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11.09.2014

14:49 Uhr

Pistorius-Mordprozess

Kein Mörder, aber wohl trotzdem Gefängnis

VonWolfgang Drechsler

Der Mordprozess gegen Oscar Pistorius nimmt für den Paralympics-Star ein relativ glimpfliches Ende: Völlig überraschend hat ihn das Gericht vom Mordvorwurf freigesprochen. Dennoch droht ihm eine lange Haftstrafe.

Oscar Pistorius weinte im Gerichtssaal während der Urteilsverkündung. Reuters

Oscar Pistorius weinte im Gerichtssaal während der Urteilsverkündung.

PretoriaEs ist zwölf Minuten nach neun als sich Oscar Pistorius an diesem sonnigen Morgen eine kleine Schneise durch das Blitzlichtgewitter in den holzgetäfelten Saal GD des Obersten Gerichtshofes von Pretoria bahnt. Wenig später nimmt er nach 42 emotional kräfteraubenden Verhandlungstagen zum letzten Mal auf der Anklagebank Platz. Noch lässt er sich die enorme innere Spannung kaum anmerken.

Vielleicht liegt die vermeintliche Gelassenheit an seiner vollzählig erschienenen Familie, die gleich nebenan steht. Überraschenderweise ist selbst Bruder Carl nach seinem schweren Verkehrsunfall in einem Rollstuhl anwesend. Auch sein seit langem mit ihm zerstrittener Vater Henke ist erschienen und nimmt in der vorderen Zuhörerbank Platz. Seine Mutter ist bereits vor 12 Jahren mit nur 42 verstorben.

20 Minuten später beginnt die Urteilsverkündung. Von ihrem Sitz hoch über dem Angeklagten schildert Richterin Thokozile Masipa zunächst die Nacht des 13. Februar 2013, in der Pistorius seine Freundin Reeva Steenkamp erschoss. Von Beginn an hat der Sportler zugegeben, sie mit vier Schüssen durch eine geschlossene Toilettentür getötet zu haben, weil er sie in großer Angst für einen Einbrecher hielt.

Im Gegensatz dazu ist Staatsanwalt Gerrie Nel überzeugt, dass sich Pistorius und seine Freundin in der Tatnacht heftig stritten – und er das Fotomodel in Rage tötete. Fast beiläufig erwähnt die Richterin, dass Pistorius zusätzlich zu der Tat auch wegen des fahrlässigen Gebrauchs einer Waffe in zwei Fällen und der Benutzung illegaler Munition angeklagt ist.  

Die erste Überraschung liegt darin, dass die Richterin ein enormes Tempo einschlägt und in nur wenigen Minuten die Aussagen einiger Zeugen zusammenfasst, die in der Todesnacht Schreie aus dem Haus des Sportlers gehört haben. Andere werden gänzlich übergangen. Die Aussagen, deren Anhörung im Prozess mehrere Tage dauerte und in den Medien jede für sich für enormen Wirbel sorgte, wird von Masipa binnen weniger Minuten brüsk vom Tisch gewischt: Nach Meinung der Richterin haben die meisten Belastungszeugen die Geräusche falsch interpretiert.

Verantwortlich sei zum einen die extensive Berichterstattung der Medien gewesen, die Zeugen unbewusst zu Fehlschlüssen verleitet haben. Zum anderen sei auch die eingeschränkte menschliche Wahrnehmungsfähigkeit am frühen Morgen bei der Wahrheitsfindung wenig hilfreich gewesen.

Stattdessen folgt Masipa bereits jetzt der Argumentation der Verteidigung und rückt „objektive Beweise“ , wie sie es nennt, in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung: Anruf- und Ankunftszeiten wie das Eintreffen der Ärzte, Nachbarn, Freunde aber auch des lokalen Sicherheitsdienstes und der Polizei.  „Sie ist eine starke Richterin und hat sich offenbar klar für eine Version der Dinge entscheiden“, lobt der südafrikanische Richter William Heath anerkennend in einem Zwischeninterview mit der BBC.

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

11.09.2014, 19:21 Uhr

Kein Mord? Wer mit einer geladenen, scharfen Waffe auf einen Raum schiesst, will töten, mit voller Absicht! Aber wie überall, bekannt und schon ist man unschuldig!!! Bekannte dürfen morden, überall, ungestraft!!! Die Juristen leisten hier Beihilfe und sind aus meiner Sicht ebenfalls Mörder, die ungestraft weiter wirken dürfen auf Kosten der Steuerzahler!!!

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