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26.03.2014

15:41 Uhr

Papst nimmt Rücktritt an

Tebartz-van Elst kehrt nicht nach Limburg zurück

Der Rücktritt ist offiziell: Franz-Peter Tebartz-van Elst wird nicht wieder Bischof von Limburg. Offenbar gibt er dem Drängen nach, selbst seinen Rücktritt einzureichen. Rom benannte bereits einen vorläufigen Nachfolger.

Bischof Tebartz-van Elst zurückgetreten

„Ganz Limburg wird froh sein“

Bischof Tebartz-van Elst zurückgetreten: „Ganz Limburg wird froh sein“

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RomPapst Franziskus hat entschieden: Der umstrittene Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst darf nicht in sein Amt in Limburg zurückkehren, wie der Vatikan am Mittwoch bekanntgab. In der Diözese Limburg sei es zu einer Situation gekommen, „die eine fruchtbare Ausübung des bischöflichen Amtes“ durch Tebartz-van Elst verhindere, heißt es in der Mitteilung. Der Heilige Stuhl habe deshalb den von dem Bischof angebotenen Amtsverzicht angenommen. Zuletzt war in Deutschland 2010 der Augsburger Bischof Walter Mixa zurückgetreten. Frühere Heimkinder hatten ihm körperliche Misshandlung vorgeworfen, zudem soll er Stiftungsgelder zweckentfremdet haben.

Der 54-jährige Tebartz-van Elst wird für die ausufernden Kosten beim Bau des Limburger Bischofssitzes verantwortlich gemacht. Zudem steht er wegen seiner Amtsführung in der Kritik. Der Papst hatte ihm im vergangenen Oktober eine Auszeit außerhalb des Bistums verordnet.

Der Skandal um Tebartz-van Elst

Januar 2008

Tebartz-van Elst wird in sein Amt als Bischof von Limburg eingeführt. Er war zuvor Weihbischof in Münster und folgt in Limburg auf Bischof Franz Kamphaus.

Juni 2011

Der Grundstein für den neuen Bischofssitz wird gelegt. Der grundsätzliche Beschluss für den Bau fiel schon vor der Amtszeit Tebartz-van Elsts. Bereits im Februar 2007 hatte dies das Domkapitel, ein Kollegium von Priestern, beschlossen. Diese Entscheidung fiel in die Zeit der sogenannten Sedisvakanz, in der der Bischofssitz nicht besetzt ist.

Januar 2012

Bischof Tebartz-van Elst reist nach Indien, um dort soziale Projekte zu besuchen. Später wird bekannt, dass der Bischof in der Ersten Klasse flog. Es handelte sich dabei laut dem Bistum um ein Upgrade aufgrund gesammelter Bonusmeilen und eine Zuzahlung aus eigener Tasche. Gegen die Berichterstattung im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" geht Tebartz-van Elst juristisch vor und wirft dem Magazin eine unwahre Darstellung vor.

Juni 2013

Die Dienst- und Verwaltungsräume im neuen Bischofssitz werden eingeweiht. Das Gebäude wird mittlerweile offiziell als "Diözesanes Zentrum Sankt Nikolaus" bezeichnet. Die Kosten allein für die Arbeiten am "historischen Bestand" wie etwa an der historischen Stadtmauer werden zu diesem Zeitpunkt auf 9,85 Millionen Euro beziffert. Die Gesamtkosten sollen deutlich höher liegen. Ursprünglich waren für das gesamte Bauprojekt 5,5 Millionen Euro eingeplant. Davon stammen 2,5 Millionen Euro aus einer dafür angelegten Rücklage des Bistumshaushalts aus dem Jahr 2004. Die übrigen Kosten trägt der Bischöfliche Stuhl, bei dem es sich um eine Körperschaft des öffentlichen Rechts handelt. Dieser wurde bei Gründung des Bistums im Jahr 1827 vom Herzog von Nassau mit Vermögenswerten ausgestattet. Dies war der Grundstock für das heutige Vermögen. Zu dessen Höhe macht das Bistum keine Angaben.

August 2013

Tebartz-van Elst gerät in seinem Bistum zunehmend unter Druck. In einem offenen Brief wenden sich hunderte Katholiken gegen die Amtsführung des Bischofs. In der Kritik steht er unter anderem wegen der Spekulationen über steigende Kosten des Bischofssitzes. In Medienberichten ist von 15 bis 20 Millionen Euro die Rede.

September 2013

Der Vatikan schaltet sich in die Querelen im Bistum Limburg ein. Bei einem einwöchigen Besuch im Bistum macht sich der vom Papst gesandte Kardinal Giovanni Lajolo vor Ort ein Bild von der Situation. Am Ende des Besuchs sagt Tebartz-van Elst eine Prüfung der Baukosten zu.

November 2013

Am 17. November äußert sich die Diözesanversammlung des Bistums Limburg, die Vertretung der katholischen Gläubigen, ziemlich deutlich: Sie sieht nach eigenen Angaben keine Möglichkeit für einen Neuanfang mit Tebartz-van Elst. Da hilft dem Bischof auch nicht, dass am Tag darauf, am 18. November, das Amtsgericht in Hamburg das Strafverfahren gegen den Bischof gegen Zahlung einer Geldauflage vorläufig einstellt – das Image ist angekratzt.

