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10.04.2014

16:03 Uhr

Peinliche Panne

Möbelhaus ruft Hitler-Tasse zurück

VonDésirée Linde

Weil ein chinesischer Zulieferer Hitler nicht kannte, designte er Tassen mit dessen Konterfei für das Möbelhaus Zurbrüggen. Die Firma fürchtet, dass einige der 175 verkaufen Tassen überteuert im Netz angeboten werden.

In Hitlers Gesicht ragt der geschwungene Anfangsbuchstabe des Wortes Rose: Diese Tassen verkaufte das Möbelhaus Zurbrüggen. Foto: Jens Möller

In Hitlers Gesicht ragt der geschwungene Anfangsbuchstabe des Wortes Rose: Diese Tassen verkaufte das Möbelhaus Zurbrüggen.

Foto: Jens Möller

DüsseldorfEin bisschen Lyrik, ein bisschen Rosen-Kitsch – und das Hakenkreuz samt Hitler-Konterfei: Diese ungewollte und schräg wirkende Bild-Komposition zwingt die nordrhein-westfälische Möbelhauskette Zurbrüggen, 175 Tassen zurückzurufen, die das Unternehmen seit Anfang des Monats für 1,99 Euro verkauft hatte.

Einigen Käufern war die wirre Mischung aus Rosen, englischen Liebesgedicht und der 30-Pfennig-Briefmarke aus der Nazi-Zeit mit einem Porträt Adolf Hitlers im Profil inklusive Poststempel mit Hakenkreuz erst am Frühstückstisch aufgefallen. Das Bielefelder Unternehmen reagierte sofort.

Abnehmer deutscher Möbel

Steigende Exporte

Deutsche Möbel sind im Ausland beliebt. Die meisten Nationen in den Top Ten haben von Januar bis Oktober 2011 sogar noch mehr als im Vorjahrszeitraum eingekauft. Die Zahlen hat der Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM) erhoben.

Platz 10

Auf Platz zehn kommen die USA. Über den großen Teich wurden von Januar bis Oktober 2011 deutsche Möbel im Wert von 224 Millionen Euro exportiert. Das sind 3,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Platz 9

Polen hat in den ersten zehn Monaten 2011 Möbel im Wert von 242 Millionen Euro importiert (plus 20,1 Prozent) - Rang neun.

Platz 8

Spanische Kunden haben deutsche Möbel im Wert von 259 Millionen Euro gekauft. Das sind 10,4 Prozent mehr als von Januar bis Oktober 2010.

Platz 7

Der achte Rang geht an die Italiener, die in den ersten zehn Monaten 2011 für deutsche Möbel 260 Millionen Euro ausgegeben haben. Das Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum beträgt 14,4 Prozent.

Platz 6

In den ersten zehn Monaten 2011 gingen Möbel im Wert von 421 Millionen Euro nach Belgien, 5,1 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Platz 5

Auch die Briten interessieren sich für deutsche Möbel, denn sie haben von Januar bis Oktober 2011 Waren im Wert von 430 Millionen Euro importiert. Im Vergleich zu den ersten zehn Monaten 2010 sind das drei Prozent mehr.

Platz 4

Unsere Nachbarn aus den Niederlanden haben bis Oktober im vergangenen Jahr Möbel aus deutscher Produktion für 666 Millionen Euro gekauft. 2010 waren es noch 0,4 Prozent mehr.

Platz 3

Nach Österreich gingen Möbel im Wert von 774 Millionen Euro. Im Vergleich zu den ersten zehn Monaten 2010 sind das sechs Prozent mehr.

Platz 2

Auch die Eidgenossen erfreuen sich an deutschen Möbeln. Die Schweizer kauften bis Oktober Waren im Wert von 835 Millionen Euro (plus 16,4 Prozent).

Platz 1

Unangefochten an der Spitze liegen aber die Franzosen. Sie haben von Januar bis Oktober 2011 deutsche Möbel im Wert von 1,165 Milliarden Euro importiert. Der Zuwachs zum vergleichbaren Zeitraum im Vorjahr beträgt 13,3 Prozent.

Die Sache sei „fürchterlich“, sagte Christian Zurbrüggen, Inhaber und Geschäftsführer des Unternehmens gegenüber Handelsblatt Online. Er entschuldigte sich bei den betroffenen Kunden und spricht von einer „ziemlich blöden Verkettung von unglücklichen Umständen“.

Zurbrüggen erklärt die folgenschwere Panne mit einem Fehler bei einem chinesischen Zulieferer: Der habe den Auftrag an einen Designer herausgegeben. „Diesen Vintage-Optik gibt es vielfach, etwa mit Schiller oder Goethe.

Der beauftragte Designer hat dann einfach weitergesucht und diese Briefmarke gefunden“, sagt Zurbrüggen. Der chinesische Produzent habe keine Ahnung gehabt, wen er da auf die Tassen für das deutsche Unternehmen setzt. Eine Lieferung von 5000 Tassen ging daher vor einem Monat nach Deutschland an Zurbrüggen.

Kommentare (8)

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10.04.2014, 13:54 Uhr

"Zurbrüggen will die Tassen wieder „aus dem Verkehr ziehen“. Betroffene Kunden erhalten einen Warengutschein über 20 Euro, wenn sie die Tasse (Stückpreis rund drei Euro) zurückbringen."
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An Stelle der betroffenen Kunden würde ich einen Teufel tun und die Tassen für lumpige 20 € zurückgeben. Ähnlich Fehldrucken bei Briefmarken könnten (nicht müssen!) das mal wertvolle, vergleichsweise seltene Sammlerstücke werden.

§ 86 StGB für eine unbeabsichtigt(! Wer in China kennt schon Hitler? Ich bin mir nicht mal sicher, ob junge Deutsche dieses Gesicht auf der Tasse erkennen würden.) fehldesignte Tasse? Aber wirklich! Mal die Kirche im Dorf lassen nach fast einem Menschenleben nach dem WKII.

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10.04.2014, 16:31 Uhr

Was für ein herzerfrischender Artikel. Hätte ich doch bloß auch so eine geschmackvolle Tasse erwischt!

So blöd, für einen "Warengutschein über 20 Euro" diese Preziosen brav zurückzubringen, wird wohl kein Mensch sein.

Aber bemerkenswert ist doch, dass es dieses Rückgabeangebot überhaupt gibt. Es wird mehr als das 6-fache des Kaufpreises für die Rückgabe geboten. Wo gibt es das sonst schon mal? Das verstößt gegen alle guten Sitten. Man sollte das Möbelhaus auffordern, dieses generöse Angebot sofort zurückzunehmen. Gekauft ist gekauft!

Account gelöscht!

10.04.2014, 18:19 Uhr

Staadtteile absperren. Die Tasse koennte explodieren.

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