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06.12.2013

08:43 Uhr

Orkantief

„Xaver“ richtet nur wenig Schaden an

Mit Respekt haben die Norddeutschen „Xaver“ erwartet. Das Unwetter fegte mit Geschwindigkeiten von mehr als 140 km/h über Niedersachsen hinweg. Seine angekündigte zerstörerische Wut entwickelt er indes nicht.

Das Seenotrettungsboot „Bernhard Gruben“ macht vor der Nordseeinsel Norderney eine Kontrollfahrt. dpa

Das Seenotrettungsboot „Bernhard Gruben“ macht vor der Nordseeinsel Norderney eine Kontrollfahrt.

Norderney/HannoverDie Gischt peitscht wie eine Schneewehe über Norderneys Strandpromenade. Das Grollen und Tosen der Wellen im Orkantief „Xaver“ ist eine beängstigende Kulisse auf der beliebten Ferieninsel in der Nordsee. Einige Leichtsinnige stellen sich in den Wind und lassen sich von der herumsprühenden Gischt vollspritzen.

Ansonsten herrscht auf den Straßen der Insel Leere. Nur vereinzelt lassen sich Menschen sehen, wer kann, ist zu Hause und bleibt auch da. Die Insulaner beherzigen die Warnungen vor der möglicherweise zerstörerischen Gewalt von „Xaver“. Anderswo gibt es das gleiche Bild.

Regen, Hagel und dann Schnee fegen durch die leeren Straßen. Viele Geschäfte öffnen am Donnerstag schon tagsüber erst gar nicht. Und am Abend machen die wenigen besetzten Restaurants früher Schluss. Der Insel und der gesamten Küste war eine schwere Sturmflut, dem Bundesland einer der schwersten Stürme der letzten Jahre vorhergesagt.

Liveblog Orkan „Xaver“: Bahnverkehr beeinträchtigt, drei Tote in Polen

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Der Orkan „Xaver“ hat in der Nacht in Deutschland gewütet. Während die Bahn mit den Folgen des Sturms kämpft, nehmen die Hamburger die heftige Sturmflut gelassen. Der Liveblog zum Orkan.

Noch mit den Erfahrung von Orkan „Christian“ vor wenigen Wochen setzen die Menschen und die Behörden vor allem auf Sicherheit. Das Konzept geht auf, so zeigt es zumindest eine erste Bilanz. Landesweit sprechen die Polizeibehörden fast überall von kleineren Schäden im Vergleich zu dem, was im Vorfeld erwartet wurde. „Es sind bisher keine größeren Schäden aufgetreten“, bilanziert ein Feuermann, als am frühen Freitagmorgen der Scheitel der Sturmflut schon mit aller Wucht in Richtung Hamburg rollt.

Gut 200 sturmbedingte Einsätze meldet die Polizei am frühen Morgen für den Norden Niedersachsens und für Bremen. Alleine in Hamburg, das eine der schwersten Sturmfluten seit Jahrzehnten erwartete, sind es mehr.

Mit Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 140 Stundenkilometern fegt „Xaver“ über Niedersachsen. Umgeknickte Bäume, abgerissene Äste, herunterstürzende Dachziegel, teils winterliche Straßenverhältnisse, so lauten die ersten Bilanzen. Einige Menschen wurden verletzt, es hätte weitaus schlimmer kommen können. Die Behörden warnten früh. Vielerorts fiel die Schule aus, Weihnachtsmärkte wurden geschlossen, Boote festgebunden und die Menschen aufgerufen, in ihren Wohnungen zu bleiben.

„Vincinette“ und „Christian“ - Schwere Stürme in Deutschland

Tote, Chaos, Stromausfälle – schwere Stürme und Orkane haben in Deutschland große Schäden hinterlassen. Beispiele:

Ende Oktober 2013: Christian

Einer der schwersten Herbststürme der vergangenen 15 Jahre, Orkan „Christian“, knickt in Norddeutschland und Nordeuropa massenhaft Bäume um und deckt Dächer ab. Mindestens 16 Menschen sterben europaweit bei Sturmböen bis zu 172 Stundenkilometern.

