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03.08.2012

16:04 Uhr

Organspende-Skandal

Drastische Strafen als Abschreckung

Der Organspende-Skandal an den Unikliniken in Göttingen strapaziert das Vertrauen der Bürger in ihre Ärzte. Jetzt streiten Politik und Verbände um Verantwortlichkeiten und fordern Konsequenzen - bis hin zu Haftstrafen.

Skandal an Göttinger Uniklinik: Ein ehemaliger Oberarzt steht im Verdacht, in mehr als 20 Fällen Krankendaten manipuliert zu haben. dpa

Skandal an Göttinger Uniklinik: Ein ehemaliger Oberarzt steht im Verdacht, in mehr als 20 Fällen Krankendaten manipuliert zu haben.

RegensburgDer Ruf nach Konsequenzen aus dem Organspende-Skandal an den Unikliniken in Göttingen und Regensburg wird lauter. Politiker forderten härtere Strafen für Täter. Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, wiederum kritisierte Regierung und Justiz in Bayern und warf ihnen Versagen vor. Unterdessen wird spekuliert, dass der beschuldigte Oberarzt am Klinikum Regensburg kein Einzeltäter war. Die Staatsanwaltschaft hat dafür aber noch keine konkreten Anhaltspunkte.

Die Prüfungen stünden noch am Anfang, sagte der stellvertretende Sprecher der Staatsanwaltschaft Regensburg, Markus Pfaller, am Freitag. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte berichtet, dass der beschuldigte Oberarzt wahrscheinlich kein Einzeltäter war. „Wir können das zum jetzigen Zeitpunkt nicht bestätigen. Wir können keine Vermutungen und Spekulationen anstellen“, sagte Pfaller.

Dem Zeitungsbericht zufolge ist die Zahl der Lebertransplantationen in Regensburg auch nach dem Weggang des beschuldigten Oberarztes noch einmal drastisch gestiegen. Die Zahl habe sich binnen Jahresfrist um mehr als 40 Prozent erhöht - von 48 Transplantationen im Jahr 2008 auf 69 im Jahr 2009. Eine solche Steigerung gelte als ungewöhnlich.

Das Vertrauen der Patienten in ihre Ärzte ist schwer angeschlagen. dpa

Das Vertrauen der Patienten in ihre Ärzte ist schwer angeschlagen.

Ärztepräsident Montgomery attackierte die bayerischen Behörden. Im rbb-Inforadio sagte er, der verdächtige Oberarzt aus Regensburg sei schon 2005 ins Visier der Ermittler geraten. „In Bayern haben gerade die staatlichen Gremien versagt, denn wir haben damals mit der Selbstverwaltung diesen Fall aufgedeckt. Wir haben mit den bayerischen Institutionen gesprochen. Niemand hatte auch nur die Spur eines Interesses, diesen Fall damals zu verfolgen“, sagte Montgomery.

Nach Angaben des Regensburger Uniklinikums waren damals verbotenerweise jordanische Patienten auf eine Warteliste für europäische Transplantationspatienten gelangt. Außerdem war illegalerweise eine Leber in Jordanien transplantiert worden. Oberstaatsanwalt Wolfhard Meindl hatte am Donnerstag erklärt, nach den damaligen Ermittlungen sei das Verhalten des Arztes nicht strafbar gewesen, sondern möglicherweise eine Ordnungswidrigkeit. Es habe keinen Anlass für weitere Ermittlungen gegeben

In der Tageszeitung „Die Welt“ (Freitag) betonte Montgomery: „Ich halte überhaupt nichts von einer staatlichen Aufsicht oder von staatlichen Gremien.“ Denn „weder das bayerische Wissenschaftsministerium noch die Strafverfolgungsbehörden haben ein Interesse gezeigt“, die Unregelmäßigkeiten an der Uniklinik Regensburg vor sieben Jahren aufzuklären.

Kommentare (1)

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Organspender

03.08.2012, 18:18 Uhr

wer will da noch Organspender sein? Wenn man arm ist muss man frueher sterben.

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