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22.09.2015

12:28 Uhr

Papstbesuch

Finanzielles Chaos in katholischen US-Kirchen

VonStephan Degenhardt

Papst Franziskus besucht die USA. Dort wird er auf eine katholische Kirche treffen, die vielerorts mit Geldnot zu kämpfen hat. In New York müssen viele Gemeinden schließen. Doch der Papst wird nicht helfen können.

An der Kirche „Our Lady of Peace“ in Manhattan zünden Gläubige Kerzen an. Die Erzdiözese New York machte die Kirche Ende Juli dicht.

Beten vor verschlossener Tür

An der Kirche „Our Lady of Peace“ in Manhattan zünden Gläubige Kerzen an. Die Erzdiözese New York machte die Kirche Ende Juli dicht.

New YorkEs schüttet an diesem Spätsommerabend in New York. Jessica Beede hockt trotzdem unter einem braunen Pavillon, durch den der Regen auf die klapprigen Stühle tropft. Sechs weitere Mitglieder der Gemeinde, teils in Regenmäntel gehüllt, sind zur Kirche „Our Lady of Peace“ in Manhattan gekommen.

Um Punkt halb Sieben kramen die Gläubigen ihre Gebetsketten hervor, eine Schnur mit 59 Perlen und einem Kreuz. Jede dieser Perlen bedeutet ein Gebet, zusammen ergeben sie den Rosenkranz. Beede und die anderen beten, um ihre Kirche zu retten – es ist ihre Art des Protests. Seit fast acht Wochen kommen sie jeden Abend vor die Kirche. Hinein können sie nicht mehr.

Bereits am Tag der letzten Messe, dem 31. Juli, wurden die Schlösser ausgetauscht. Vor dem Eingang des über hundert Jahre alten roten Klinkerbaus stehen Blumen. Kerzen brennen. „Die Gemeinde ist wie eine Familie für uns“, sagt Beede.

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Die Situation ist trostlos. Da hilft auch nicht der Papst, der jetzt nach New York kommt. Hundertausende Menschen werden seinen Weg im Central Park säumen, darunter auch Beede. Aber an der naheliegenden „Our Lady of Peace“ hält Franziskus nicht. Dabei ist die Kirche auf der „Upper East Side“ kein Einzelfall. Dutzende Kirchen werden in New York dicht gemacht, Gemeinden zusammengefasst.

Es gibt nicht mehr genügend Priester, die Zahl der Kirchgänger nimmt ab. „Die finanziellen Aussichten für die nächste Zeit sind düster“, sagt Charles Zech, der an der katholischen Villanova University über das ökonomische Gebaren der Kirche forscht.

Bei aller Gloria des Staatsbesuchs und Reden vor wichtigen Organisationen wie der UN: Der Basis der katholischen Kirche ist nicht überall zum Feiern zumute. Sie kämpft in den USA mit wirtschaftlichen Problemen. Alte und marode Gebäude, geringe Spenden und defizitäre Pensionsfonds für Priester belasten die Kirchenfinanzen. Eine Kirchensteuer wie in Deutschland gibt es in den USA nicht.

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