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03.09.2013

12:53 Uhr

Organspende-Skandal

Kaum konkrete Aussagen der Zeugen

Im Prozess um Manipulationen bei Leberverpflanzungen an der Göttinger Uniklinik hat am Dienstag der Transplantations-Koordinator der Klinik ausgesagt. Zu den wesentlichen Fragen konnte er nichts konkretes aussagen.

Der angeklagte Arzt (l) im Prozess um einen Organspende-Skandal spricht mit seinem Verteidiger Steffen Stern. Der Angeklagte muss sich im Transplantations-Skandal am Göttinger Uniklinikum wegen versuchten Totschlags in elf und Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen verantworten. dpa

Der angeklagte Arzt (l) im Prozess um einen Organspende-Skandal spricht mit seinem Verteidiger Steffen Stern. Der Angeklagte muss sich im Transplantations-Skandal am Göttinger Uniklinikum wegen versuchten Totschlags in elf und Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen verantworten.

GöttingenIm Prozess um Manipulationen bei Leberverpflanzungen an der Göttinger Uniklinik hat am Dienstag der Transplantations-Koordinator der Klinik ausgesagt. Der 64-Jährige konnte aber zur Frage, ob der angeklagte frühere Chef der Transplantationsmedizin der Uniklinik Manipulationen vorgenommen oder veranlasst hat, nichts Konkretes aussagen. Er nannte nur einen Fall, in dem es Zweifel an der Entscheidung des beschuldigten Mediziners gab.

Dem 46-jährigen Ex-Chef wird versuchter Totschlag in elf und Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen vorgeworfen. Laut Anklage hat er medizinische Daten manipuliert, um schneller Spenderlebern von der zentralen Vergabestelle Eurotransplant für seine Patienten zu bekommen. Dabei habe er in Kauf genommen, dass andere Patienten kein Organ bekamen und möglicherweise starben.

Zahlen und Fakten zur Organspende

Warteliste

Rund 12.000 Menschen warten auf ein Spenderorgan und sind bei Eurotransplant angemeldet, etwa 8000 von ihnen brauchen eine Niere.

Todesfälle

Im Schnitt sterben täglich drei Menschen, die auf den Wartelisten stehen.

Spenderausweis

74 Prozent der 14- bis 75-jährigen Bundesbürger stimmen einer Organspende grundsätzlich zu, aber nur 25 Prozent haben bislang einen Spenderausweis.

Organentnahme

Im ersten Halbjahr 2013 wurden 459 Menschen (Vergleichszeitraum 2012: 562) insgesamt 1686 (Januar bis Juni 2012: 1923) Organe entnommen.

Organtypen

Unter den 3511 im ganzen Jahr 2012 entnommenen Organen (einschließlich Lebendspenden 4555 Organe) waren 1789 Mal Niere, 919 Leber, 339 Lunge, 318 Herz, 141 Bauchspeicheldrüse und 5 Dünndarm.

Spenderalter

2012 waren von den Spendern 22 jünger als 16 Jahre, 467 waren 16 bis 54 Jahre, 227 waren 55 bis 64 Jahre und 330 waren älter als 65 Jahre alt.

Wartezeit

Patienten warten fünf bis sechs Jahre auf eine Spender-Niere.

Nierenspenden

2012 wurden 766 Nieren von lebenden Spendern übertragen. Zudem wurden 78 mal Lebendspendern Teile der Leber entnommen.

Zu möglichen Manipulationen des Arztes gab der Transplantations-Koordinator einen Fall an, bei dem er Zweifel an der Entscheidung des Beschuldigten gehabt habe, einen Patienten bei Eurotransplant als dialysepflichtig zu melden. Ansonsten habe er in der Klinik nur Gerüchte von möglichen Manipulationen gehört.

Zudem sagte eine für die Übermittlung von Daten an Eurotransplant zuständige Angestellte der Unimedizin aus. Sie gab an, sich nicht an konkrete Anweisungen des Angeklagten zur Manipulation von Patientendaten erinnern zu können.

Von

dpa

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