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29.01.2009

19:02 Uhr

Piraten

Deutscher Tanker vor Somalia gekapert

Im vergangenen Jahr überfielen Piraten vor Somalia rund 40 Schiffe, nun ist im Golf von Aden ein deutscher Tanker in die Hände der Seeräuber gefallen: die „MV Longchamp“. An Bord befinden sich 13 Besatzungsmitglieder. Nach ersten Erkenntnissen ist niemand verletzt. Die SPD riet deutschen Reedern, ihre Schiffe nur im Konvoi fahren zulassen, dann könnten sie auch von der Marine geschützt werden.

Der deutsche Tanker "Longchamp" in der Straße von Gibraltar. Jetzt wurde das Schiff im Golf von aden von Piraten entführt. Foto: dpa dpa

Der deutsche Tanker "Longchamp" in der Straße von Gibraltar. Jetzt wurde das Schiff im Golf von aden von Piraten entführt. Foto: dpa

HB NAIROBI/HAMBURG. Der unter deutschem Management stehende Tanker ist im Golf von Aden von Piraten entführt worden. Die "Longchamp" wurde um 2:30 Uhr in der Nacht zum Donnerstag nach ersten Informationen von sieben Piraten geentert, wie das in Hamburg ansässige Unternehmen Bernhard Schulte Shipmanagement am Donnerstag mitteilte. Die Piraten hätten die Besatzung gezwungen, Kurs auf Somalia zu nehmen.

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Rainer Arnold, stellte nach der Kaperung des Frachters deutschen Reedern die Hilfe der Bundesmarine in Aussicht gestellt. Ein Geleitschutz für einzelne Schiffe sei zwar nicht möglich, sagte Arnold am Donnerstag im Gespräch mit Handelsblatt.com. „Die Schiffe sollten besser im Konvoi fahren, dann können sie auch von einem Marineschiff begleitet werden.“ Dies setze allerdings voraus, dass die Reeder bereit seien, eine zeitliche Verzögerung ihrer Fahrten in Kauf zu nehmen. Über einen möglichen Geleitschutz müsse dann die EU-geführte Anti-Piraten-Mission "Atalanta" entscheiden.

Mitarbeiter der Reederei sowie ein Sprecher des Hamburger Schiffsfinanzierers MPC, der an dem Tanker beteiligt ist, sagten indessen, der Tanker sei gekapert worden, obwohl das Schiff in einem international geschützten Konvoi fuhr. Die Piraten hätten das rund 3500 Tonnen große Schiff in den frühen Morgenstunden in ihre Gewalt gebracht, obgleich es in einem Verband fuhr und die indische Marine noch einzugreifen versuchte, sagte der MPC-Sprecher. Der Kapitän des Schiffes habe in einem kurzen Telefonat erklärt, alle 13 Besatzungsmitglieder, zwölf Filipinos und ein Indonesier, seien wohlauf.

Fregatten der Deutschen Marine vereitelten dagegen am Donnerstag zwei Angriffe von Piraten auf Handelsschiffe im Golf von Aden. „Bei zwei angegriffenen Schiffen konnte mit Hilfe der Deutschen Marine eine Kaperung verhindert werden. Der Gastanker Longchamp (...) fiel jedoch in die Hände von Piraten“, teilte die Bundeswehr im Internet mit. Ob die beiden deutsche Schiffe auch einen Hilferuf des gekaperten Gastankers erhalten hatten, blieb zunächst unklar.

Die knapp 100 Meter lange „Longchamp“ war unterwegs von Europa nach Asien. Das Schiff habe den Suez-Kanal durchquert und eigens einen Tag gewartet, um sich dem Konvoi anzuschließen, sagte der Sprecher. Ein Schiff der britischen Marine habe vor der Geiselnahme einen Notruf vom Kapitän der „Longchamp“ empfangen, sagte ein Sprecher des Internationalen Schifffahrtsbüros (IMB) in London der dpa.

Der 1990 gebaute Tanker gehört der Gesellschaft MPC Steamship, wird aber von der Hamburger Reederei Bernhard Schulte bereedert. Gechartert hatte die „Longchamp“ eine Reederei aus dem liberianischen Monrovia. Das Schiff fährt unter der Flagge der Bahamas. Der Tanker sei nun aus dem Konvoi ausgeschieden und steuere auf die somalische Küste zu, sagte der MPC-Sprecher. Er rechne mit einer Lösegeldforderung.

Vor der somalischen Küste sind in diesem Jahr bereits drei Schiffe von Piraten gekapert worden. In den vergangenen Tagen haben die Angriffe der Piraten wieder zugenommen, da sich das Wetter in der Region deutlich verbessert hat.

Im Kampf gegen die Seeräuber hat die EU zur Zeit vier Schiffe und drei Aufklärungsflugzeuge im Einsatz. Zehn weitere Länder, darunter Indien, haben ebenfalls Kriegsschiffe in die Region entsandt. Sie sollen vor allem Containerschiffe und Tanker vor Angriffen im Golf von Aden schützen, der wichtigsten Handelsroute zwischen Europa, der arabischen Halbinsel und Asien.

Im vergangenen Jahr sind nach IMB-Angaben insgesamt 111 Schiffe von somalischen Piraten attackiert worden. Dutzende wurden entführt. Die Seeräuber erpressten damit Lösegelder von schätzungsweise mehr als 30 Mio. Dollar.

Die internationale Schifffahrt kann das Gebiet vor der somalischen Küste kaum meiden. Der Golf von Aden verbindet Asien über das Rote Meer und den Suez Kanal mit dem Mittelmeer und ist damit eine der wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt.

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