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24.03.2013

12:50 Uhr

Palmsonntag-Messe vor 250.000 Menschen

Papst ruft zum Kampf gegen das Böse auf

Ostern steht vor der Tür, die katholische Kirche feiert das Fest mit ihrem neuen Papst. Franziskus eröffnet die Karwoche mit einem Appell, nicht mutlos zu werden. Und er kündigt eine Auslandsreise an.

Nach der Palmsonntag-Messe suchte Papst Franziskus den Kontakt zur Menge. ap

Nach der Palmsonntag-Messe suchte Papst Franziskus den Kontakt zur Menge.

RomPapst Franziskus hat die Karwoche am Palmsonntag mit einer feierlichen Messe vor Zehntausenden Pilgern und Gläubigen auf dem Petersplatz eingeleitet. Das neue Oberhaupt der katholischen Weltkirche segnete Palmen und Olivenbaumzweige auf dem geschmückten Platz vor dem Petersdom. In der Predigt zum Einzug Jesu in Jerusalem sagte Franziskus dann, die Christen sollten sich nie die Hoffnung rauben lassen, sich nie an das Böse gewöhnen und dem Materialismus abschwören. Es ist die erste Karwoche des argentinischen Papstes.

„Seid niemals traurige Menschen: ein Christ darf das niemals sein!“, forderte der Papst dazu auf, sich von Mutlosigkeit nicht überwältigen zu lassen. Freude entstehe nicht durch viele materielle Dinge, „sondern daraus, einer Person begegnet zu sein: Jesus.“ Er sprach vom „sinnlosen Geldhunger des Menschen“ und zitierte seine Großmutter dann mit den Worten, das Totenhemd habe keine Taschen.

Stimmen zum neuen Papst

US-Präsident Barack Obama

Der neue Papst sei „ein Vorkämpfer für die Armen und die Verletzlichsten unter uns“, erklärte Obama. „Als erster Papst aus Lateinamerika belegt seine Wahl zudem die Stärke und Vitalität einer Region, die die Welt zunehmend formt.“ Es würden sich daher nicht nur Millionen Latinos in den USA über diesen „historischen Tag“ freuen.

Bundespräsident Joachim Gauck

„Mit Ihnen wird erstmals ein Lateinamerikaner Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche – ein sichtbares Zeichen ihrer weltumspannenden Dimension“, erklärte das deutsche Staatsoberhaupt. „Sie haben den Namen Franziskus gewählt, eines Heiligen, dessen Zuneigung zu den Menschen und zur Schöpfung die Gläubigen aller Konfessionen bis heute bewegt und anrührt. Franziskus ist insbesondere für seine Hinwendung zu den Armen und Schwachen Vorbild für Viele.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Papst Franziskus I. zu seiner Wahl gratuliert. „Ich freue mich insbesondere mit den Christen in Lateinamerika, dass nun zum ersten Mal einer der Ihren an die Spitze der Katholischen Kirche berufen worden ist“, sagte Merkel in Berlin. „Weit über die katholische Christenheit hinaus erwarten viele von ihm Orientierung, nicht nur in Glaubensfragen, sondern auch, wenn es um Frieden, Gerechtigkeit, die Bewahrung der Schöpfung geht.“ Sie wünsche Papst Franziskus I. Gesundheit und Kraft für seinen Dienst am Glauben und zum Wohl der Menschen.

Benedikts Bruder Georg Ratzinger

Für den Bruder des emeritierten Papstes Benedikt XVI. kommt die Wahl des neuen katholischen Kirchenoberhauptes Jorge Mario Bergoglio (76) überraschend. „Ich bin völlig überrascht“, sagte Georg Ratzinger in Regensburg. „Ich habe keinen Eindruck von ihm.“ Der 89-Jährige bekannte, dass er Bergoglio nicht „auf meiner Liste hatte“. Er habe mit seinem Bruder nie über ihn gesprochen. „Der Name ist nie gefallen.“

Erzbischof Robert Zollitsch

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, sieht in der Wahl des neuen Papstes ein wichtiges Signal für Deutschland. „Er hat ein offenes Herz und einen klaren Blick, auch für die Situation in Deutschland“, sagte der Freiburger Erzbischof in Freiburg. „Er ist ein Mann, der die deutsche Sprache kennt. Und er kennt Deutschland aus eigener Erfahrung, weil er zeitweise hier gelebt hat.“ Zudem sei das neue Kirchenoberhaupt sehr volksnah. „Er wird ein Papst sein, der nah bei den Menschen ist.“

