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10.01.2014

18:42 Uhr

Polizei Niedersachsen

Fußfessel-Überwachung führt zum Mörder

Elektronische Fußfesseln senden im Minutenabstand Daten zum Aufenthaltsort ihres Trägers. Die Polizei hat dank dem GPS-gestützten Ortungssystem erstmals die Täter eines Kapitalverbrechens ermitteln können.

Ein Bewährungshelfer posiert vor dem Justizministerium in Wiesbaden mit einer elektronischen Fußfessel. Die Polizei hat einen 32-jährigen Fußfessel-Träger in Südniedersachsen wegen versuchten Mordes festgenommen. dpa

Ein Bewährungshelfer posiert vor dem Justizministerium in Wiesbaden mit einer elektronischen Fußfessel. Die Polizei hat einen 32-jährigen Fußfessel-Träger in Südniedersachsen wegen versuchten Mordes festgenommen.

GöttingenDank der elektronischen Fußfessel eines Täters hat die Polizei in Niedersachsen den versuchten Mord an einer Rentnerin aufgeklärt. Ein Räuber hatte die 70-jährige Frau beim Überfall in ihrer Wohnung bis zur Bewusstlosigkeit stranguliert. Sein Komplize trug die Fußfessel, die auf die Spur der Täter führte. Polizei und Staatsanwaltschaft berichteten am Freitag in Göttingen, es handele sich um den ersten Fall in Niedersachsen, in dem eine elektronische Fußfessel die Aufklärung eines Kapitalverbrechens ermöglicht habe.

Der Göttinger Polizeipräsident Robert Kruse sagte: „Die Fußfessel ist kein Allheilmittel, aber sie war sehr hilfreich beim Aufklären dieser schlimmen und schweren Straftat.“ Kripochef Volker Warnecke sagte, ob der 32-Jährige andernfalls hätte überführt werden können, sei zumindest zweifelhaft. Der Mann wurde laut Polizei wenige Tage nach der Tat festgenommen und hat seine Beteiligung gestanden.

Der Drogenabhängige ist mehrfach vorbestraft. Unter anderem musste er eine langjährige Haftstrafe wegen Kindesmissbrauchs absitzen. Die Fußfessel trug er seit Herbst 2012 auf Anordnung des Amtsgerichts im thüringischen Arnstadt, um ihm erneute Straftaten zu erschweren.

Die Fahnder kamen dem Fußfessel-Träger mit Routine-Ermittlungen auf die Spur. Der 32-Jährige habe das Haus des Opfers gekannt, weil er dort einige Zeit zuvor bei einem Umzug geholfen habe, sagte Kripochef Warnecke. Als klar wurde, dass der Mann eine elektronische Fußfessel trug, erwirkten die Ermittler einen richterlichen Beschluss. So konnten sie die Bewegungsdaten auswerten. Mit dem Sender durfte sich der Mann im Raum Göttingen bewegen und konnte den Tatort in Hannoversch Münden erreichen, ohne gegen Auflagen zu verstoßen.

Bei der Überprüfung ergab sich, dass der 32-Jährige zur Tatzeit in unmittelbarer Nähe des Hauses der alten Dame war. Dort wollte er mit seinem Komplizen Geld erbeuten, um seine Sucht zu finanzieren.

Kurz nach der Ermittlung seiner Bewegungsdaten wurde der Mann festgenommen, ohne Widerstand zu leisten. Seine Angaben brachten die Ermittler auf die Spur seines 33-jährigen Komplizen. Dieser legte nach seiner Festnahme ebenfalls ein Geständnis ab. Inzwischen sitzt der 32-Jährige wegen Raubes in Untersuchungshaft, sein Mittäter wegen versuchten Mordes. Das Opfer schwebt inzwischen nicht mehr in Lebensgefahr.

Aus dem Justizministerium in Hannover hieß es, das Verbrechen sei keinen Grund, den Einsatz von Fußfesseln als Überwachungsinstrument zu überdenken. „Es stellt sich vor dem Hintergrund des Einzelfalls im Moment nicht die Frage, darüber nachzudenken, wie die gesetzliche Regelung ist“, sagte Ministeriumssprecher Alexander Wiemerslage.

Von

dpa

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