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08.06.2015

14:52 Uhr

Paul Sahner ist tot

Der Doyen des Gesellschaftsjournalismus

Paul Sahner, langjähriger Gesellschaftsreporter der „Bunten“ und Buchautor, war einer der größten seiner Zunft. Er kitzelte aus Prominenten heraus, was sie anderen nicht offenbarten. Nun ist Sahner gestorben.

Reporter Paul Sahner bei der Vorstellung der Biografie des verstorbenen Musikers Udo Jürgens zu sehen. dpa

Gesellschaftsreporter Paul Sahner

Reporter Paul Sahner bei der Vorstellung der Biografie des verstorbenen Musikers Udo Jürgens zu sehen.

MünchenEr war der Mann, der Rudolf Scharping beim Planschen ertappte. Im August 2001 druckte die Illustrierte „Bunte“ eine Homestory mit dem damaligen SPD-Verteidigungsminister. Die Fotos dazu waren recht freizügig. Der Chef der Bundeswehr beim vergnügten Bade im Pool mit seiner Lebensgefährtin Kristina Gräfin Pilati.

Die Story des „Bunte“-Gesellschaftsreporters Paul Sahner war ein Affront vor allem gegenüber den Bundeswehrsoldaten, die damals auf dem Balkan dem Tod ins Auge sahen. Der Chef planscht und turtelt in aller Öffentlichkeit, während seine Jungs kämpfen. So etwas geht gar nicht.

Es war nur einer von vielen Glamour-Skandalen, die Sahner im Laufe seiner Karriere als Promi-Reporter aufdeckte, nur eine von vielen Intimbeichten, die er seinen Gesprächspartnern abnahm, um dann in einem eher unaufgeregten Stil darüber zu schreiben.

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Mit dem Tod des Gesellschaftsreporters Paul Sahner verliert die deutsche Publizistik einen Solitär. Sein Verlust markiert das Ende einer großen Epoche des Glamourjournalismus.

Jetzt ist Sahner in seiner Wahlheimat im oberbayerischen Chiemgau gestorben, wo er zusammen mit seiner zweiten Frau Martina in einem umgebauten Bauernhaus lebte. Er erlitt einen Herzinfarkt, nur wenige Wochen vor seinem 71. Geburtstag. „Unsere Traurigkeit ist unbeschreiblich“, ließ „Bunte“-Chefredakteurin Patricia Riekel verlauten.

Er hatte sie eigentlich alle: Literatur-Papst Marcel Reich-Ranicki plauderte mit ihm über dessen offene Ehe, Schauspieler Horst Buchholz über seine Männerliebschaften, Udo Jürgens über Selbstbefriedigung. Sahners große Jürgens-Biografie „Merci, Udo!“, erschienen kurz nach dem Tod des Superstars, war einer seiner größten Erfolge auch als Buchautor. Zuvor hatte er schon Künstlerbiografien unter anderem von Pink Floyd, Rod Stewart und Karl Lagerfeld verfasst. 1996 begleitete er Richard Gere und den Dalai Lama bei einer Reise durch die Mongolei. Das war einer seiner größten Scoops.

Sie alle soll er mit seinem gepflegten, noblen Habitus, seinem Grandseigneur-Charme, seinem etwas traurigen, unschuldigen Hundeblick eingefangen haben. Oft erzählte er seinen Interviewpartnern auch von seine eigenen Schwächen. Dann öffneten sie sich ihm, die Promis, erzählten dem Mann von der Klatschpresse, was sie anderen nicht erzählten.

In der breiten Öffentlichkeit war Sahner vielleicht nicht so bekannt wie Michael Graeter von der „Münchner Abendzeitung“, dem Helmut Dietl in seiner TV-Serie „Kir royal“ mit der Figur des Baby Schimmerlos ein Denkmal gesetzt hatte. Doch er war wohl deutlich einflussreicher. Alle kannten ihn - und er kannte alle.

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