Theologe Magnus Striet

Die Wahl des Jesuiten Jorge Mario Bergoglio zum neuen Papst ist nach Expertenansicht eine Kehrtwende. „Der Jesuitenordnen steht für eine Hinwendung zur Welt und wurde in den vergangenen Jahrzehnten vom Vatikan zurückgedrängt“, sagte der katholische Theologe Prof. Magnus Striet von der Universität Freiburg. „Viele Jesuiten stehen heute für eine Hinwendung zu den Armen und für eine Lösung politischer Probleme. Ich hoffe, dass der neue Papst dem gerecht wird.“

Bischof Friedhelm Hofmann

Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann hat die Wahl von Kardinal Jorge Mario Bergoglio aus Argentinien zum Papst begrüßt. „Die Entscheidung verspricht etwas Neues“, sagte Hofmann. Im Bistum Würzburg läuteten unmittelbar nach dem ersten Segen des neuen Papstes zehn Minuten lang die über 3000 Glocken in den rund 1000 katholischen Gotteshäusern.

Grünen-Vorsitzende Roth und Özdemir

Die Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir wünschten dem neuen Papst Kraft, Glück und Gesundheit. „Mit seinem Amt trägt der neue Papst aus Argentinien große Verantwortung für soziale Gerechtigkeit, für den Erhalt der Schöpfung und für Frieden und Dialog zwischen den Religionen, Kulturen und Staaten.“ Gleichzeitig hofften viele Katholiken auf mehr Ökumene und Reformen.

Erzbischof Werner Thissen

Hamburgs Erzbischof Werner Thissen hat die Wahl des neuen Papstes begrüßt und sie als ein gutes Signal für die Weltkirche und den Kampf gegen die Armut gewürdigt. „Die Kirche muss mit den Armen stehen, und mit diesem Papst gelingt das wunderbar“, sagte Thissen. „Er gilt als prophetisch, bescheiden und volksnah“. Es sei ein gutes Signal, dass er ein Papst der ganzen Weltkirche ist.

Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider

Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, hat den katholischen Christen zur Wahl von Kardinal Jorge Mario Bergoglio zum Papst gratuliert. Er wünschte dem neuen Papst Gottes Segen, „viel Kraft für anstehende Entscheidungen und einen weltoffenen Blick“. Bergoglio bringe als erster Papst aus Lateinamerika besondere Erfahrungen mit, die der römisch-katholischen Weltkirche neue Perspektiven eröffnen könnten.

Wirtschaftsminister Philipp Rösler

„Glückwunsch an Papst Franziskus. Ich hoffe sehr, dass die katholische Kirche die Stärke findet, um Missstände konsequent aufzubereiten“, erklärte der FDP-Chef über Twitter.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier

„Ich gratuliere den Katholiken in aller Welt und insbesondere in Südamerika zur Wahl von Franziskus I. Es ist ein gutes Signal, dass erstmals ein Papst aus Lateinamerika kommt. Dies ist auch Ausdruck einer sich verändernden Welt, die sich nicht nur wirtschaftlich und politisch neu ordnet, sondern in der sich auch die Gewichte in der katholischen Kirche verschoben haben.“

Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch

„Ich freue mich über die Wahl und auch das gute Verhältnis des neuen Heiligen Vaters zu Deutschland. Sein bescheidenes Auftreten und seine kraftvollen Predigten zeichnen ihn aus. Engagiert ist Kardinal Bergoglio die Aussöhnung zwischen allen gesellschaftlichen Gruppierungen Argentiniens nach den Verbrechen der Diktatur angegangen.“

Grünen-Politiker Volker Beck

Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, hat zurückhaltend auf die Wahl Bergoglios reagiert. „Als Kardinal hat er gegen die Ehe von Homosexuellen gewettert und sie als ,Zerstörung von Gottes Plan' beschimpft“, sagte Beck Handelsblatt Online. Es wäre daher zu wünschen, dass der neue Papst Franziskus I. zu den Grundlagen des II. Vaticanums zurückkehrt.

Bischof Gebhard Fürst

Der neue Papst Franziskus I. sollte nach Einschätzung des Rottenburger Bischofs Gebhard Fürst die Einheit der Kirche wahren und gleichzeitig die Vielfalt in ihr fördern. Das sei eine enorme Aufgabe für den neuen Papst. Er wünsche Kardinal Jorge Mario Bergoglio einen souveränen Blick auf die Lage der Weltkirche, sagte Fürst.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat die Wahl des argentinischen Kardinals Jorge Mario Bergoglio zum neuen Papst als wegweisend gewürdigt. „Das ist ein starkes Signal, dass die katholische Kirche Weltkirche ist und die südliche Halbkugel stärker in den Blick rückt“, sagte der gläubige Katholik in Berlin. „Lateinamerika ist der katholische Kontinent schlechthin.“ Er nehme an, dass in der Wahl auch ein starker sozialer Impuls liege.

