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22.06.2014

10:50 Uhr

Papst legt sich mit Mafia an

„Sie sind exkommuniziert“

Die Mafia ist ein „Übel, das bekämpft werden muss“, sagte das katholische Kirchenoberhaupt Papst Franziskus bei einem Freiluft-Gottesdienst in Kalabrien. Wer dem Pfad des Bösen folge, sei exkommuniziert.

Papst Franziskus verurteilt die Mafia. Wer den Weg des Übels gewählt habe, sei exkommuniziert. dpa

Papst Franziskus verurteilt die Mafia. Wer den Weg des Übels gewählt habe, sei exkommuniziert.

Cassano allo IonioPapst Franziskus hat die Mafia in ungewöhnlich scharfer Form verurteilt und ihre Mitglieder exkommuniziert. Die Mafia sei ein „Übel, das bekämpft werden muss“, sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Samstag bei einem Freiluft-Gottesdienst auf einem Platz bei Cassano allo Ionio in Kalabrien. Diejenigen, die „den Weg des Übels gewählt“ hätten, „wie die Mafiosi“, stünden „nicht in der Gemeinschaft mit Gott“, sie seien „exkommuniziert“.

An dem Gottesdienst nahmen rund 250.000 Gläubige teil, die dem Papst wiederholt stark applaudierten, als er die Mafia verurteilte. Der Vatikan-Experte Luigi Accatolli sagte dem Fernsehsender TV2000, es sei das erste Mal gewesen, dass ein katholisches Kirchenoberhaupt Mafiosi für „exkommuniziert“ erklärt habe.

Der Papst bezog sich besonders auf die kalabrische Mafia-Organisation 'Ndrangheta. Diese ist inzwischen die reichste Mafia-Organisation. Sie profitiert vor allem von der Vermarktung von Kokain aus Südamerika. Die Region Kalabrien dient ihr dabei als Drehkreuz für den Drogenverkehr aus Südamerika nach Europa.

Wir finanziert sich die katholische Kirche in Deutschland?

Kirchensteuer

Den größten Teil ihrer laufenden Kosten deckt die katholische Kirche aus ihren Kirchensteuereinnahmen. 2012 waren das fast 5,2 Milliarden Euro.

Staatsleistungen

Sie betreffen nur die Bundesländer und Kommunen und gehen häufig auf die Säkularisation (Verstaatlichung des Kirchenbesitzes) Anfang des 19. Jahrhundert zurück. Gezahlt wird mit Bezug auf Artikel 140 des Grundgesetzes zum Beispiel für den Personal- und Sachbedarf der Kirchen. Hinzu kommen Ausgaben für den Bauunterhalt kirchlich genutzter Gebäude. Nach Angaben der Linken im Bundestag zahlen die Länder jährlich fast eine halbe Milliarde Euro an die Kirchen. Die Partei hat 2012 einen Gesetzentwurf zur Ablösung dieser Staatsleistungen vorgelegt. Dazu ist ein Bundesgesetz nötig.

Bundeszuschüsse

Die Kirchen erhalten für Aufgaben im caritativen Bereich wie andere Träger auch Bundesmittel, zum Beispiel für kirchliche Krankenhäuser, Kindergärten und Schulen. So betrug der Bundeszuschuss für die Caritas 2012 rund 51,9 Millionen Euro. Die katholische Kirche gab dafür 8,6 Millionen Euro aus. Zuschüsse des Bundes fließen auch für Militärseelsorge, Kirchentage und Denkmalschutz. Eine Gesamtsumme wird nach Angaben des Bundesfinanzministeriums nicht ermittelt.

Kirchliches Vermögen

Dabei geht es zum Beispiel um Immobilienbesitz und Miet- und Pachteinnahmen sowie Überschüsse aus kircheneigenen Betrieben oder Beteiligungen. Jedes Bistum hat sein eigenes Vermögen, Je nach Situation machen diese Einnahmen nach Expertenschätzungen fünf bis zehn Prozent des Gesamthaushalts eines Bistums aus.

Spenden und Kollekten

Sie machen nach Einschätzung von Experten fünf Prozent der kirchlichen Einnahmen aus. Die katholische Kirche beziffert diese Einnahmen für das Jahr 2009 auf rund 250 Millionen Euro.

Wie steht es um die Transparenz in den kirchlichen Haushalten?

