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19.04.2006

09:03 Uhr

Opfer ringt mit dem Tod

Mailbox-Mitschnitt soll zu Tätern führen

Der rechtsradikale Angriff auf einen Deutsch-Ätophier in Potsdam hat in den politischen Lagern eine Debatte um die Finanzierung von Projekten gegen Rechtsextremismus ausgelöst. Die Suche nach den Tätern läuft unterdessen auf Hochtouren. Die Polizei setzt ihre Hoffnung dabei auf einen Mailbox-Mitschnitt.

HB POTSDAM/BERLIN. Nach dem rassistischen Überfall auf einen Deutsch-Äthiopier in Potsdam hat die SPD die Union aufgefordert, sich nicht gegen die Weiterfinanzierung von Projekten gegen Rechtsextremismus zu sperren. SPD-Vorstandsmitglied Niels Annen sagte der „Berliner Zeitung“ (Mittwoch), die rot-grüne Bundesregierung habe dafür pro Jahr 19 Millionen Euro ausgegeben. „Alle Auswertungen zeigen, dass die Programme sehr erfolgreich sind.“ Bislang gebe es aber große Vorbehalte in der Union gegen diese wichtige Arbeit. Er hoffe, „dass Einsicht in die Notwendigkeit wächst, die begonnene Arbeit gemeinsam fortzusetzen.“

Die Polizei sucht weiterhin nach den beiden Tätern, die am Ostersonntag den aus Äthiopien stammenden Ingenieur zusammengeschlagen und lebensgefährlich verletzt hatten. Aus der Bevölkerung seien bereits zahlreiche Hinweise eingegangen. Diese würden nun auf ihre Verwertbarkeit geprüft, sagte ein Polizeisprecher am Mittwochmorgen.

Das 37 Jahre alte Opfer rang am Dienstag auf der Intensivstation eines Potsdamer Klinikums weiter mit dem Tod. Er war in ein künstliches Koma versetzt worden. Nach Auskunft der behandelnden Ärzte ist unklar, ob er durch das Schädel-Hirn-Trauma bleibende Schäden davontragen wird. Wegen der Gefahr für die Innere Sicherheit hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen an sich gezogen.

Von den beiden mutmaßlichen Tätern fehlte vorerst noch jede Spur. Der Mitschnitt ihrer Stimmen, die auf der Handy-Mailbox der Ehefrau des Opfers gefunden worden waren, kann unter  www.internetwache.de angehört werden. Der Überfall ereignete sich am Sonntagmorgen an einer Straßenbahnhaltestelle am Bahnhof Charlottenhof. Das Opfer ist mit einer Potsdamerin verheiratet und hat zwei Kinder.

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