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer

Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat dem neuen Papst Franziskus I. Kraft zur Erneuerung der Kirche gewünscht. „Gerade in einer für die katholische Kirche schwierigen Zeit kommt es darauf an, den Menschen wieder Orientierung zu geben und Mut zu machen für den Glauben. Ich hoffe, dass Papst Franziskus I. die Kraft findet, auch gegen innere Widerstände im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils die Kirche zu führen und zu erneuern“, sagte sie.

Argentinische Abgeordnete

Im argentinischen Kongress unterbrach der Vorsitzende der Abgeordnetenkammer, Julián Domínguez, die Sitzung. Er rief aus: „Es gibt einen Papst und der ist Argentinier!“. Der Oppositionsführer und Abgeordnete Ricardo Alfonsín zeigte sich „ergriffen und glücklich“ über die Wahl Bergoglios. „Als Argentinier fühle ich mich stolz, dass Kardinal Bergoglio der neue Papst ist“, sagte der Sohn des ehemaligen Präsidenten Raúl Alfonsín.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon gratulierte dem neuen Papst und allen Katholiken weltweit. „Ich freue mich auf die Fortführung der Zusammenarbeit zwischen den Vereinten Nationen und dem Vatikan unter der weisen Führung von seiner Heiligkeit, Papst Franziskus“, sagte Ban laut Mitteilung in New York. „Wir teilen gemeinsame Ziele - vom Einsatz für Frieden, soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte, bis zum Kampf gegen Armut und Hunger, alles wichtige Elemente der nachhaltigen Entwicklung.“ Er sei überzeugt, sagte Ban weiter, dass der neue Papst sich wie sein Vorgänger für den Dialog zwischen den Religionen einsetzen werde.

Franziskus geißelte die vielen Wunden, die das Böse schlage: „Kriege, Gewalttaten, Wirtschaftskonflikte, die die Schwächeren treffen.“ Gewinnsucht, Machtstreben, Spaltungen sowie Verbrechen gegen das menschliche Leben und die Schöpfung gehörten dazu, sagte Franziskus. Man dürfe dem Bösen nicht glauben, der sage, man könne nichts gegen Gewalt, Korruption und Ungerechtigkeit tun: „Wir alle können das Böse überwinden, das in uns und in der Welt ist.“

250.000 Menschen kamen zu der Messe auf den Petersplatz im Vatikan. Reuters

250.000 Menschen kamen zu der Messe auf den Petersplatz im Vatikan.

Der Papst wandte sich besonders an die jüngeren Träger des „Pilgerkreuzes“ in der Welt. Er sehe dem Weltjugendtag im Juli in Rio de Janeiro mit Freude entgegen. „Ich verabrede mich mit Euch in dieser Großen Stadt Brasiliens“, kündigte der Argentinier den vielen Jugendlichen sein Kommen an. Er forderte die Jugend der Welt auf, sich spirituell und mit dem Herzen auf das Treffen vorzubereiten.

Nach Schätzungen des Vatikans waren erneut etwa 250 000 Menschen auf den Beinen, um den Papst zu sehen. Sein offener Papst-Jeep war in die Palmsonntagsprozession vor der Messe auf dem Platz eingebunden.

Von

dpa

Kommentare (21)

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kama

24.03.2013, 13:09 Uhr

ich möchte hier bestimmt keinem Gläubigen zu nehe treten, aber die katholische Kirche wirkt seit Jahrtausenden.

- unzählige Hexen und andere Kritiker wurden verbrannt
- ganze Landstriche verwüstet
- ganze Völker und Kulturen ausgerottet
- mit der Beichte das Gesetz vom KARMA auegehebelt

Bei allem Respekt, aber ich frage mich wirklich, ob die katholishce Kirche das Böse wirklich bekämpft, oder ob sie nicht selbst das BÖSE in Reinkultur ist.

bundespruefstelle-musik-verbote

24.03.2013, 13:37 Uhr


Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Fabrizia

24.03.2013, 13:57 Uhr

Diese kleine "Liste" ist weder neu noch vollständig.
Wenn man sich in der heutigen Welt umschaut, muss man leider auch feststellen, dass sich wenig geändert hat - auch ohne freundliche Unterstützung der RKK.

Und nun steht ein Mensch auf dem Petersplatz, der einfach nur sagt, dass sich etwas ändern kann und muss. Und dass diese Änderung im Kleinen anfängt, bei jedem Einzelnen. Hier und jetzt.
Wer darüber nachdenken und es sich zu Herzen nehmen mag, soll es tun. Wer lieber die ewige Litanei der Vefehlungen immer weiter aufsagen möchte, ist ebenfalls frei, das zu tun. Ändern wird sich dadurch für die Zukunft aber nichts.

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