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14.11.2013

10:38 Uhr

Philippinen

Massenbegräbnis in vom Taifun verwüsteter Stadt Tacloban

In der vom Taifun „Haiyan“ verwüsteten Stadt Tacloban hat das erste Massenbegräbnis stattgefunden. Die UN kritisiert, dass die Hilfe für die Opfer zu langsam läuft. China will seine Hilfszusagen aufstocken.

Auf einem Friedhof am Fuß eines Berges im Randgebiet der Stadt Tacloban wurden 94 Leichen ohne Zeremonie und ohne Gebet beigesetzt. AFP

Auf einem Friedhof am Fuß eines Berges im Randgebiet der Stadt Tacloban wurden 94 Leichen ohne Zeremonie und ohne Gebet beigesetzt.

Tacloban/Manila/PekingIn der von dem Taifun „Haiyan“ schwer verwüsteten Stadt Tacloban hat am Donnerstag das erste Massenbegräbnis stattgefunden. Auf einem Friedhof am Fuß eines Berges im Randgebiet der Stadt wurden 94 Leichen ohne Zeremonie und ohne Gebet beigesetzt. Arbeiter schaufelten Erde auf die Toten. Die meisten waren in Leichensäcke, einige in Decken gewickelt. „Ich hoffe, ich muss so eine Katastrophe nie wieder erleben“, sagte Bürgermeister Alfred Romualdez. Die Philippinen sind ein überwiegend katholisches Land.

Unterdessen hat die UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos eingeräumt, dass die Hilfe für die Taifun-Opfer auf den Philippinen zu langsam läuft. Die UN-Mitarbeiter seien frustriert, dass sechs Tage nach dem Sturm „Haiyan“ die Hilfen in der Hauptstadt Manila feststeckten, sagte Amos am Donnerstag vor Journalisten in Manila. „Eine schnellere Auslieferung sicherzustellen, ist unsere erste Priorität.“ Sie hoffe auf signifikante Verbesserungen in den kommenden 48 Stunden.

Die philippinische Regierung hatte am Mittwoch versichert, alle Straßen seien passierbar. Am schlimmsten betroffen ist die Region um die Stadt Tacloban auf der Insel Leyte. Dort hatte der Taifun am Freitag riesige Schneisen der Zerstörung geschlagen. Von den Folgen von „Haiyan“ sind nach UN-Angaben mehr als elf Millionen Menschen betroffen, 660.000 Bewohner verloren ihr Zuhause. Mindestens 2275 Menschen kamen nach offiziellen Angaben ums Leben.

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Angesichts von scharfer Kritik an den bisherigen Hilfszusagen für die Taifun-Opfer auf den Philippinen will China nun seine Hilfen aufstocken. Die chinesische Botschaft in Manila teilte am Donnerstag mit, dass für die Opfer des verheerenden Wirbelsturms Decken, Zelte und anderes Hilfsmaterial im Gesamtwert von zehn Milliarden Yuan (1,22 Millionen Euro) bereitgestellt würden. Die Hilfen würden „so bald wie möglich“ geliefert. Die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft hatte am Montag zunächst nur 100.000 Dollar zugesagt.

China liegt seit Jahren mit den Philippinen im Streit über mehrere Inseln in der strategisch wichtigen Südchinesischen See. Die Regierung in Manila wirft China vor, ihren Anspruch auf die Inselgruppe zunehmend aggressiv zu vertreten. Auch andere Staaten der Region haben Territorialkonflikte mit Peking. Das US-Nachrichtenmagazin „Time“ kritisierte am Mittwoch in einem Artikel die bisherigen Hilfszusagen als „beleidigend gering“ und schrieb, China erscheine in der Weltöffentlichkeit als „böswillig“.

Auch die chinesische Staatszeitung „Global Times“ warnte am Donnerstag, der Status eines Landes in der Welt hänge nicht allein von seiner militärischen oder ökonomischen Macht ab, sondern auch von der sogenannten „Soft Power“, wobei auch sein Verhalten in Katastrophenfällen eine Rolle spiele. Einige Internetnutzer forderten dagegen, den Philippinen überhaupt keine Hilfe zukommen zu lassen. Großzügigkeit würde China nur schaden, schrieb ein Nutzer im Kurzbotschaftendienst Sina Weibo.

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