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25.04.2016

12:23 Uhr

Online-Dating

Flirt-Portale wappnen sich für die Cyber-Liebe

Die Suche nach einer neuen Liebe im Netz kann schnell zum Ziel führen - oder sich hinziehen. Künftig sollen lernende Computer den Singles Arbeit abnehmen und vielleicht auch manche Enttäuschung ersparen.

Die Partnersuche im Cyberspace nimmt zu. dpa

Verkuppelt via Internet

Die Partnersuche im Cyberspace nimmt zu.

MünchenFlirten und Daten in virtuellen Welten? Glaubt man Trendforschern wie Christian Schuldt vom Frankfurter Zukunftsinstitut, dann könnten sich viele Singles auf Partnersuche bald im Cyberspace zum ersten Mal begegnen. Algorithmen sondieren potenzielle Partner für sie und arrangieren das romantische Kennenlernen oder erotische Abenteuer. Die Branche der Dating-Anbieter könnten solche Entwicklungen weiter aufmischen.

Schon seit Jahren geht es auf dem Markt wenig kuschelig zu. Laut Schätzungen halten etwa elf Millionen Menschen regelmäßig im Internet Ausschau nach möglichen Liebes- oder Sexpartnern. Das klingt zwar nach einem lukrativen Geschäft - doch die Konkurrenz ist groß.

Rund 2500 deutschsprachige Singlebörsen, Partnervermittlungen, Seitensprung-Portale und ähnliche Anbieter buhlen um die Gunst der Flirtwilligen. Auch kostenlose Apps mischen mit. Schon seit Jahren stagnieren die Umsätze der Branche in Deutschland mehr oder weniger - bei teils hohen Werbeausgaben. Im vergangenen Jahr kamen die Portale Schätzungen zufolge auf Erlöse von zusammen gut 190 Millionen Euro.

Partnersuche: Wissenswertes über die Datingapp Tinder

Die Geschichte eines Namens (1)

Tinder wurde auf dem Campus der University of California verbreitet und lief zunächst als Startup unter dem Namen „Match Box“ (engl. Für Streichholzschachteln) bekannt. Der Tinder-Prototyp entstand im Jahr 2012 durch Kapitalzuschüsse einer Unternehmensförderung des US-Investors IAC .

Die Geschichte eines Namens (2)

Weil IAC aber auch an der US-Online-Dating-Seite Match.com beteiligt war, brauchte das Startup „Match Box“ einen neuen Namen. So wurde die „Streichholzschachtel“ zu „Tinder“ (engl. für Zunder).

Das Logo

Die stilisierte Flamme, die im Logo über dem „i“ in „Tinder“ lodert, steht einerseits für die wörtliche Bedeutung „Zunder“. Andererseits soll das Symbol der Flamme aber auch für die entflammenden Liebschaften stehen, die Tinder herbeiführen will.

Tinder in Zahlen

Mittlerweile wurde Tinder in 24 Sprachen übersetzt und hat weltweit über 30 Millionen Nutzer. Gründerangaben zufolge ruft der durchschnittliche User die App rund elfmal täglich auf, 800 Millionen Profile werden weltweit täglich bewertet und zehn Millionen „Matches“ werden von der App pro Tag generiert.

Der Gründer

Tinder-Gründer Jonathan Badeen erschuf die Dating-App gemeinsam mit seinen zwei Freunden Justin Mateen und Sean Rad. In einem Interview mit dem Spiegel sagte er kürzlich, dass er seine Erfindung auch selber nutze, um Frauen kennenzulernen. Er gab zu, dass er früher nicht viele Dates hatte, weil er Angst vor Zurückweisungen hatte. Durch das von Tinder ermöglichte Gefühl der endlosen Date-Möglichkeiten fühle er sich bei Dates nicht mehr so unter Druck gesetzt.

Wie geht Tinder mit Nutzungsdaten um? (1)

Laut Nutzungsbedingungen behält sich Tinder vor, sogenannte Background-Checks seiner Nutzer zu machen. Damit ist zum Beispiel der Abgleich mit Datenbanken zu Sexualstraftätern gemeint. Zusätzlich kann aber auch der sämtliche „Content“, d.h. zum Beispiel alle Direktnachrichten eingesehen und überwacht werden.

Wie geht Tinder mit Nutzungsdaten um? (2)

Außerdem gibt der Tinder-Nutzer dem Unternehmen mit dem ersten Login das unbefristete, unwiderrufliche und gebührenfreie Lizenzrecht, die persönlichen Daten und Fotos zu kopieren, zu übertragen, zu verbreiten, öffentlich aufzuführen und in künftigen Web-Diensten anzuzeigen zu dürfen.

Wie geht Tinder mit Nutzungsdaten um? (3)

Darüber hinaus erlaubt sich Tinder, die Nutzerdaten an Werbeunternehmen und Analyse-Firmen weiterzugeben. Erst vor kurzem hat sich das Unternehmen Gillette mit Tinder zusammengetan, um auszuwerten, ob ungepflegtes Haar als weniger attraktiv bewertet wird, als gepflegtes Haar.

Weiterentwicklung

Co-Gründer Justin Mateen betonte mehrfach, dass Tinder keine reine Dating-App sei, sondern eine „Social Discovery App“ – eine soziale Entdeckungs-Plattform. Die App soll demnächst so weiterentwickelt werden, dass über Tinder nicht nur geflirtet, sondern auch Freundschaften geknüpft und Geschäftspartner gefunden werden können.

Kein Wunder also, dass eine Konsolidierungswelle eine ganze Reihe etablierter Unternehmen erfasst hat. Die beiden Partnervermittlungen Parship und Elitepartner etwa gehören mittlerweile zum britischen Finanzinvestor Oakley Capital. Friendscout24 und Neu.de gingen an die französische Meetic Group, die wiederum eine Tochter des US-Konzerns Match Group ist, der auch die App Tinder unter seinen Fittichen hat.

Der Markt werde weiter in Bewegung bleiben, erwartet Friendscout24-Geschäftsführer Michael Pilzek. Deshalb müssten sich die Anbieter rüsten. Man beobachte die Entwicklungen genau und werde auch Angebote auf Basis neuer Technologien entwickeln.

Politik: Datenschützer: Bei Online-Partnersuche keine intime Infos

Politik

Datenschützer: Bei Online-Partnersuche keine intime Infos

Wer im Internet die Liebe fürs Leben sucht, sollte nach einem Rat von Datenschützern sparsam mit persönlichen Informationen umgehen. Viele sogenannte Dating-Portale fragten bis zu 70 Angaben zur eigenen Person ab - bis hin zu erotischen Vorlieben.

Bestärkt fühlt sich Pilzek dabei durch die Studie von Schuldt, die Friendscout24 in Auftrag gegeben hatte. Demnach erwarten viele Nutzer passende Partnervorschläge quasi jederzeit überall - ob im Sport, an der Supermarktkasse oder in der U-Bahn, ohne sich erst ins Internet einklinken zu müssen. Möglich könnte das beispielsweise mit smarten Kontaktlinsen und Brillen werden, über die eine Art „persönlicher Dating-Butler“ den Nutzer zum Anbändeln animiert, glaubt Schuldt.

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