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05.08.2016

20:11 Uhr

Pokémon-Hype in Düsseldorf

Nächster Halt: Pokéstop

VonThomas Schmelzer

Düsseldorf hat sich zu einem Hotspot für Pokémon-Jäger entwickelt. Die Stadt kommt den Gästen entgegen, auch aus touristischem Kalkül. Jetzt fuhr sogar eine Sonderbahn durch die Stadt. Mit an Bord: das Handelsblatt.

Monsterjäger-Alarm

Pokémon-Safari: Wenn die Bahn zur Arena wird

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DüsseldorfFlink huschen die Finger von Jennifer Kosche über ihr Handydisplay. Die 26-Jährige steht im letzten Abteil einer Straßenbahn, die gerade die Jacobistraße entlang ruckelt. Auf dem Display lockt Jennifer mit einer Himbeere ein Pokémon an, dann schmeißt sie einen rot-weißen Ball nach dem beliebten Monster. Der Ball schnappt zu – und Jennifer ist ein Enton reicher.

Seitdem das Handy-Spiel Pokémon Go zum Sommerhype aufgestiegen ist, gehören solche Szenen zum Alltag. Alle wischen mit ihren Fingern über die Smartphones. Alle sind auf Pokémon-Jagd.

Nachdem Gaststätten und Händler digitale Köder auslegen, um Pokémon und damit Kunden zu locken, zündet nun die nächste Vermarktungsstufe des Hypes: Eine Pokémon-Safari quer durch Düsseldorf, organisiert von der Rheinbahn. Drei Stunden Fahrtzeit sind angekündigt, eine möglichst hohe Fangquote versprochen. Für die Rheinbahn ein guter Werbegag. Die Strecke von knapp 30 Kilometern nimmt die Bahn im Schneckentempo, vom Hauptbahnhof am Polizeipräsidium vorbei und später wieder zurück zum  Graf-Adolf-Platz. Nur, wenn die Bahn langsam fährt, können die Spieler ihre Pokémons ausbrüten und neue Monster fangen.  

Jennifer gefällt die Idee. Sie trägt einen schwarzen Pulli mit aufgedruckten Pikachus, eine Pikachu-Hülle rahmt ihr Handy ein, wenn der Bildschirmschoner startet, ploppt ein Pikachu auf. Als die 26-Jährige auf Facebook von der Pokémon-Tour las, zückte sie ihre Kreditkarte und zahlte acht Euro an die Rheinbahn. Nur zweieinhalb Stunden nach Verkaufsstart waren alle Tickets ausverkauft. Heute hat sich Jennifer extra früher frei genommen, um pünktlich ab vier Uhr dabei zu sein. Ihr Ziel: „Ein Level muss mindestens drin sein.“

Bevor die Jagd losgeht, werden die Pokémon-Spieler von Kamerateams belagert. Manuel Ullrich regt das auf. „Das macht total die Stimmung kaputt“, sagt er. Der 26-Jährige ist zusammen mit Jennifer und einer weiteren Freundin zur Pokémon-Tour gekommen. Er hat sich auf einen Austausch mit anderen Spielern gefreut. Jetzt lehnt er neben Jennifer, und vor ihm reden fast alle Pokémon-Fans mit Reportern. „Ich habe auch Angst, dass wir alle wieder als Zombies dargestellt werden, die bloß da hocken und auf ihre Displays starren“, sagt Manuel. „Eigentlich könnten wir unser Geld von der Rheinbahn zurückverlangen – wir sind schließlich gute Statisten für diese Show.“

Pokémon GO: Kleine Kampf-Monster erobern die Welt

Das Spiel

„Pokémon“, kurz für „Pocket Monster“, tragen seltsame Namen wie Pikachu, Traumato oder Magnetilo, kämpfen gern gegeneinander und haben eine gewaltige weltweite Fangemeinde.

1. Wieso scheint die ganze Welt auf einmal nach „Pokémon“ verrückt zu sein?

Es ist das erste Mal, dass man „Pokémon“ auf dem Smartphone spielen kann. Der japanische Spiele-Anbieter Nintendo brachte die beliebten Figuren bisher nur in Games für die hauseigenen Konsolen heraus. Inzwischen jedoch wechseln immer mehr Spieler auf Smartphones und Nintendo konnte diesen Trend nicht mehr ignorieren.

2. Was sind „Pokémon“ überhaupt und worum geht es bei dem Spiel?

„Pokémon“ ist eine Wortbildung aus „Pocket Monster“ - Taschenmonster. Zum ersten Mal tauchten sie 1996 in einem Spiel in Japan auf. Die „Pokémon“ sind darauf versessen, gegeneinander zu kämpfen. Der Spieler fängt sie als „Pokémon-Trainer“ mit Hilfe weiß-roter Bälle ein und bildet sie aus. Im „Pokémon“-Universum gibt es mehr als 700 Figuren. Die beliebteste dürfte „Pikachu“ sein - ein kleines gelbes Monster mit einem Schwanz in der Form eines Blitzes. Neben den Videospielen blüht ein gewaltiges Geschäft mit Sammelkarten und allen möglichen anderen Fanartikeln von Plüschfiguren bis Brotdosen.

3. Was ist das besondere an dem Smartphone-Game?

Im Grunde geht es auch hier darum, „Pokémon“ zu fangen und dann gegeneinander antreten zu lassen. Der Clou ist jedoch die Standort-Erkennung (GPS) auf dem Smartphone. Die „Pokémon“ verstecken sich an verschiedenen Orten – und ein Spieler sieht sie nur, wenn er in der Nähe ist. Dann werden die Figuren auf dem Display des Telefons in die echte Umgebung eingeblendet („Augmented Reality“). In den USA, Neuseeland und Australien sammelten sich schon große Menschenmengen an Orten mit populären „Pokémon“ an. Die kleinen Monster reagieren auf die virtuelle Umgebung: So tauchen Wasser-Pokémon besonders häufig in der Nähe von Flüssen oder Seen auf.

4. Wer steckt hinter dem Spiel?

Es wurde gemeinsam entwickelt von der Nintendo-Beteiligung Pokémon Company und der ehemaligen Google-Tochter Niantic Labs. Letztere hatte unter dem Dach des Internet-Konzerns das ebenfalls auf Ortungsdaten basierte Spiel „Ingress“ programmiert. In ihm kämpfen zwei Lager um virtuelle Portale, die an verschiedenen Orten platziert wurden.

Nicht alle sehen das so streng. Nur ein paar Meter weiter sitzen Andreas Fiebig und Adam Korski. Beide tragen dunklen Anzug, dezentes Hemd, Lederschuhe. Die Junior-Banker ignorieren die herumwuselnden Journalisten und konzentrieren sich auf die Pokémon-Jagd. Nach einer Stunde fällt die Bilanz durchwachsen aus: Viele Pokéstops, 20 Fänge, aber keine neuen Pokémons erwischt. Wie die meisten Fans in der Bahn, spielt Andreas seitdem es Pokémon Go in Deutschland gibt. Mittlerweile ist er im 17. Level, besitzt 71 Pokémon. Meistens spielt er in der Mittagspause, sein Büro liegt nicht weit entfernt von der Girardet-Brücke auf der Düsseldorfer Kö. Dort springen die meisten Pokémon herum.

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