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25.07.2011

16:10 Uhr

Oslo-Attentäter

Unterstützung aus dem Netz

Kurz vor den Attentaten veröffentlichte Andreas Breivik ein 1500-seitiges Bekennerschreiben im Netz. Das rechtsradikale Dokument versendete er auch an deutsche Adressaten und hofft nun um die Verbreitung des Buches.

Der Screenshot vom Freitagabend zeigt eine Twitternachricht von Anders Behring Breivik, dem mutmaßlichen Attentäter von Oslo und Utoya. Er nutze für die Verbreitung seiner Meinung vor allem das Internet. Quelle: dpa

Der Screenshot vom Freitagabend zeigt eine Twitternachricht von Anders Behring Breivik, dem mutmaßlichen Attentäter von Oslo und Utoya. Er nutze für die Verbreitung seiner Meinung vor allem das Internet.

Berlin Der Internet-Gemeinde empfahl Anders Behring Breivik eine möglichst große Verbreitung und Übersetzungen unter anderem ins Deutsche. Nach einem Bericht des „Tagesspiegel“ verschickte er das Machwerk auch als E-Mail an zahlreiche Adressaten, darunter die NPD. Ein Video mit seinen menschenverachtenden Thesen machte der 32-Jährige mit der Empfehlung zugänglich, es zu speichern, da es wohl bald gesperrt werde. Der Norweger nutzt damit einen Verbreitungskanal, der für Rechtsextreme immer wichtiger wird. 

In Deutschland registrierten die Betreiber der Seite www.jugendschutz.net im vergangenem Jahr mit 6000 Beiträgen im sogenannten Web 2.0 eine Verdreifachung der Aktivitäten Rechtsextremer im Vergleich zu 2009. Mit Web 2.0 sind interaktive Web-Seiten im Gegensatz zu den statischen Internet-Plattformen gemeint. Dort kann man Beiträge platzieren, chatten oder sich in anderer Form aktiv beteiligen. Auf Anhieb sind diese neuen Plattformen meistens nicht als solche zu erkennen. „In den allerseltesten Fällen werden Sie Seiten finden, die auf den ersten Blick strafrechtlich relevant sind, wo verbotene Symbole verwendet werden oder ähnliches“, erklärt Martin Ziegenhagen von der Online-Beratung gegen Rechtsextremismus der Nachrichtenagentur Reuters. 

Häufig entstehe der erste Kontakt mit Internet-Nutzern in Foren sozialer Netzwerke wie Facebook oder StudiVZ. Dort wird über aktuelle Themen diskutiert. „Man lernt sich online in den Diskussionsforen kennen, etwa bei der Sarrazin-Debatte.“ Dort sprechen die Rechtsextremen die Nutzer an. Zunächst wirkten sie wie empörte Bürger, die manchen Dingen einen Riegel vorschieben wollten. „Wenn man sich zu erkennen gibt, kommt man als der 'nette Nazi' von nebenan daher“, berichtet Ziegenhagen, der auch mit der Bundeszentrale für politische Bildung zusammenarbeitet. Beim ersten echten Treffen werde dann die wahre Ideologie gezeigt. 

Ziegenhagen geht davon aus, dass auch für Breivik das Internet von enormer Bedeutung war: „Die Vernetzung in diese Szene und in dieses Gedankengut war sicher mit bestimmend für seine Handlungen.“ Nach Medienberichten hat der Täter ganze Passagen seines Bekenntnisses in einschlägigen Internet-Foren kopiert. Ob die Verbindungen, die der Einzelgänger im Web geknüpft hat, bis nach Deutschland reichen, sei spekulativ. „Ich halte das nicht für ausgeschlossen“, meint Ziegenhagen. 

Breivik selbst gibt jedenfalls an, über erhebliche Kontakte im Internet zu verfügen. 7000 Freunde will er auf der sozialen Plattform Facebook gehabt haben. In der Einleitung zu seinen islam- und fremdenfeindlichen Thesen erklärt er, keine Gegenleistung für sein Werk haben zu wollen, an dem er mehrere Jahre gearbeitet und das ihn über 300.000 Euro gekostet habe. Er habe nur eine Bitte: „Bitte verteilt das Buch an jeden, den ihr kennt.“

 

 

Von

rtr

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