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15.02.2013

20:55 Uhr

Oscar Pistorius

Der tiefe Fall des Sporthelden

VonWolfgang Drechsler

Der des Mordes verdächtigte Pistorius steht für die tiefe Spaltung Südafrikas sportverrückter Gesellschaft. Sie sucht nach Helden und verschließt dabei noch immer die Augen vor massiver Gewalt ihrer Idole gegen Frauen.

Mordanklage

Pistorius bricht vor Gericht in Tränen aus

Mordanklage: Pistorius bricht vor Gericht in Tränen aus

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PretoriaOscar Pistorius hat schon oft für Schlagzeilen gesorgt, fast immer ausgesprochen gute. Wie kein anderer ist der beinamputierte Sprinter mit seinen Schienenbeinprothesen zur Inspiration und einem Mutmacher geworden, der bewiesen hat, dass ein Behinderter das Gleiche wie ein Nicht-Behinderter leisten kann. Im vergangenen Jahr adelte ihn Time-Magazin wohl auch deshalb mit der Aufnahme  in die Liste der weltweit 100 einflussreichsten Menschen.

Doch all das war am Freitagmorgen fast mit einem Schlag vergessen. Einsam steht der Sportstar nun vor dem Richter und atmet schwer durch seine Tränen. Gerade hat der Staatsanwalt verkündet, Pistorius tatsächlich des „vorsätzlichen Mordes“ an seiner Freundin Reeva Steenkamp anzuklagen, die am frühen Donnerstag in seinem Haus erschossen wurde.

Aufstieg und Fall des Oscar Pistorius

Anfänge

Oscar Pistorius wird mit einem Gendefekt geboren, wodurch er keine Wadenbeine besaß. Deshalb wurden ihm im Alter von elf Monaten beide Beine unterhalb der Knie amputiert. Durch eigens für ihn angefertigte Karbon-Stelzen kann er aber dennoch laufen.

Erste Erfolge

2004 gewinnt Pistorius bei den Paralympics in Athen Gold über 200 Meter und Bronze über 100 Meter. 2008 möchte er an den Olympischen Spielen in Peking teilnehmen, ein Gutachten bescheinigt ihm aber zu viele Vorteile durch seine Karbon-Stelzen. Sechs Wochen vor den Spielen wird das Gutachten durch den Sportgerichtshof CAS aufgehoben, doch Pistorius verpasst durch die kurze Vorbereitungszeit alle Qualifikationsnormen. Bei den Paralympics im gleichen Jahr gewinnt er drei Mal Gold.

Leichtathletik-Weltmeisterschaften

2011 qualifiziert sich Pistorius als erster Behinderter für Leichtathletik-Weltmeisterschaften. Mit der 4-mal-400-Meter-Staffel gewinnt er die Silbermedaille. Im Halbfinale läuft er südafrikanischen Landesrekord. Im Finale wird er allerdings nicht eingesetzt.

Olympia 2012

2012 durfte Pistorius als erster beidseitig amputierter für Olympische Sommerspiele nominiert. Er durfte in London in der 4-mal-400-Meter-Staffel starten. Bei den Paralympics gewann er Gold über 400 Meter und in der 4-mal-100-Meter-Staffel.

Blitzlichtgewitter

Seit Herbst 2012 war Pistorius mit dem südafrikanischen Model Reeva Steenkamp zusammen. Die beiden werden zu einem Glamour-Paar des Sports. Sie ist unter anderem auf dem Titel der FHM.

Mordverdacht

Am 14. Februar 2013 wird Reeva Steenkamp tot in Pistorius' Haus in Pretoria aufgefunden. Sie erlag vier Schüssen in Kopf und Arme. Der „Blade Runner“ gerät unter Mordverdacht und wird verhaftet. Daneben gibt es auch die Theorie, dass Pistorius seine Freundin irrtümlich für einen Einbrecher hielt und sie deshalb erschoss. Sie wollte ihn angeblich zum Valentinstag überraschen. Der Mord-Prozess beginnt ein Jahr später: am 3. März 2014.

Noch sind genaue Umstände nicht geklärt, doch deuten immer mehr Beweise und Zeugenaussagen darauf hin, dass es sich wohl doch nicht um einen Akt der Notwehr gehandelt hat wie es zunächst hieß. Den Antrag von Pistorius auf Kaution vertagt das Gericht auf Dienstag. Bis dahin wird der 26-Jährige in Polizeigewahrsam bleiben – und braucht vorerst nicht in ein Gefängnis.

