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17.12.2016

10:38 Uhr

Papst Franziskus wird 80

„Ihm liegt das Feiern nicht so“

Sein runder Geburtstag soll ein Tag wie jeder andere sein. Doch zum Achtzigsten von Papst Franziskus brodelt es tüchtig im Vatikan. Eine Gegenbewegung wird immer stärker. Im Zentrum der Debatte: Ein Brief.

Papst Franziskus hat seit seinem Antritt im Frühjahr 2013 viele Dinge angestoßen – und traf damit in der eigenen Kirche nicht immer auf bedingungslose Gegenliebe. dpa

Ein echter Reformer

Papst Franziskus hat seit seinem Antritt im Frühjahr 2013 viele Dinge angestoßen – und traf damit in der eigenen Kirche nicht immer auf bedingungslose Gegenliebe.

RomKuchen gab es schon, Geburtstagskerzen auch. Und das, obwohl der Papst durchaus abergläubisch ist. Vor seinem 80. an diesem Samstag solle man ihm doch bitte nicht gratulieren, denn das bringe Unglück, ließ Franziskus seine voreiligen Gratulanten diese Woche wissen. Doch die große Pontifex-Fete ist längst eröffnet.

Unter dem Stichwort #Pontifex80 laufen auf Twitter schon unzählige Glückwünsche ein, glühende Fans nennen 80 Gründe, den Papst zu lieben („Er war mal Türsteher“). Und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, lobte: „Wir dürfen dankbar sein für Papst Franziskus.“

Der erste lateinamerikanische Papst

Zahlen und Fakten

Der Papst feiert in diesen Tagen gleich zwei Jubiläen: Vor 47 Jahren wurde er zum Priester geweiht, am Samstag begeht der Argentinier seinen 80. Geburtstag.

- 17. Dezember 1936: Jorge Mario Bergoglio wird in Buenos Aires geboren. Sein Vater war aus Italien eingewandert und arbeitete bei der Bahn.

Priester

- 13. Dezember 1969: Bergoglio wird zum Priester geweiht.

- 1967 bis 1970: Studium der Theologie.

Provinzial der Jesuiten

- 31. Juli 1973: Mit gerade einmal 36 Jahren steigt er zum Provinzial der Jesuiten und damit führenden Kopf des Ordens in Argentinien auf.

- 1980 bis 1986: Bergoglio arbeitet als Rektor des Kollegs San José und Pfarrer von San Miguel.

Studium

- 11. März 1958: Nach einem Abschluss als Chemietechniker schließt sich Bergoglio mit 22 Jahren den Jesuiten an.

- 1963: Abschluss eines Philosophiestudiums am Kolleg San José in San Miguel.

Deutschland

- 1985: Bergoglio verbringt einige Monate in Deutschland, um seine Dissertation fertigzustellen.

Bischofsweihe

- 27. Juni 1992: Bergoglio empfängt die Bischofsweihe.

Erzbischof

- 28. Februar 1998: Bergoglio wird zum Erzbischof von Buenos Aires ernannt.

Kardinal

- 21. Februar 2001: Bergoglio wird Kardinal.

Konklave

- 19. April 2005: Beim Konklave soll der Argentinier hinter dem späteren Papst Benedikt XVI. die zweitmeisten Stimmen geholt haben.

Papst

- 13. März 2013: Jorge Bergoglio wird im Alter von 76 Jahren zum Nachfolger der emeritierten Papstes Benedikt XVI. gewählt.

Für den Papst selbst soll es ein „normaler“ Tag werden, teilte der Vatikan mit. Nach einer Messe am Morgen mit Kardinälen spult der Papst „business as usual“ ab: Er empfängt Staatsbesuche, Bischöfe, Kirchenvertreter. Termine, Termine, Termine. Wie halt jeden Tag. Franziskus fehlt es auch mit 80 nicht an Reformeifer und Engagement. Obwohl der Wind, der ihm entgegen bläst, immer rauer wird. Denn so beliebt, wie es scheinen mag, ist er nicht. In den eigenen Reihen formiert sich fast vier Jahre nach seinem Amtsantritt ernstzunehmender Widerstand.

Im September hatten ihm vier Kardinäle, darunter Joachim Meisner und Walter Brandmüller aus Deutschland, einen öffentlichen Brief geschrieben. Darin forderten sie vom Oberhaupt der Katholiken Aufklärung über dessen Schreiben über Familie und Liebe, „Amoris Laetitia“. Im Kern geht es um die Frage, wie man in der katholischen Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen umgehen soll und ob sie anders als bisher in Ausnahmefällen zur Kommunion zugelassen werden dürfen oder nicht.

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Der Brief sei ein unglaublicher Vorgang, meinen viele. Von einem „schwerwiegenden Skandal“ hatte der Dekan eines der höchsten Gerichte der katholischen Kirche, Priester Pio Vito Pinto, gesprochen. Denn den Papst öffentlich zu kritisieren, ist bis dato ein Unding gewesen.

„So einen direkten Angriff von Kardinälen gegen den Papst hat es noch nie gegeben“, sagte der Vatikan-Kenner Marco Politi der Deutschen Presse-Agentur. „Und das ist nur die Spitze des Eisberges einer ständig wachsenden Opposition.“ Im Vatikan erzählen sich einige, Franziskus sei „böse“ über den Brief gewesen.

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