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05.04.2013

21:29 Uhr

Opfer in Behandlung

Polizei beendet Geiselnahme in Kölner Kita

Nach einem stundenlangen Nervenkrieg ist die Geisel frei: Die Polizei hat den Geiselnehmer in einer Kölner Kita überwältigt. Der Täter wurde verletzt, das Opfer wird ärztlich versorgt.

Ende einer Geiselnahme: Die Geisel wird nach der Erstürmung der Kita ärztlich versorgt. dpa

Ende einer Geiselnahme: Die Geisel wird nach der Erstürmung der Kita ärztlich versorgt.

KölnErleichterung nach Stunden der Angst und Ungewissheit: Mit einem Messer bewaffnet nimmt ein Mann am Freitagvormittag den Leiter einer Kölner Kindertagesstätte als Geisel. Erst am Abend, nach mehr als zehn Stunden, kommt endlich die gute Nachricht - die Polizei überwältigte den Mann und befreite den Kita-Leiter. Die Kinder und Erzieherinnen, die sich zum Zeitpunkt der Geiselnahme in dem Gebäude aufhielten, waren schon vorher in Sicherheit. Sie konnten sich schnell ins Freie flüchten. Warum der Mann die Geisel nahm, blieb zunächst unklar.

Alles geschah rund um die Kindertagesstätte in der Osloer Straße 1 in Köln-Chorweiler. Die Polizei versperrte alle Wege. Das Feld gehörte vermummten Spezialkräften der Polizei. Nur ihre Augen waren hinter Sturmhauben und Helmen zu erkennen, die Männer waren bewaffnet und trugen dicke Schutzwesten am Leib. Direkt bis vor den rot geklinkerten Flachbau gingen die Polizisten. Darin hatte der Geiselnehmer den Leiter der Kita in seiner Gewalt.

Am Freitagmorgen müssen sich hier dramatische Szenen abgespielt haben. Als die Gefahr deutlich wurde, waren die Kinder und ihre Erzieher einfach rausgelaufen. Die Tochter seiner Cousine gehe in die Kita, erzählte Philipp Houben, einer der wenigen Fußgänger auf der abgesperrten Straße.

„Sie hat wohl nur erzählt, dass sie auf einmal rausgerannt sind“, berichtete er. Die Kleine habe die Dramatik gar nicht richtig mitbekommen. 85 Jungen und Mädchen im Alter zwischen einem und sechs Jahren besuchen die Einrichtung in dem als Problemviertel bekannten Stadtteil Chorweiler. Wegen der Osterferien waren allerdings weniger Kinder als sonst in der Einrichtung - nur 17.

Um 8.50 Uhr am Freitagmorgen ging ein Notruf bei der Polizei ein, in der Kita gebe es einen lauten Streit. Ein Fluchtauto und Bargeld wolle der Mann, berichtete ein Polizeisprecher später. Die Polizei hatte Kontakt mit dem Täter und der Geisel.

Eine Hochhaussiedlung rahmt den Kindergarten auf drei Seiten ein. Einige Bewohner schauten von ihren bunten Balkonen herab auf das Drama - wie in einem antiken Amphitheater. Mehr als 20 Nationen seien in der Kita versammelt, berichtet Philipp Houben im eisigen Wind vor den Gebäuden. Multikulti sei das, ein Kindergarten im Brennpunkt.

Polizisten in martialischer Schutzuniform marschierten am Spielplatz vorbei. Dutzende Polizeiautos waren vorgefahren. Immer mehr Polizisten in Zivil kamen dazu. Dabei waren Fachleute, sogenannte Verhandler. Und immer mehr Material wurde zum Einsatzort gebracht, auch zwei schwarze, mannshohe Container. Ein junger Mann steht an der Absperrung und ist ratlos: „Da muss wohl bei einem eine Sicherung durchgeknallt sein.“

Eine Detonation beendete um kurz vor 19 Uhr den Nervenkrieg. Anscheinend hatten die Spezialkräfte eine Blendgranate gezündet. Auch ein Lichtblitz war zu sehen, als die Polizei die Kita stürmte. Minuten später brachten Rettungskräfte den Geiselnehmer und dessen Opfer auf Tragen aus dem Gebäude. Tücher verhüllten die Gesichter.

Die Identität des Geiselnehmers war lange Zeit unklar. Am Abend teilte die Polizei dann mit: Nach derzeitigen Ermittlungen handle es sich bei dem Täter um einen 47 Jahre alten, in Köln lebenden Mann. Zum Motiv konnte die Polizei weiter nichts sagen. Die Hintergründe der Tat seien noch nicht geklärt, sagte Polizeisprecher Lutz Flaßnöcker am Ort des Geschehens. Den ganzen Tag über habe man mit dem Mann verhandelt - zum Inhalt der Gespräche äußerte sich Flaßnöcker indes nicht.

„Die Einsatzleitung hatte von Anfang an darauf gesetzt, die Geiselnahme gewaltfrei zu beenden, gleichzeitig aber auch alles für einen Zugriff vorbereitet“, hieß es in einer Mitteilung.

Zum Zeitpunkt der Geiselnahme hielten sich wohl wegen der Osterferien weniger Kinder als sonst in der Einrichtung auf - normalerweise werden in der Kita 85 Kinder bis zu sechs Jahren in vier Gruppen betreut. Nach dem Eintreffen der Polizei befanden sich noch drei Kinder mit drei Erzieherinnen in der ersten Etage des Gebäudes. Sie verließen das Gelände über eine äußere Sicherheitstreppe.

Die Kita - ein Klinkerflachbau im Schatten mehrerer Wohnhochhäuser - war über Stunden weiträumig abgeriegelt. Eine Flucht sei dem Täter unmöglich gemacht worden. Man stehe in Kontakt zu dem Geiselnehmer, hieß es von der Polizei, noch kurz bevor sie das Gebäude stürmte. Auch zu der Geisel habe es Kontakt gegeben.

„Die Eingangstür der Kindertagesstätte ist nur während der Zeiten, in denen Kinder abgegeben und auch abgeholt werden können, geöffnet - und zwar morgens von 8 bis 9 Uhr“, erläuterte die Stadt Köln. In dieser Zeit konnte der Mann eindringen. Was er dort wollte - auch das blieb bis zum Abend unklar.

Kommentare (5)

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hullahup

05.04.2013, 22:21 Uhr

Wir wollen hier doch nicht Details vertuschen

Nach derzeitigen Ermittlungen handle es sich bei dem Täter um einen 47 Jahre alten, in Köln lebenden Mann.

Richtiger Stand ist :

Nach derzeitigen Ermittlungen handelt es sich bei dem Täter um einen 47 Jahre alten, in Köln lebenden Türken

DieterHa

05.04.2013, 22:30 Uhr

Brennpunktkindergarten, Multikulti und immer noch keine offizielle Mitteilung über die Identität des Täters und sein Motiv -- Seltsam oder vielleicht doch nicht?

Account gelöscht!

05.04.2013, 22:35 Uhr

Oh Gott, wie politisch unkorrekt!

Schon der Originalsatz ist voll diskriminierend ("dem Täter um einen 47 Jahre alten, in Köln lebenden Mann"). Das muss heißen:

Bei der TäterIn handelt es sich um einen in Köln lebenden Menschen. (Altersangabe ist auch politisch inkorrekt)

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