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25.01.2012

17:23 Uhr

Panne im Bundestag

Mitarbeiterin tritt mit E-Mail an „alle" Lawine los

Das stand nicht auf der Tagesordnung des Bundestags: Eine versehentlich an alle losgeschickte E-Mail gewinnt eine ungeahnte Eigendynamik. Die Absenderin wird zum Internet-Promi.

Screenshot eines elektronischen Posteingangs screenshot

Screenshot eines elektronischen Posteingangs

BerlinVolle Mailboxen, verärgerte Abgeordnete und eine verzweifelte Bundestagsverwaltung: Am Mittwoch hat eine einzige E-Mail, im Parlamentsbetrieb versehentlich an alle geschickt, für Wirbel gesorgt. Es sei zu Verzögerungen im Mail-Verkehr gekommen, sagte ein Mitarbeiter der Verwaltung. Die IT-Technik habe schließlich „aus gegebenem Anlass“ gemahnt, dass der E-Mail-Verteiler des Bundestags ausschließlich für dienstliche Zwecke genutzt werden dürfe.

Babette Schulz, eine Mitarbeiterin der Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl (Grüne), bat am Morgen eine Kollegin, ihr ein Exemplar des neu erschienenen Bundestagshandbuch, des „Kürschners“, mitzubringen. „Liebe Britta, wenn Ihr Euch eindeckt, bringt Ihr mir eins mit? Danke und herzliche Grüße", hatte sie geschrieben. Aus Versehen verschickte sie jedoch die Mail in Kopie („cc“) an alle Adressaten , ingesamt um die 4000, im Bundestagsverzeichnis - vom Minister bis zum Pförtner.

„Es ist halt passiert“, sagte Schulz noch leicht geknickt. Nach dem ersten Schrecken habe sie noch auf E-Mails dazu geantwortet. „Als dann die Mail-Lawine ihre skurrile Eigendynamik entwickelte, wurde mir das etwas unheimlich - bis die überwiegend netten humorvollen Mails auch mich sehr zum Lachen brachten.“ Viele hätten ihr auch parteiübergreifend Verständnis bekundet - es habe sogar den Vorschlag gegeben, sie zur Mitarbeiterin des Monats zu wählen.

Derweil fühlten sich Hunderte angesprochen und antworteten - wieder im Riesen-Verteiler. Der Schneeball-Effekt war nicht mehr aufzuhalten, der Bundestag elektronisch außer Rand und Band. Immer mehr Nonsens wird versendet („Ich grüße meine Mutti“), andere antworten mit Wetterberichten: „In Hannover-Linden sind drei Grad, es ist trocken und leicht bewölkt.“

Die Absenderin gelangt zu unfreiwilliger Prominenz im Internet. Im Kurzmitteilungsdienst Twitter häuften sich die amüsierten Kommentare mit den Hashtags (Schlagwörtern) #Babette und #Kürschnergate - gebildet aus Kürschner, dem Bundestagshandbuch und Watergate, dem Inbegriff peinlicher Pannen.

Der Hamburger PR-Berater Markus Mayr schrieb in Anlehnung an ein Jesu-Zitat im Neuen Testament: „Wer nie eine E-Mail an alle geschickt habe, werfe den ersten Stein.“

Von

dpa

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

26.01.2012, 08:36 Uhr

Wenn die Bundestags-Abgeordneten nichts anderes zu tun haben sollten, als eine Antwort wie "In Hannover-Linden sind es drei Grad, es ist trocken und leicht bewölkt." zu versenden, dann frage ich nach dem geistigen Gesundheits-Zustand dieser (überbezahlten) Minister (für den Scheiß, den sie in diesem (und evtl. ähnlichen Fällen) verzapfen).

Wer will mitmachen und eine Partei/Organisation GEGEN DIESEN WAHNSINN und mitbegründen ????????? Ich stehe kurz vor der Explosion !!!! Und an die lieben Abhörer des Verfassungschutzes: Ihr könnt mich mal !!!!!!!!

boxerhandschuh

26.01.2012, 09:53 Uhr

Es ist wirklich an der Zeit, dass sich Bürger zusammentun und sich nicht mehr alles bieten lassen.Ich mache mit: zu erreichen unter gg2865@bdvb.de
Gestern bei der Personenkontrolle im Flughafen Köln-Bonn um 17:45 Uhr. Ich hatte 2 Stück Irische Markenbutter von ALDI (mit Kassenbon dabei) für je 1,39 € in der Aktentasche. Wurde mir trotz langer Diskussion wegen Gefährdung von Passagieren und Flugzeug konfiziert und in den Container geworfen. Dies sei eine Anordnung der EU. Die Gefährlichkeit konnte mir niemand erklären, aber die EU-Anordnung muss befolgt werden. Wo leben wir?

AHA

26.01.2012, 10:54 Uhr

kurze frage? wieso nimmt man Butter mit ins Flugzeug? gibts die da nich wo Sie hingeflogen sind?
Auch wenns oft übertrieben ist, aber Sicherheit geht nunmal vor. Keiner weiß, was wirklich in der "Butter" steckt :-) und ein Kassenbon is noch lange kein Beweis.

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