der UPP Social, einem städtischen Programm welches Sozialdienste in die jahrzehntelang vernachlässigten Gemeinschaften bringt. Das erklärte Ziel all dieser Bemühen ist die „integrierte Stadt 2016“.

Der Sicherheitssekretär Rios, José Mariano Beltrame, zeigt sich stolz über die Erfolge: „Wir haben es geschafft die Mordrate zu reduzieren, aber sie ist immer noch sehr hoch. Das Spiel ist noch nicht gewonnen, wir haben nur einige Siege vollbracht. Einer davon war, dass die Gesellschaft Rios wieder anfängt zu glauben.“ Bis zu der Weltmeisterschaft 2014, dessen Endspiel in Rio´s Maracanã-Stadion stattfindet, will Beltrame 40 UPPs errichten, und weitere 60 bis zu den Olympischen Spielen in 2016.

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