Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.12.2011

09:27 Uhr

Opfergaben in Vietnam

Brennendes Geld fürs Jenseits

Viele Vietnamesen wollen, dass ihre Vorfahren auch im Jenseits ein schönes Leben führen. Sie verbrennen deshalb gerne Autos, Häuser und Frauen aus Papier. Das Geschäft mit den Opfergaben boomt.

Ein Geschäft mit Opfergaben in Hanoi. dpa

Ein Geschäft mit Opfergaben in Hanoi.

HanoiManchmal bleibt es bei Nguyen Thi Hanh nicht bei einem einfachen Gebet zu ihren Vorfahren. Sie macht dann ein Feuerchen und verbrennt in einer Keramikurne Geld. Falschgeld. Die 56-Jährige hat falsche 10.000-Dollarscheine für paar Cents gekauft. Diese Geldscheine werden neben vielen anderen Opfergaben aus Papier in Vietnam häufig für die Toten angezündet.

„Ich verbrenne das Papier damit meine Vorfahren Geld im Leben nach dem Tod ausgeben können“, sagt Nguyen. „Außerdem sollen sie den Wächter des Jenseits bestechen, damit sie auf die Erde zurückkehren können.“ Die Tradition ist Tausende Jahre alt und stammt ursprünglich aus China. Die vietnamesische Regierung hat wegen des Rauchs und der Verschmutzung versucht, das Papierverbrennen zu verbieten - ohne Erfolg.

Die steigende Inflationsrate und dadurch höhere Preise in Vietnam haben dazu geführt, dass es sich viele nicht leisten können, richtiges Geld zu verbrennen. Die Praxis, Falschgeld zu zündeln, ist deshalb weit verbreitet. In einem Land, wo Traditionen und Ahnenverehrung eine große Rolle spielen, profitiert die Industrie von den Opfergaben aus Papier. Und auch andere Wirtschaftszweige wollen an dem Boom teilhaben.

Doan Phuong Hai hat so einen Weihpapier-Laden im alten Viertel von Hanoi. Wie viele andere Ladenbesitzer, verkauft sie Opfergaben aus Papier, die den Toten Glück bringen sollen. In den Regalen stehen Sportautos, Villen, Kühlschränke, Waschmaschinen neben Pässen, Kreditkarten und sogar iPhones. Seit 75 Jahren ist die Familie von Hai im Geschäft. Noch nie lief es so gut, sagt sie. Ungefähr sieben bis 18 Euro verdient Hai umgerechnet damit an einem durchschnittlichen Tag. An guten Tagen sind es bis zu 144 Euro.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

MeierNguyen

08.12.2011, 09:48 Uhr

Ich selbst habe jetzt im ganzen etwa 2 Jahre in Vietnam gelebt (als Deutscher, privat, nicht beruflich) und habe sehr viel von dem Land gesehen. Habe auch das Mondneujahrsfest miterlebt.
Trotz der Armut dort haben die Menschen eine wunderbare Haltung zum Leben, pflegen ihre Kultur sorgsam und halten zusammen.
Selbst die Arbeitswelt ist für Deutsche kaum erfassbar: Es wird zwar NOMINAL mehr und länger gearbeitet und "Urlaub" in unserem Sinne ist dort fast unbekannt -- aber jetzt (früher war das anders) geht es dort wesentlich menschlicher und entspannter zu als in deutschen Betrieben, der Chef besucht die Familie des Angestellten auch gerne mal am Abend zu einem Plausch, es wird viel gelacht und getrunken.

Die Arbeitsverdichtung ist nicht so brutal wie bei uns, oft kam mein nachbar auch mal Mittags nach hause, oder meine Vermieterin nahm ihr Kind kurzerhand mit zur Arbeit, wenn ausnahmsweise mal niemand daheim war.

Kein Chef regte sich darüber auf.

Im ganzen sind dort die Familienstrukturen noch intakt, die Familien sind riesig gross und stark.

Man sieht sehr viele junge, ehrgeizige starke Menschen auf der Strasse.

(Teil 2 folgt)

Account gelöscht!

08.12.2011, 09:58 Uhr

Ein Freund überlegt ein freiwilliges Soziales Jahr in Vietnam zu nehmen. Kennst du da vlt iwelche Organisationen, welche das unterstützen?

MeierNguyen

08.12.2011, 10:02 Uhr

Teil 2

Die Deutschen können sich von den Menschen dort eine ganze Scheibe und noch mehr abschneiden.
Diese Kinderfeindlichkeit, der Konsumwahn, dieses nebeneinander statt Miteinander in der BRD ist nichts, wofür man Vietnamesen erwärmen kann.
Niemals würden sie das offen sagen, doch die Einstellung der Deutschen zu Kinder, Nation und Familie sind mir, wie den meisten Vietnamesen in der BRD zuwider.

Meinungsfreiheit: Sie ist dort eigentlich nicht mehr eingeschränkt als in der BRD.
Dort gilt es als NoGo, die Führung zu kritisieren ( die aber eben trotz aller Schwächen 10000x mehr hinter ihrem Volk steht als es die deutsche Staatslenkung tut), hier in der BRD ist es ein NoGo, Nationalgefühl zu zeigen.
Es gibt dort unterm Strich nicht weniger Meinungsfreihheit als in der BRD, und ich weiss, was ich sage,


Es ist meine feste Meinung, dass die Vietnamesen eine bessere Zukunft haben als die sich selbst abschaffenden Deutschen.

Ich freue mich jedenfalls schon wieder auf meine nächste Zeit dort im Sommer 2012 für ca 1 Jahr. Weg von den kalten, kinderlosen Konsumdeutschen hin zu einem fröhlichen, traditionsbewusstem Volk mit Kraft und Geschick.

n

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×