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23.09.2015

18:53 Uhr

Papst Franziskus in den USA

„We love you, pope Francis!“

Tag eins des USA-Besuchs von Papst Franziskus. Zehntausende Zuschauer, prachtvolle Bilder und ein harmonisches Treffen. Der Papst spannt sofort den ganzen Bogen kritischer Themen.

Obama empfängt Franziskus

Kann der Papst die Beziehung zwischen Kuba und den USA beeinflussen?

Obama empfängt Franziskus: Kann der Papst die Beziehung zwischen Kuba und den USA beeinflussen?

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WashingtonMehr Pracht und Feierlichkeit geht kaum. Mit einer mächtigen Inszenierung empfängt der US-Präsident seinen Gast. Der Garten vor dem Weißen Haus ist geschmückt und fahnengesäumt. Unter einem makellos blauen Himmel stehen Soldaten Spalier, eine Kapelle schmettert die Hymnen, ein Gospelchor gibt alles. Barack Obama trifft Papst Franziskus. Und der macht gleich klar, worum es ihm bei seinem ersten, historischen Besuch in den USA gehen wird.

Das heiße Eisen Einwanderung, der Kampf gegen den Klimawandel und die Freiheit der Religionen, der Schutz von Ehe und Familie - all dies in einem „kritischen Moment in der Geschichte unserer Kultur“: Franziskus schlägt in seiner Begrüßung einen weiten Bogen durch die Themen der kommenden Tage. Er spricht Englisch, das wird er bei seinen verbleibenden 17 Predigten und Ansprachen bis Sonntag nur noch drei Mal tun, der Argentinier bevorzugt sonst Spanisch.

Wie schon beim Empfang am Flughafen Andrews scheint die Stimmung bestens, freundlich, gelöst. Der Papst strahlt, Barack und Michelle Obama ebenso. Nur bei den militärischen Ehren, Hymnen und einer kleinen Parade rot berockter Soldaten in historischen Uniformen schaut Franziskus etwas verdrießlich.

Die Begrüßung ist herzlich, es gibt einen langen Handschlag. Nach der Zeremonie schlendern die beiden durch den Garten des Weißen Hauses ins Oval Office, ganz in ihr Gespräch vertieft. Obama erzählt seinem Gast etwas, gestikuliert. Anschließend nehmen beide in den hellbraunen Ledersesseln Platz. Nach wenigen Sekunden wird die Presse ausgesperrt, Obama und der Papst sprechen dann länger hinter verschlossenen Türen miteinander.

Noch nie war der 78 Jahre alte Franziskus in den USA. Dieser Papst ist anders, und er legt Wert darauf. Er fährt im Fiat 500L vor, was eines der kleinsten Autos sein dürft, das jemals in Washington Mittelpunkt einer Kolonne aus schwarzen SUV und blinkenden Motorrädern gewesen sein dürfte. Hochgezogene Augenbrauen im Land der PS-Boliden.

Obama, der einer protestantischen Glaubensgemeinschaft angehört, und der Papst werden bei ihren Ansprachen immer wieder von Applaus unterbrochen. Die Menschen jubeln, zücken ihre Handy und feiern den Gast mit Sprechchören. „We love you, pope Francis!“, ruft jemand zum Schluss. 15.000 Karten gab es für diesen Morgen.

Klartext – deutliche Worte von Papst Franziskus

Aufsehen mit ungewöhnlichen Äußerungen

Papst Franziskus hat mehrfach mit für den Vatikan ungewöhnlichen Äußerungen Aufsehen erregt. Einige Beispiele:

Familienplanung

„Manche Menschen glauben - entschuldigen Sie den Ausdruck -, dass sich gute Katholiken wie Karnickel vermehren müssen.“

Familienehre

„Wenn Dr. Gasbarri (der Reiseorganisator des Papstes), mein lieber Freund, meine Mama beleidigt, erwartet ihn ein Faustschlag.“

Flüchtlinge

„Wir sind eine Gesellschaft, die vergessen hat, wie man weint. Wir haben uns an die Leiden anderer gewöhnt. Es betrifft uns nicht, es interessiert uns nicht, es geht uns nichts an. (...) Die Wohlstandskultur macht uns unempfindlich für die Schreie der anderen und führt zur Globalisierung der Gleichgültigkeit.“

Oberflächlichkeit

„Und so vergeuden wir unsere gottgegebenen Geschenke, indem wir uns mit Schnickschnack beschäftigen; wir verschwenden unser Geld für Spiel und Getränke und drehen uns um uns selbst.“

Kurie

„Eine Kurie, die sich nicht selbst kritisiert, die sich nicht weiterentwickelt, die nicht versucht, sich zu verbessern, ist ein kranker Körper.“

Eitelkeit von Kardinälen

„Die Krankheit der Rivalität und der Eitelkeit. Wenn das Auftreten, die Farbe der Kleidung und die Insignien der Orden das erste Ziel im Leben werden.“

Tratsch

„Es ist die Krankheit der feigen Menschen, die nicht den Mut haben, direkt mit jemandem zu sprechen und hinter dem Rücken reden. (...) Brüder, schauen wir auf den Terrorismus des Geschwätzes!“

Die National Mall ist gesäumt von Zehntausenden. Shamena Nurse (34) ist mit Sohn Aiden hier, beide sind gar nicht katholisch, aber sie empfindet den Papst als etwas ganz Besonderes, definitiv spreche er die Menschen an. Als die Kolonne des Papstes vorbeifährt, kocht die Stimmung fast über. Franziskus segnet die Mengen, lässt anhalten, küsst ein Kind.

Der Papst und der Präsident: Beiden ist bei allem Dissens daran gelegen, ihre Übereinstimmungen zu betonen und den Konsens zu nutzen. Den Kampf gegen den Klimawandel bezeichnet Obama als heilige Pflicht, der Papst lobt Obama für seine Initiative. Das Klima: Es verbindet die beiden mächtigen Männer sehr.

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