Februar 2010: Xynthia

Orkantief „Xynthia“ zieht eine Schneise der Verwüstung durch Westeuropa. In Deutschland wüten die bis zu 166 Kilometer schnellen Böen am heftigsten in Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Der Sturm richtet Milliardenschäden an, sieben Menschen sterben in Deutschland.

März 2008: Emma

„Emma“ wütet über Europa, bundesweit sterben sieben Menschen. In Hamburg entgeht ein Lufthansa-Airbus nur knapp einer Katastrophe, als eine Tragfläche die Landebahn berührt.

Januar 2007: Kyrill

Orkan „Kyrill“ tobt in Europa. 47 Menschen sterben, 11 von ihnen in Deutschland. Erstmals in der Geschichte der Bahn steht der Schienenverkehr fast völlig still. Versicherer schätzen die Schäden auf mehr als 2,3 Milliarden Euro.

Januar 2005: Erwin

„Erwin“ trifft mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 181 Stundenkilometern auf die deutsche Nordseeküste. In Schweden, Dänemark, Großbritannien und Irland sind etwa eine halbe Million Haushalte zeitweise ohne Strom. Mindestens 14 Menschen sterben.

Februar 2002: Anna

Orkan „Anna“ erreicht in der norddeutschen Tiefebene Spitzengeschwindigkeiten von fast 180 Stundenkilometern. Mindestens drei Menschen sterben.

Dezember1999: Anatol

„Anatol“ tobt mit heftigem Regen und Orkanböen über Nordeuropa. Auf Sylt werden Windgeschwindigkeiten von mehr als 180 Stundenkilometern gemessen. Mindestens 20 Menschen sterben, 3 von ihnen in Deutschland.

Januar 1993: Verena

Orkan „Verena“ zieht über die Ostsee. Die polnische Fähre „Jan Heweliusz“ kentert vor Rügen, vermutlich 55 Menschen kommen bei dem Unglück ums Leben.

Winter 1990: Mehrere Orkane

Mehrere Orkane ziehen über Europa hinweg. In Deutschland sterben mehr als 60 Menschen. Der Schaden liegt in Milliardenhöhe.

Januar 1976: Capella

Der Orkan „Capella“ löst eine Sturmflut im Nordwesten Deutschlands aus. Damals erreicht die Nordsee Höchststände: In Hamburg sind es rund 6,45 Meter, in Husum 5,66 Meter. Mehr als zwei Dutzend Menschen sterben.

Februar 1962: Vincinette

Die folgenschwerste Sturmflut des Jahrhunderts sucht Norddeutschland heim. An rund 60 Stellen brechen die Deiche. Allein in Hamburg kommen wegen des Sturmtiefs „Vincinette“ 315 Menschen ums Leben. Rund ein Sechstel des Stadtgebietes ist überschwemmt.

Grund zur Entwarnung gibt es am Freitagmorgen dennoch nicht. Der Sturm „Xaver“ wird weiter wüten, und die nächste Sturmflut kommt. „Wir sind gut durchgekommen“, sagt Cuxhavens Oberbürgermeister Ulrich Getsch über die Orkan-Nacht. Dabei meldete die Stadt an der Elbmündung mit einem komplett abgedeckten Hochhaus und Wasser, das über einen Deich sickert, noch die größten Schäden. Getsch sieht jedoch keinen Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Schon am Mittag soll die nächste Welle kommen - und die Deiche müssen weiter halten.

Von

dpa

Kommentare (2)

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HofmannM

06.12.2013, 08:59 Uhr

Es ist schon eine Schande von den Katastrophen-Medien, wie ein Sturm zu einen Angst-Super-Orkan hochgespielt und propagierd wurde und wird!!! Seit ihr von den Medien schon alle dem Ideologiebild des PIK (Potsdamer Institut für Klimaforschung) unterstellt?!

s.Braun

06.12.2013, 09:48 Uhr

Sollte das "etwas starke Windchen" etwa wieder als Argument für die Klimaerwärmung herhalten ? Leider hat das Stürmchen unsere Katastrophenpropheten enttäuscht !Stürme fegen seit Urzeiten über Norddeutschland ! Das war nicht der Erste und wird auch nicht der letzte gewesen sein !

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