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30.11.2015

15:21 Uhr

Papst Franziskus in Afrika

„Wenn Euch die Welt auf den Kopf fällt, schaut das Kreuz an“

Papst Franziskus ist auf sechstägiger Afrika-Reise. Er trifft Notleidende, redet vor jubelnden Gläubigen und segnet Kinder. Und er sendet mahnende Worte in Richtung UN-Klimakonferenz in Paris.

Sechs Tage ist Papst Franziskus auf dem afrikanischen Kontinent unterwegs. ap

Papst Franziskus in Afrika

Sechs Tage ist Papst Franziskus auf dem afrikanischen Kontinent unterwegs.

BanguiPapst Franziskus strahlt in einem Slum in Kenia. In Uganda segnet er eine junge HIV-positive Frau und lobt ihre Tapferkeit. In der Zentralafrikanischen Republik besucht er Bürgerkriegsopfer in einem armseligen Flüchtlingslager, geduldig schüttelt er dutzende Hände und freut sich, die Kinder zu segnen. In diesen Momenten seiner sechstägigen Afrika-Reise schien der Papst völlig in seinem Element.

„Tatsächlich fühle ich mich wie zu Hause“, sagt er den Slumbewohnern in Nairobis Armenviertel Kangemi. Der 78-Jährige folgte in Afrika seinem Ziel, die Ränder der Kirche zu suchen, die Vergessenen und Notleidenden aufzusuchen. „Der Weg Jesu begann in den Randgebieten, er geht aus von den Armen und geht mit den Armen zu allen.“

Die stärksten Momente der Reise waren jene Begegnungen mit Notleidenden, spontane Reden an Zehntausende Jugendliche in Kenia und Uganda sowie die leidenschaftliche Fürsprache für Umweltschutz und Bekämpfung des Klimawandels.

Klartext – deutliche Worte von Papst Franziskus

Aufsehen mit ungewöhnlichen Äußerungen

Papst Franziskus hat mehrfach mit für den Vatikan ungewöhnlichen Äußerungen Aufsehen erregt. Einige Beispiele:

Familienplanung

„Manche Menschen glauben - entschuldigen Sie den Ausdruck -, dass sich gute Katholiken wie Karnickel vermehren müssen.“

Familienehre

„Wenn Dr. Gasbarri (der Reiseorganisator des Papstes), mein lieber Freund, meine Mama beleidigt, erwartet ihn ein Faustschlag.“

Flüchtlinge

„Wir sind eine Gesellschaft, die vergessen hat, wie man weint. Wir haben uns an die Leiden anderer gewöhnt. Es betrifft uns nicht, es interessiert uns nicht, es geht uns nichts an. (...) Die Wohlstandskultur macht uns unempfindlich für die Schreie der anderen und führt zur Globalisierung der Gleichgültigkeit.“

Oberflächlichkeit

„Und so vergeuden wir unsere gottgegebenen Geschenke, indem wir uns mit Schnickschnack beschäftigen; wir verschwenden unser Geld für Spiel und Getränke und drehen uns um uns selbst.“

Kurie

„Eine Kurie, die sich nicht selbst kritisiert, die sich nicht weiterentwickelt, die nicht versucht, sich zu verbessern, ist ein kranker Körper.“

Eitelkeit von Kardinälen

„Die Krankheit der Rivalität und der Eitelkeit. Wenn das Auftreten, die Farbe der Kleidung und die Insignien der Orden das erste Ziel im Leben werden.“

Tratsch

„Es ist die Krankheit der feigen Menschen, die nicht den Mut haben, direkt mit jemandem zu sprechen und hinter dem Rücken reden. (...) Brüder, schauen wir auf den Terrorismus des Geschwätzes!“

Wenige Tage vor Beginn des Weltklimagipfels in Paris warnte der Papst, es wäre „traurig, und ich wage zu sagen, katastrophal“, wenn sich bei den Verhandlungen Einzelinteressen der Staaten gegenüber dem Gemeinwohl der Menschheit durchsetzen würden. „Der Klimawandel ist ein globales Problem mit schwerwiegenden Folgen“, sagte der 78-Jährige.

In Erinnerung bleiben wird sicher der Besuch in der Zentralafrikanischen Republik - die erste Reise Franziskus' in ein Krisengebiet. Trotz erheblicher Sicherheitsbedenken hat er an den Plänen festgehalten. Hunderte Blauhelmsoldaten mit Maschinengewehren sicherten seine Wege in der Hauptstadt Bangui ab, auch gepanzerte Fahrzeuge und Maschinengewehre auf Geländewagen gehörten zum Straßenbild.

Mit Nachdruck warb Franziskus dort für Toleranz, Versöhnung und Frieden: „Ich komme als Pilger des Friedens und als Apostel der Hoffnung“, sagte er. Er forderte die Christen auf, zu vergeben und ihre Feinde zu lieben. Das nach UN-Angaben drittärmste Land der Welt wird seit 2013 von einem Konflikt erschüttert, bei dem sich muslimische Rebellen und christliche Milizen gegenüberstehen. Tausende wurden getötet, jeder fünfte Einwohner ist vor der Gewalt geflohen. Beiden Konfliktparteien werden schwerwiegende Gewalttaten vorgeworfen. 

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