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27.03.2016

15:36 Uhr

Osterfeiern in Rom und Jerusalem

„Die Welt ist voll von Menschen, die an Leib und Seele leiden“

Die Anschläge von Brüssel sind bei den Osterpredigten präsent. Papst Franziskus und andere christliche Würdenträger zeigen sich solidarisch mit den Opfern. Terror sei „Gotteslästerung“, lautet die einhellige Botschaft.

Von der Loggia des Petersdoms aus verbreitete Franziskus seine Osterbotschaft. AFP; Files; Francois Guillot

Feier in Rom

Von der Loggia des Petersdoms aus verbreitete Franziskus seine Osterbotschaft.

Rom/JerusalemUnter dem Eindruck der jüngsten Terroranschläge haben Zehntausende Christen in Rom sowie im Heiligen Land Ostern gefeiert. Papst Franziskus verurteilte in seiner Osterbotschaft den weltweiten Terror und erinnerte an die Opfer von Brüssel. Gerade am Osterfest verspüre man „Nähe zu den Opfern des Terrorismus, jener blinden und grausamen Form von Gewalt, die nicht aufhört, unschuldiges Blut in vielen Teilen der Erde zu vergießen“, sagte er am Sonntag vor Tausenden Pilgern aus aller Welt auf dem Petersplatz.

Der lateinische Patriarch Fuad Twal zelebrierte in der Grabeskirche in Jerusalem eine Messe zur Auferstehung von Jesus Christus. In seiner Osterbotschaft erinnerte er ebenfalls an die Terroranschläge in Belgien: Der Schmerz „über diese Tragödie durchbohrt unser aller Herzen, rund um die Welt“, sagte Twal. Er bete, dass die Hoffnung der Auferstehung die „Wunden und gebrochenen Herzen“ der Betroffenen heilen könne. Nach christlicher Überlieferung liegt der Heiland in der Kirche in Jerusalem begraben.

Nach der Ostermesse auf dem festlich geschmückten Petersplatz sprach Franziskus zum Abschluss der traditionellen Osterfeierlichkeiten in Rom von der Loggia des Petersdoms aus den traditionellen Segen „Urbi et Orbi“, der Stadt und dem Erdkreis. Den Segen verfolgten neben den Menschen in Rom Millionen Gläubige im TV. Die Feierlichkeiten fanden in diesem Jahr unter massiv verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt.

Islamistischer Terror in Europa

November 2015

Am 13. November explodiert während eines Freundschaftsspiels zwischen der französischen und der deutschen Fußballnationalmannschaft im Pariser Stade de France eine Bombe. Mit Maschinengewehren bewaffnete Terroristen stürmen Cafés, Bars und die Konzerthalle Bataclan. Zwei weitere Explosionen später sind 130 Menschen tot und 352 verletzt, davon 97 schwer. Auch sieben der bisher 11 festgestellten Täter sterben. Einen Tag später bekennt sich die Terror-Organisation „Islamischer Staat“ zu der Tat.

Februar 2015

In Kopenhagen eröffnet ein Täter auf einer Diskussionsveranstaltung das Feuer, ein Mensch stirbt. Er kann fliehen. Wenige Stunden später erschießt er einen jüdischen Wachmann vor der Synagoge der dänischen Hauptstadt. Wenig später stirbt er im Kugelhagel der Polizei.

Januar 2015

Bei einem Attentat auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ sterben in Paris zwölf Menschen. Die beiden Täter kommen zwei Tage später bei einer Polizeiaktion ums Leben. Zu dem Anschlag bekennt sich die Terrororganisation Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel.

Mai 2014

Im Jüdischen Museum in Brüssel erschießt ein französischer Islamist vier Menschen. Kurz darauf wird der Mann festgenommen.

Dezember 2013

Bei Selbstmordanschlägen in der russischen Stadt Wolgograd sterben 34 Menschen im Bahnhof und in einem Bus. Islamisten aus dem Nordkaukasus bekennen sich zu den Attentaten.

März 2011

Ein Kosovo-Albaner erschießt am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere schwer.

Januar 2011

Bei einem Selbstmordanschlag auf dem internationalen Moskauer Flughafen Domodedowo sterben mindestens 37 Menschen. Die Ermittler machen Islamisten aus dem Nordkaukasus verantwortlich.

Dezember 2010

Bei einem Sprengstoffanschlag in der Stockholmer Fußgängerzone stirbt der Attentäter. Hintergrund war vermutlich der Einsatz schwedischer Soldaten in Afghanistan.

März 2010

Die vier Mitglieder der islamistischen Sauerland-Gruppe müssen wegen geplanter Terroranschläge in Deutschland für bis zu zwölf Jahre ins Gefängnis.

Januar 2010

Gut vier Jahre nach der Veröffentlichung seiner Mohammed-Karikaturen in der Zeitung „Jyllands-Posten“ entkommt der dänische Zeichner Kurt Westergaard nur knapp einem Attentat.

Juli 2006

Im Kölner Hauptbahnhof werden in zwei Zügen Bomben gefunden, die wegen eines technischen Fehlers nicht explodierten. Der „Kofferbomber von Köln“ wird zu lebenslanger Haft verurteilt.

Juli 2005

Vier Muslime mit britischem Pass zünden in der Londoner U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen sterben, etwa 700 werden verletzt.

März 2004

Bei Sprengstoffanschlägen auf Pendlerzüge in Madrid sterben 191 Menschen, etwa 1500 werden verletzt.

In seiner Osterbotschaft prangerte der Papst Kriege, Gewalt und menschliches Leid überall auf der Welt an. „Angesichts der geistigen und moralischen Abgründe der Menschheit, angesichts der Leere, die sich in den Herzen zeigt und Hass und Tod hervorbringt, kann nur eine unendliche Barmherzigkeit uns Rettung bringen“, sagte er. „Die Welt ist voll von Menschen, die an Leib und Seele leiden, während die Nachrichten sich mit Meldungen über grausame Verbrechen füllen.“ Der Papst bat um Frieden für Krisen und Konflikte etwa in Syrien oder der Ukraine und sprach den verfolgten Christen in aller Welt Mut zu.

Franziskus erinnerte auch an die vielen Menschen „die in eine bessere Zukunft unterwegs sind, die immer größer werdende Schar der Migranten und Flüchtlinge“. Oft begegneten diese Menschen „Tod oder erfahren die Zurückweisung derer, die Aufnahme und Hilfe anbieten könnten“. Er forderte, die Politik müsse den Menschen in den Mittelpunkt stellen sowie den Opfern von Konflikten helfen und sie schützen.

Auch viele deutsche Bischöfe riefen in ihren Osterpredigten zu mehr Solidarität in der Gesellschaft und Offenheit gegenüber Flüchtlingen auf. Christen bräuchten keine Angst zu haben, „überfremdet oder sogar islamisiert“ zu werden, sagte der katholische Bischof Felix Genn in Münster. Er erinnerte ebenso wie etliche andere katholische und evangelische Bischöfe an den christlichen Auftrag der Nächstenliebe.

Die Terroranschläge in Brüssel, bei denen am Dienstag drei Selbstmordattentäter 28 Menschen mit in den Tod rissen, waren ebenfalls Gegenstand der Predigten. Hannovers evangelischer Landesbischof Ralf Meister sagte: „Terror ist Gotteslästerung!“

Von

dpa

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