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27.02.2013

16:39 Uhr

@pontifex

Was vom Papst im Internet bleibt

VonJonas Jansen

Nur drei Monate twitterte Benedikt XVI. Die digitalen Spuren, die der Pontifex hinterlässt, sind nicht besonders tief. Auf kritische Fragen reagierte er nicht oder antwortete mit allgemeingültigen Sprüchen.

Der Papst schickt seinen ersten Tweet. dpa

Der Papst schickt seinen ersten Tweet.

DüsseldorfDer Papst dankt ab und hinterlässt auf seinen neun Kanälen auf Twitter fast drei Millionen Follower. Alleine den Hauptaccount @pontifex verfolgen mehr als 1.5 Millionen Menschen. Dort twitterte der Papst auf Englisch, zusätzlich erschienen seine Botschaften noch auf Deutsch, Französisch, Polnisch, Italienisch, Portugiesisch, Arabisch und Latein.

Eigentlich war als nächstes ein chinesischer Kanal geplant. Doch nicht mal drei Monate, nachdem sich der Papst bei dem Kurznachrichtendienst angemeldet hatte, hört er auch schon wieder auf zu twittern.

Dabei hatte alles so stimmig begonnen: Am Schnapszahl-Datum, dem 12. Dezember 2012, setzte er seine erste Nachricht per Klick aufs iPad ab - bis heute wurde der Tweet fast 65.000 mal retweetet

Urbi@Orbi jubelte Twitter, Benedikt sei der erste Papst überhaupt, der sich in Sozialen Netzwerken tummelt. Einiges erwartete die Community vom Papst. Doch Benedikt entpuppte sich nicht als häufiger Nutzer des Netzwerks.

Gerade mal 37 Tweets schickte @pontifex in die Timeline seiner Follower. Auch die Fragestunde unter dem Motto #AskPontifex war eine Enttäuschung: Gerade mal auf drei Fragen antwortete der Papst, meist mit Weisheiten, die eher Kalendersprüchen ähnelten.

Stationen von Benedikts Pontifikat

19. April 2005

Joseph Kardinal Ratzinger wird zum neuen Papst gewählt und gibt sich den Namen Benedikt XVI. Fünf Tage später wird er in sein Amt eingeführt. Sein Vorgänger Johannes Paul II. war am 2. April im Alter von 84 Jahren gestorben.

6. Juni 2005

Benedikt verurteilt bei einem Konvent über die Rolle der Familie in Rom moderne Formen des Zusammenlebens, gleichgeschlechtliche Beziehungen und Abtreibungen scharf.

August 2005

Benedikt besucht den Weltjugendtag in Köln.

31. August 2005

Der Papst segnet ein Dokument ab, das Priesterseminare verpflichtet, Männer mit „homosexuellen Tendenzen“ nicht mehr zur Priesterweihe zuzulassen.

25. Januar 2006

Benedikt XVI. betont in seiner ersten Enzyklika „Deus Caritas est“ (Gott ist Liebe) die untrennbare Verbindung von Gottes- und Nächstenliebe.

28. Mai 2006

Im ehemaligen deutschen Vernichtungslager Auschwitz ruft der Papst zu Versöhnung und Vergebung auf.

12. September 2006

Benedikt zitiert bei einer Vorlesung in Regensburg einen byzantinischen Kaiser, Mohammed habe nur „Schlechtes und Inhumanes“ gebracht, weil er den Glauben mit dem Schwert verbreiten lassen wollte. Die Äußerungen lösen in der islamischen Welt gewalttätige Proteste aus.

November 2006

Der Papst reist in die Türkei. Es ist sein erster Besuch in einem islamischen Land.

13. März 2007

Benedikt erteilt im Apostolischen Schreiben „Sacramentum Caritatis“ (Sakrament der Liebe) einem gemeinsamen Abendmahl von Katholiken und Protestanten eine klare Absage.

7. Juli 2007

Benedikt rehabilitiert weitgehend die traditionelle Messe in lateinischer Sprache.

10. Juli 2007

In einem vom Papst genehmigten Schreiben der Glaubenskongregation wird protestantischen Gemeinschaften das Recht abgesprochen, sich als „Kirche“ zu bezeichnen.

