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08.07.2014

14:29 Uhr

Plädoyers im August

Pistorius-Prozess vor der Entscheidung

18 Monate nach den tödlichen Schüssen auf seine Freundin geht der Mordprozess gegen Oscar Pistorius seinem Ende zu. Nach den Plädoyers von Staatsanwalt und Verteidiger wird die Richterin im August das Urteil verkünden.

Oscar Pistorius am Dienstag im Gerichtssaal in Pretoria: Im August wird der spektakuläre Mordprozess beendet sein. ap

Oscar Pistorius am Dienstag im Gerichtssaal in Pretoria: Im August wird der spektakuläre Mordprozess beendet sein.

PretoriaDie Beweisaufnahme im Mordprozess gegen den Paralympics-Star Oscar Pistorius ist am Dienstag in Pretoria beendet worden. Der Staatsanwalt wird nach den Worten von Richterin Thokozile Masipa am 30. Juli schriftlich eine Bewertung der Beweislage vorlegen, die Verteidigung ihre Sicht am 4. August. Am 7. und 8. August sollen dann die eigentlichen Plädoyers im Gericht gehalten werden. Das Urteil wird für Ende August erwartet.

Pistorius hatte in der Nacht zum 14. Februar 2013 in seinem Haus in der südafrikanischen Hauptstadt seine Freundin Reeva Steenkamp durch eine verschlossene Toilettentür erschossen. Der 27-Jährige beteuert, dass er hinter der Tür einen Einbrecher vermutet habe und in Panik geraten sei.

Der Staatsanwalt beschuldigt den behinderten Profisportler des vorsätzlichen, eiskalten Mordes. Er begründet seine Anklage vor allem mit Unstimmigkeiten in den Schilderungen des Angeklagten über die Tatnacht sowie Aussagen von Nachbarn, denen zufolge es in der Nacht einen lautstarken Streit zwischen Pistorius und seiner Freundin gegeben habe. Dem 27-Jährigen droht bei einer Verurteilung eine lebenslange Haftstrafe.

Pistorius-Prozess: Gefangen im Netz der Widersprüche

Pistorius-Prozess

Gefangen im Netz der Widersprüche

Paralympics-Star Oscar Pistorius muss sich wegen Mordes an seiner Freundin vor Gericht verantworten. Er verstrickt sich in Widersprüche, die an seiner Unschuld zweifeln lassen. Er könnte auch ein Waffennarr sein.

Experten bezweifeln, dass die Beweislage für einen gezielten Mord ausreichen werde. Pistorius könnte wegen Totschlags oder fahrlässiger Tötung verurteilt werden, sagte der angesehene Jurist William Booth in Kapstadt der Nachrichtenagentur dpa. Ein solches Urteil könne es geben, unabhängig davon, ob Pistorius gewusst habe, dass sich Steenkamp hinter der Tür befunden oder ob der Porfisportler wirklich an einen Eindringling geglaubt habe.

Der Arzt des Angeklagten, Wayne Derma, war der letzte der 36 Zeugen von Anklage und Verteidigung, die vor dem Gericht in Pretoria in den Zeugenstand gerufen worden war. Er hatte vor allem über die enormen psychischen Belastungen berichtet, unter denen das südafrikanische Sportidol seit seiner Kindheit wegen der Amputation seiner Unterschenkel litt. Bisher gab es in dem spektakulären Prozess, der von mehreren Fernsehsendern live übertragen wurde, seit dem 3. März 39 Verhandlungstage.

Pistorius ist laut der psychiatrischen Gutachten voll schuldfähig. Der 27-Jährige leide nicht an einer geistigen Erkrankung oder Störung, „die ihn strafrechtlich nicht verantwortlich für die Handlung machen würde, der er beschuldigt wird“, hieß es in den vergangene Woche verlesenen Auszügen der Gutachten. Zuvor hatte die Psychiaterin Merryl Vorster dem Angeklagten eine „Angststörung“ bescheinigt. Nach Erfolgen bei den Paralympics war Pistorius als erster beinamputierter Sportler der Olympia-Geschichte im Jahr 2012 bei den Olympischen Spielen in London gestartet.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Frieder Maier

08.07.2014, 18:26 Uhr

"Pistorius könnte wegen Totschlags oder fahrlässiger Tötung verurteilt werden ... unabhängig davon, ob Pistorius gewusst habe, dass sich Steenkamp hinter der Tür befunden ... habe."

Das glaubt die Verteidigung. Sähe dies das Gericht ebenso, dürfte dies die Anleitung für Straf-minimiertes-Töten sein.

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