In seiner ersten Stellungnahme seit dem Tod seiner Lebensgefährtin Reeva Steenkamp ließ Pistorius durch Familie und Manager erklären: „Ich weise diese Anklage aufs Schärfste zurück.“ Der einsame Auftritt vor Gericht ist ein weiteres Indiz für den gnadenlos schnellen Abstieg des zuvor weltweit bejubelten und hochbezahlten  Sportstars. 

Viele Journalisten graben nun plötzlich tiefer in der Vorgeschichte des Sportlers und stoßen dabei auf eine Reihe weniger schöner Episoden wie Handgreiflichkeiten und Wutausbrüche, aber auch wiederholte Gewalt gegen Frauen, die den Sportler in ein ganz anderes  Licht rücken.  Besonders interessant erscheint nun auch die Aussage seiner Ex-Freundin Samantha Taylor, die der Sonntagszeitung „City Press“ im vergangenen Jahr erzählte,  dass Oscar ganz anders sei, als viele glaubten.

Aufschlussreich liest sich auch der Artikel eines Journalisten der „New York Times“, der nach einer längeren Recherche des Sportlers zu dem Schluss kommt, dass es zwar Spaß mache, Zeit mit Pistorius zu verbringen, aber dass dieser wohl „mehr als nur etwas verrückt“ sei und zu einer gewissen Rücksichtslosigkeit neige. 

Kommentare (13)

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azaziel

15.02.2013, 21:33 Uhr

Ein bekannter Sportler toetet seine Freundin. Noch ist nicht klar, ob es sich um Mord, Unfall oder Versehen handelt. Schon gar nicht sind ein Motiv oder Hintergruende bekannt. Und schon hat der Handelsblattjournalist den Bogen zu den 150 Vergewaltigungen am Tag in Suedafrika und allgemeine gewalt gegen Frauen gespannt. Ja, die Genderfrage ist hochaktuell. Sexismus, Vergewaltigung, Mord! Oh Handelsblatt, du sinkst jeden Tag tiefer!

Freidenker

15.02.2013, 22:22 Uhr

@azaziel

[...] Fakt ist das auch sehr viele Deutsche Männer immer noch keine Achtung vor einer Frau haben!!!

Das der Sportler ein Verbrechen ausgeübt haben soll, ist tragisch. Sportler sind auch Menschen und handeln irrational. Ausserdem leben wir und da schliesse ich Südafrika mit ein, in einer sexistischen Gesellschaft! Wo man jeden Tag Diskriminierung der Frau in der Öffentlichkeit sehen kann. Und zwar Frau als sexistisches Werbeformat bzw in den tausen Bordellen, in denen Frauen oft nicht freiwllig tätig sind!

In dem Zusammenhang fällt mir auch eine interessante Rede einer Frau ein.

http://www.berndsenf.de/pdf/ClaudiavonWerlhofAbschiedsrede.pdf

Und das man hier auf dem HB von den männlichen Usern nicht ernst genommen und auch unter der Grütellinie beleidigt wird, konnte ich auch feststellen. Erst nach dem ich meinen Namen vermännlichte, stehen mir die männlichen Foristen konstruktiv gegenüber!!

Die Welt wurde vorwiegend nur von Männern ins Elend, Leid und in den Krieg gestürzt!!!

Die BRD ist eine durch und durch Patriarche Gesellschaft. Und für mich als Frau aus der DDR wurde ich ein Jahrhundert zurück geworfen, weil wieder unterdrückt!!

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Tabu

15.02.2013, 22:59 Uhr

http://www.spiegel.de/panorama/suedafrika-der-perverse-irrglaube-der-kinderschaender-a-180807.html
--------------
Was soll man von diesem Kontinent positives berichten.
Auch der Spiegel kam 2002 zu dem Schluß,das Männer
um sich nach Sexexzessen und daraus resultierndem Aids
vor Kinder unter sieben Jahren nicht Halt machen,
in dem Irrglauben,das da wo noch kein Mann drin gewütet
hätte,Heilung zu erwarten wäre.Zuerst immer er selber.
Ohne Empathie wird den Trieben nachgegangen.
Unsere ganze Zivilisation hier,ist auch nur Tünsche,
die jederzeit bröckeln kann..Es braucht nur wieder
schlechte Zeiten,zu starke und selbstbewußte Frauen,
eine sexuelle Unterversorgung der Männer und schon
sähe es hier wieder,wie in der Steinzeit aus oder wie
in Kriegszeiten,wo Mann sich gewaltsam nimmt was er kriegen kann..

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