Dezember 2013

Im Dezember wird das Verfahren wegen falscher eidesstattlicher Erklärung nach Zahlung von 20.000 Euro endgültig eingestellt.

Januar 2014

Am 26. Januar 2014 schreibt das Magazin „Focus“, der Bericht der kirchlichen Untersuchungskommission entlaste den Bischof. Die Bischofskonferenz betont dagegen, es liege noch kein Ergebnis vor.

Februar 2014

Am 9. Februar sieht die Lage schon wieder weitaus schlechter aus als nach dem „Focus“-Bericht zu vermuten war. Laut „Spiegel“ belastet der Prüfbericht Tebartz-van Elst schwer. Auch Geld einer Stiftung soll für die neue Residenz verwendet worden sein. Am 17. Februar legt die „Süddeutsche Zeitung“ nach und berichtet, Tebartz-van Elst und sein Generalvikar Franz Kaspar hätten Rechnungen für die neue Residenz mit Stiftungsgeld des St. Georgswerkes bezahlt.

26. März 2014

Der Vatikan spricht ein Machtwort: Der umstrittene Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst darf nicht in sein Amt in Limburg zurückkehren. In der Diözese Limburg sei es zu einer Situation gekommen, „die eine fruchtbare Ausübung des bischöflichen Amtes“ durch Tebartz-van Elst verhindere, heißt es in der Mitteilung des Vatikans. Der Heilige Stuhl habe deshalb den von dem Bischof angebotenen Amtsverzicht angenommen. Der scheidende Bischof werde zu gegebener Zeit mit einer anderen Aufgabe betraut, erklärte der Vatikan.

28. März 2014

Die BMW 5er-Limousine: Einen solchen Wagen wurde vom Bischöflichen Stuhl im Januar bestellt, wie am 28. März bekannt wurde. Ein Mitarbeiter hatte die Verlängerung des bestehenden Leasingvertrags „im Auftrag des Bischofs“ unterschrieben. Ob er es aus eigener Motivation heraus tat oder Anweisung vom damals bereits vom Papst beurlaubten Tebartz-van Elst bekam, ist noch offen. Ein solches Wagenmodell kostet mit der absoluten Grundausstattung 40.000 Euro und ist im Leasing nicht unter der Rate von 400 Euro monatlich zu haben. Da die Ausstattung des Bischofs-BMW allerdings der Oberklasse entspreche, dürfte der Preis deutlich darüber liegen.

Der scheidende Bischof werde zu gegebener Zeit mit einer anderen Aufgabe betraut, erklärte der Vatikan. Papst Franziskus setzte den Paderborner Weihbischof Manfred Grothe als Leiter für die Limburger Diözese ein. Der 74-Jährige tritt mit sofortiger Wirkung sein Amt als Apostolischer Administrator der Diözese Limburg an. Einen neuen Bischof bekommt Limburg vorerst nicht. Es beginnt laut dem Limburger Bistum „die Sedisvakanz, die Zeit, in der der Bischofsstuhl in einer Diözese nicht besetzt ist“.

Im Vatikan stand laut „Zeit“-Informationen bereits seit Wochen fest, dass Franziskus eine Rückkehr des umstrittenen Bischofs ablehnt. Der Papst war demnach verärgert über die Uneinsichtigkeit von Tebartz-van Elst und hoffte, keine harte Absetzung des Bischofs durchsetzen zu müssen. Dieser wurde nun offenbar im Vatikan zur Einsicht bewegt.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat die Entscheidung des Vatikans zu Tebartz-van Elst begrüßt. Sie beende eine Zeit der Unsicherheit in Limburg und ermögliche einen Neuanfang, sagte Marx am Mittwoch in Berlin. Zu Einzelheiten des Prüfberichts der von der Bischofskonferenz eingesetzten Expertenkommission wollte sich Marx nicht äußern. Der Bericht, der am Mittwoch in voller Länge veröffentlicht wurde, sei in einem fairen und transparenten Verfahren zustande gekommen, alle Beteiligten hätten ihre Argumente vorgebracht - auch Tebartz-van Elst. Marx wünsche dem Geistlichen „die Kraft zu neuem Anfang“.

Der Vatikan-Bericht sei Folge eines fairen, transparenten Verfahrens. In den vergangenen Monaten sei deutlich geworden, dass es in der Kirche ein großes Bedürfnis nach Offenheit auch in finanziellen Fragen gebe. Die Bischofskonferenz wolle diesem Wunsch stärker entsprechen.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

26.03.2014, 13:15 Uhr

Man mag von der Amtskirche halten was man will, aber mit dem Fall hat sie der Politik eine Blaupause geliefert und zur Entscheidungsfähigkeit zurück gefunden.

Die Politik sollte sich daran ein Beispiel nehmen und ihrerseits "auskehren"!

Wo?
Ganz einfach. Die Beanstandungen der Rechnungshöfe und die Berichte des Steuerzahlerbundes zur Hand nehmen und die Herrschaften markieren und neue Aufgaben zuweisen. Die reinilichkeit vieler Städte lässt ohnehin zu wünschen übrig.

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