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16.04.2014

13:40 Uhr

Pistorius-Prozess

Gefangen im Netz der Widersprüche

VonWolfgang Drechsler

Paralympics-Star Oscar Pistorius muss sich wegen Mordes an seiner Freundin vor Gericht verantworten. Er verstrickt sich in Widersprüche, die an seiner Unschuld zweifeln lassen. Er könnte auch ein Waffennarr sein.

Mordprozess in Südafrika

Pistorius schildert Tatnacht

Mordprozess in Südafrika: Pistorius schildert Tatnacht

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PretoriaEs sind fünf schwere Tage gewesen, die Oscar Pistorius in dieser und der vergangenen Woche im Kreuzverhör von Staatsanwalt Gerrie Nel durchlebt hat – und sein Erscheinungsbild am Ende der Tortur lässt wenig Zweifel daran, dass Nels Kombination aus harten Geraden und Tiefschlägen den Angeklagten reichlich zermürbt hat. Mehrfach musste die Richterin deshalb auch in dieser Woche die Verhandlung wieder unterbrechen, damit Pistorius sich sammeln und seine Fassung wiedergewinnen konnte.

Für die Anklage sind die vielen Gefühlsausbrüche des Angeklagten wenig mehr als ein Versuch des Sportstars, die vielen Ungereimtheiten in seiner Zeugenaussage zu kaschieren. Staatsanwalt Nel glaubt inzwischen genau zu wissen, was sich am frühen Morgen des Valentinstags im Jahr 2013 im Haus des Angeklagten abgespielt hat: „Ihre Freundin war im Badezimmer eingeschlossen und Sie selbst haben sich mit der Absicht bewaffnet, sie zu erschießen und zu töten“, raunzte er den Angeklagten zum Abschluss des Kreuzverhörs am Dienstag nochmal kräftig an.

Auch die Richterin werde zu diesem Ergebnis kommen. Die vier Schüsse seien jedenfalls absichtlich abgeben worden, gab sich Nel überzeugt – und eben nicht aus Versehen durch die Verwechslung der Freundin mit einem Einbrecher, wie Pistorius selbst behauptet.

Mobilfunk-Nachricht: Reeva Steenkamp fürchtete sich vor Pistorius

Mobilfunk-Nachricht

Reeva Steenkamp fürchtete sich vor Pistorius

„Ich habe manchmal Angst vor dir“, hat die erschossene Reeva Steenkamp nur drei Wochen vor ihrem Tod an den Sprintstar Pistorius geschrieben. Und eine Nachbarin widerspricht seiner Darstellung vom Hergang der Tatnacht.

Der beinamputierte Sportstar dürfte wissen, dass die letzten Tage im Zeugenstand nicht gut für ihn gelaufen sind. Mehrfach verwickelte er sich unnötig in Widersprüche und begründete dies anschließend meist mit Gedächtnislücken über Einzelheiten der Tatnacht, um sich plötzlich wenig später an andere, weniger entscheidende Dinge dann wieder sehr genau zu erinnern.

Wenig ist auch von der Entschuldigung an die Mutter des Opfers geblieben, die Pistorius zu Beginn der letzten Woche mit tränenerstickter Stimme verlesen hatte. Sie ist unter der den Hammerschlägen der Anklage und Nels minutiöser Analyse der Tatnacht schnell in Vergessenheit geraten.

Als der vielleicht größte Fehler des Angeklagten und seiner Verteidiger könnte sich jedoch erweisen, die zusätzliche Anklage wegen Waffenmissbrauchs im Zuge des Mordprozesses gleich mitzuverhandeln. Besonders unglaubwürdig erschien Pistorius nämlich, als er letzte Woche den Schuss zu erklären suchte, der sich löste, als er in einem Restaurant in Pretoria unter dem Tisch mit der geladenen Waffe eines Freundes herumhantierte.

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