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06.01.2012

00:14 Uhr

Orkan „Andrea“

Die weite Spur der Verwüstung

Der Orkan „Andrea“ reißt Bäume aus, überflutet Straßen und deckt Dächer ab. In Bayern stirbt eine Autofahrerin, weil eine Sturmböe einen anderen Wagen auf die Gegenfahrbahn drückt. In der Nacht soll der Spuk vorbei sein.

Dunkler Wolkenhimmel über dem sächsischen Gönnsdorf. dpa

Dunkler Wolkenhimmel über dem sächsischen Gönnsdorf.

Berlin/Offenbach/WiesbadenMit heftigen Böen, peitschendem Regen und vielerorts Schnee ist Orkan „Andrea“ durch Deutschland getobt. Das Sturmtief hat am Donnerstag Polizei und Feuerwehren auf Trab gehalten. Schlimme Unglücke blieben zumeist jedoch aus. Einsatzkräfte in den deutschen Großstädten wurden vor allem wegen umgestürzter Bäume, beschädigter Autos und loser Dachziegeln gerufen, wie die Feuerwehren mitteilten. Der Münchener Brandschutz zählte rund 150 Einsätze, die Feuerwehren in Hamburg rückten etwa 130 Mal aus.

In Bayern starb am Donnerstag eine 43-Jährige bei einem Autounfall, in Belgien nahe Brüssel wurde ein 64-Jähriger von einer fünf Meter hohen Tür erschlagen. In der Nacht sollte das Unwetter abklingen - windig und regnerisch bleibt es aber auch in den kommenden Tagen.

Im Emsland drückte eine Windböe ein Auto gegen einen Baum - die 23 Jahre alte Fahrerin wurde sehr schwer verletzt. Im Münsterland entgleiste ein Regionalzug beim Zusammenstoß mit einem umgestürzten Baum. Fahrgäste und Lokführer kamen mit dem Schrecken davon.

Bayern wurde in Teilen besonders hart getroffen. Im bayerischen Strullendorf verursachte das Unwetter einen Unfall, bei dem eine Frau ums Leben kam, wie die Polizei mitteilte. Das Auto eines 19-Jährigen kam durch Sturm und Regen auf die Gegenfahrbahn, wo es mit dem Wagen einer 43-Jährigen zusammenstieß. Für die Frau kam jede Hilfe zu spät, der 19-Jährige wurde mit Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht.

Bei anderen Unfällen in Oberfranken, bei denen auch Schnee und Eis eine Rolle spielten, wurden zwölf weitere Personen verletzt. In Augsburg und Mehringen erlitten zwei Seniorinnen Verletzungen. Sie seien durch Windböen gestürzt, erklärte die Feuerwehr. Beide Frauen mussten stationär im Krankenhaus aufgenommen werden.

Allgäuer Kirchturm nach Blitzeinschlag eingestürzt

Das Wahrzeichen der kleinen Gemeinde Wald (Kreis Ostallgäu) wurde durch Sturmtief Andrea zerstört. Bei einem starken Wintergewitter schlug der Blitz in die Spitze des etwa 60 Meter hohen Glockenturms ein.

Am Donnerstagabend stürzte die Holzkonstruktion dann mit lautem Getöse zu Boden. Kurz zuvor waren sicherheitshalber die umliegenden Gebäude evakuiert worden, da nicht auszuschließen war, dass sie beim drohenden Einsturz in beschädigt werden. Menschen kamen nicht zu Schaden.

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Vielerorts blockierten umgestürzte Bäume die Straßen. In Regensburg und im bayerischen Thannhausen wurden Dächer eines Möbelhauses und eines Supermarktes abgedeckt. Die Autobahn drei zwischen Nürnberg und Passau wurde auf einer Länge von etwa fünf Kilometern vorübergehend komplett gesperrt, um Teile eines Wellblechdachs zu bergen.

Im nordrhein-westfälischen Urdenbach kippte eine etwa 18 Meter hohe Birke auf ein dreistöckiges Haus. Der Baum wurde Stück für Stück abgetragen. Dutzende Feuerwehrleute waren fünf Stunden damit beschäftigt. Auf einer Kreisstraße nahe dem niedersächsischen Ort Fischerhude krachte ein massiver Baum auf einen fahrenden Autotransporter, wie die Polizei in Verden mitteilte. Der 44-jährige Fahrer kam mit dem Schrecken davon, er blieb unverletzt. Die Kreisstraße musste für die Dauer der Bergungsarbeiten voll gesperrt bleiben.

Bei Reken im Münsterland prallte ein Regionalzug gegen einen vom Sturm entwurzelten Baum und entgleiste. Vier Fahrgäste und der Triebwagenführer (43) kamen mit dem Schrecken davon. Wie ein Sprecher der Bundespolizei mitteilte, hatte der Zug am Donnerstagmorgen noch keine volle Fahrt aufgenommen und war mit etwa Tempo 70 unterwegs. Das Gleisbett wurde stark beschädigt. Daher war die Strecke von Coesfeld nach Dorsten am Donnerstag unterbrochen.

In Bremen stürzte ein Baum auf ein Taxi. Der Fahrer konnte sich bei dem Unglück auf den Beifahrersitz retten, wie die Polizei berichtete. Der Mann wurde an der Schulter verletzt.

Der Sturm - benannt nach einer 34-Jährigen aus Nordrhein-Westfalen - schien umso heftiger zu werden je weiter er sich nach Süden schob. Auf der Zugspitze und auf dem Feldberg im Schwarzwald wurden Orkanböen mit Spitzengeschwindigkeiten von 176 Kilometern pro Stunde gemessen. Im Landkreis Kusel in Rheinland-Pfalz wehte eine Böe ein Auto mit fünf Insassen von einer Bundesstraße in den Straßengraben. Verletzt wurde niemand, am Auto entstand jedoch Totalschaden. In Enkirch an der Mosel bog eine 69-Jährige in eine überflutete Unterführung ein - und blieb in dem hüfthohen Wasser stecken.

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