Wesentliche Entscheidungen zur Verwendung der Kirchensteuer obliegen speziellen Kirchengremien in den Bistümern. Der Kirchensteuerhaushalt wird in der Regel öffentlich dokumentiert. In Bistümern gibt es neben dem regulären Haushalt noch einen „Bischöflichen Stuhl“. Der Begriff bezeichnet das Vermögen, das mit dem Bischofsamt verbunden ist. Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler gibt es für diese Summen keine Auskunftspflicht, so lange keine öffentlichen Gelder damit verbunden sind. Kritiker nennen den „Bischöflichen Stuhl“ deshalb einen Schattenhaushalt. Nach dem Finanzskandal um den Neubau des Bischofssitzes in Limburg haben die Bistümer Essen und Speyer angekündigt, diese Zahlen offenzulegen.

Was ist bei der Finanzkontrolle im Bistum Limburg schiefgegangen?

Dazu gibt es bisher fast nur Vermutungen. 2008, vor dem Amtsantritt des umstrittenen Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst, soll der „Bischöfliche Stuhl“ über rund 100 Millionen Euro verfügt haben. 2011 soll Tebartz-van Elst dem Domkapitel die Zuständigkeit für diesen Haushalt entzogen und stattdessen einem Vermögensverwaltungsrat übertragen haben. Die Frage ist, ob er dieses Gremium bei den Kosten für den neuen Bischofssitz, die zuletzt auf 31 Millionen Euro anwuchsen, getäuscht hat.

Sind ähnliche kirchliche Finanzskandale bekannt?

Der Bund der Steuerzahler hat 1999 kritisiert, dass der katholische Militärbischof Johannes Dyba mit seinem Amt unbedingt von Bonn nach Berlin ziehen wollte - die Sanierung der Berliner Dependance habe umgerechnet rund 10 Millionen Euro gekostet. Skandale um Kirchenvermögen werden auch durch Gerichtsurteile bekannt. So wurden im September 2010 ein früherer Kirchenmitarbeiter im Bistum Limburg wegen der Veruntreuung von 2,7 Millionen Euro zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Nach finanziellen Verfehlungen zog sich 2011 der Orden der Pauliner aus dem Hochschwarzwald zurück. Ein Ordensbruder, der als Pfarrer eine Gemeinde betreute, hatte 247 000 Euro Spenden- und Kirchengelder veruntreut und dafür ohne Erlaubnis neue Messgewänder und Abendmahlskelche gekauft. Er ließ auch Kunstgegenstände restaurieren.

Es war der erste Besuch des Papstes in Kalabrien, einer der ärmsten italienischen Regionen. In Kalabrien ist derzeit mehr als die Hälfte der Jugendlichen unter 25 Jahren arbeitslos. Nach Angaben der Organisation Save the Children in Italien werden mehr als ein Drittel der Familien in der Region von der Mafia kontrolliert.

Vor der Freiluft-Messe besuchte Franziskus ein Gefängnis bei Cassano allo Ionio. Dort wies er auf die Leiden von Kindern unter der Brutalität der Mafia hin. Er bezog sich auf den gewaltsamen Tod des dreijährigen Nicola „Coco“ Campolongo, dessen Ermordung im Januar landesweit für Empörung gesorgt hatte.

„Niemals wieder darf ein Kind solche Qualen erleiden“, sagte der Papst laut einem Vatikansprecher. Die Leiche des Kleinkindes war zusammen mit dem toten Großvater und dessen Lebensgefährtin in einem ausgebrannten Auto entdeckt worden. Sie waren zuvor regelrecht hingerichtet worden, der kleine Junge saß noch angeschnallt in seinem Kindersitz. Hintergrund der Tat waren Streitigkeiten um Drogenschulden. Nur zwei Monate später wurde in der nahen Region Puglia ein weiteres dreijähriges Kind ermordet.

Unter den Gefangenen in der Haftanstalt Castrovillari sind zahlreiche Mafia-Mitglieder, darunter neben „Cocos“ Vater weitere Familienmitglieder der Getöteten, die alle wegen Drogendelikten inhaftiert sind. Die Mutter war während der Bluttat ebenfalls in Haft, steht inzwischen aber unter Hausarrest. „Ich bete ständig für ihn. Verzweifelt nicht“, sagte der Papst, der mit rund 200 Häftlingen des Gefängnisses sprach.

Es sei sein Anliegen, die „Nähe des Papstes und der Kirche gegenüber allen Männern und Frauen, die im Gefängnis sind, in allen Teilen der Welt“ zum Ausdruck zu bringen, sagte Franziskus. Auch er mache „Fehler“ und müsse „Buße tun“. Zugleich betonte er, wie wichtige eine gesellschaftliche Reintegration von ehemaligen Straftätern sei.

Seit seinem Amtsantritt besuchte der 77-jährige Franziskus bereits mehrfach Gefängnisse, am Gründonnerstag kurz nach seiner Wahl nahm er in einem Gefängnis in Rom eine symbolische Fußwaschung an jugendlichen Straftätern vor.

Von

afp

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