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10.01.2015

14:41 Uhr

Orkanböen in Europa

Erste Tote infolge des Sturms

Die Sturmserie in Mitteleuropa hat erhebliche Sachschäden angerichtet und wohl auch bereits Menschenleben gefordert. Im Norden Deutschlands ist der Bahnverkehr massiv gestört, Bäume sind auf die Gleise gestürzt.

Der Deutsche Wetterdienst warnt vor Sturmfluten an den Küsten. dpa

Der Deutsche Wetterdienst warnt vor Sturmfluten an den Küsten.

Berlin/LondonDie ersten Vorboten des Sturmtiefs „Felix“ erreichten am Samstagmittag die Nordseeküste in Schleswig-Holstein. Es habe die ersten schweren Sturmböen der Windstärken 10 und 11 gegeben, berichtete eine Sprecherin des DWD in Hamburg. „Und das wird noch ein bisschen mehr.“
Offenbar sind durch den Sturm bereits mehrere Menschen ums Leben gekommen: Ein Bad im aufgewühlten Meer im englischen Seebad Brighton kostete zwei Männern wohl das Leben. Wie die britische Küstenwache am Samstag mitteilte, bestehe keine Hoffnung, dass sie lebend gefunden werden könnten. Eine Gruppe von vier Männern war nach Medienberichten am späten Freitagabend am berühmten Brighton Pier ins Wasser gegangen.

Schwierige Unwetterwarnungen

Kommunikation durch den DWD

Katastrophenschutz, Medien und Bürger sind Adressaten der Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Amtliche Warnungen, die in Deutschland allein Sache des DWD seien, gingen immer an das Technische Hilfswerk, Feuerwehr-Leitstellen, das Rote Kreuz und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, sagte DWD-Sprecher Uwe Kirsche. Außerdem seien alle Medien in Deutschland Empfänger der Warnungen

Unwetter-Newsletter

Zusätzlich erhielten rund 60 000 Empfänger die Warnungen per E-mail - diese Unwetter-Newsletter seien beispielsweise für interessierte Bürger gedacht. Seit 2011 informiere der DWD außerdem auf Facebook über drohende Gefahren - am Pfingstwochenende sei die Zahl der Facebook-Freunde um 4000 auf jetzt über 50 000 gestiegen. Im Internet bietet der DWD eine Warnseite.

Vier-Stufen-System

Gewarnt wird bis auf Landkreisebene vor gefährlichen Wettererscheinungen - etwa Hitze oder Sturm, Stark- oder Dauerregen, Schneefall, Schneeverwehungen, Glätte, Tauwetter, Nebel oder Frost. In vier Stufen wird auf Gefahren aufmerksam gemacht: Von der „Wetterwarnung“ (auf der Karte im Internet hellgelb) über die „Warnung vor markantem Wetter“ (orange) bis zur „Unwetterwarnung“ (rot) und „Warnung vor extremem Unwetter“ (dunkelviolett). Diese letzte Stufe werde nur etwa ein Dutzend Mal im Jahr ausgerufen, sagte Kirsche. Am Montagabend galt sie für Teile Nordrhein-Westfalens.

Schwierige Prognosen

In der Regel könne der DWD maximal zehn Stunden im Voraus warnen - bei kleinräumigen Gewittern aber manchmal erst 30 Minuten, bevor der erste Tropfen fällt, sagte Kirsche. Punktgenaue Gewitter-Prognosen gehören nach Aussagen der Meteorologen zu den schwierigsten Aufgaben.

Opfer sind nicht zu verhindern

Trotz ausführlicher Warnungen vor Unwettern sind aus der Sicht des DWD Opfer nicht zu verhindern. Und der volkswirtschaftliche Nutzen des Warnsystems sei schwierig zu beziffern, sagte Kirsche. „Das ist eine der schwierigsten Berechnungen überhaupt.“ Es sei unmöglich zu sagen, wie viele Menschen wegen der Warnung zu Hause geblieben sind.

Zwei schafften es an den Strand zurück und schlugen Alarm. Die Küstenwache stellte die Suche am frühen Samstagmorgen ein.

Heftige Böen behinderten auch den Autoverkehr. So kippte auf der Autobahn 38 bei Querfurt in Sachsen-Anhalt ein Lastwagen um. Andernorts fielen Bäume auf Fahrzeuge. Angaben über Verletzte lagen zunächst nicht vor.

In Norddeutschland gibt es erhebliche Einschränkungen im Zugverkehr. Durch heftige Sturmböen umgestürzte Bäume blockieren mehrere Strecken.

Im Fernverkehr sind laut Bahn die Verbindungen Hamburg–Hannover und Hamburg–Bremen unterbrochen. Auch auf Nebenstrecken gibt es in Niedersachen, Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein erhebliche Behinderungen im Zugverkehr.

Aus Sicherheitsgründen wurde auf einigen Strecken die Geschwindigkeit der Züge reduziert.

Die Einsatzkräfte der Deutschen Bahn, der Feuerwehren und des Technischen Hilfswerks arbeiten mit Hochdruck daran, die Strecken zu räumen und beschädigte Oberleitungen instand zu setzen.

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