30. November 2007

In seiner zweiten Enzyklika „Spe salvi“ (Auf Hoffnung hin gerettet) kritisiert Benedikt dem technischen Fortschrittsglauben und materialistische Weltanschauungen.

6. März 2008

Der Papst empfängt erstmals das Oberhaupt der orthodoxen Christen, Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel.

24. Januar 2009

Benedikt macht die Exkommunikation aller vier Bischöfe der Pius-Priesterbruderschaft rückgängig. Darunter ist der Holocaust-Leugner Richard Williamson. Die Entscheidung des Papstes provoziert eine Welle der Kritik.

Mai 2009

Benedikt besucht Jordanien, Israel und die palästinensischen Gebiete. In seiner Rede in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem geht er nicht auf die Rolle der Kirche bei der Judenvernichtung ein.

7. Juli 2009

In seiner ersten Sozialenzyklika „Caritas in veritate“ (Die Liebe in der Wahrheit) fordert der Papst ein ethisches Bewusstsein in der Wirtschafts- und Finanzwelt.

11. Juni 2010

Bei einer Messe auf dem Petersplatz bittet der Papst die Opfer von sexuellem Missbrauch öffentlich um Vergebung. Zuvor hatte er bereits in einem Hirtenbrief an die katholische Kirche in Irland die dortigen Missbrauchsfälle bedauert.

September 2011

Sein Deutschland-Besuch führt den Papst nach Berlin, Thüringen und Freiburg. Wegen der Haltung der Kirche gegenüber Frauen und Homosexuellen bleiben mehrere Abgeordnete von Linken und Grünen seiner Rede im Bundestag fern.

28. März 2012

Im kommunistischen Kuba trifft Benedikt den früheren Staatschef Fidel Castro. In einer Messe verlangt er volle Religionsfreiheit und die Anerkennung der katholischen Kirche.

23. Dezember 2012

Der Papst begnadigt seinen Ex-Kammerdiener Paolo Gabriele. Zuvor war dieser wegen der Weitergabe vertraulicher Papiere zu einer Haftstrafe verurteilt worden. In der „Vatileaks“-Affäre waren seit Anfang 2012 geheime Dokumente über Kungeleien an der Spitze der Kirche aufgetaucht.

11. Februar 2013

Benedikt kündigt seinen Rücktritt zum 28. Februar an.

Die Frage: „Wie können wir das Jahr des Glaubens in unserem täglichen Leben besser leben?“ beantwortete er mit „Sprich mit Jesus im Gebet. Hör Jesus zu, der im Evangelium zu dir spricht. Finde Jesus in den Notleidenden." Die Twitter-Nutzer machten sich derweil über den Papst lustig oder stellten kritische Fragen: So wollte der amerikanische Comedian Ricky Gervais wissen, warum der Papst keine Kondome in Afrika erlaube. Antwort? Fehlanzeige.

Um den Papst-Account wurde es danach stiller. Gelegentlich schrieb der Papst eine Kurzbotschaft, statt richtig zu kommunizieren sendete er Sprüche in die Welt. Richtig für Aufregung sollte er erst wieder am 11. Februar sorgen.

Nachdem die Nachricht des Papst-Rücktritts durch die Agenturen lief, explodierte das Netz. In den ersten sechs Stunden verzeichnete Twitter 1997 Tweets pro Minute zum Thema Papstrücktritt. Innerhalb von 24 Stunden gab es über vier Millionen Tweets unter den verschiedenen Hashtags #papst #pope #papa oder #benedikt bei Twitter. Manche verknüpften den Rücktritt mit der gerade geführten Plagiatsdebatte:

Kommentare (1)

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gloecklrainer

28.02.2013, 07:16 Uhr

Ratzinger: „eine Rationalität der Materie selbst, die vernünftig sein soll - selbst wenn es auf dem Weg der Evolution Irrationales, Chaotisches und Zerstörerisches gebe.“ (SZ vom 28.2.2013)
Nebenwirkungen, Folgen und das „Böse“ in Form von Totsünden sind menschliche Bewertungen und lediglich im Bewusstseins des Menschen anzutreffen.
Nach der legendären Vertreibung aus dem Paradies versuchten die Menschen die täglichen Herausforderungen per Landwirtschaft und Erfindungen zu erleichtern – mit bösen Folgen und unerwünschten Nebenwirkungen wie Landraub, Übervölkerung, Umweltbelastung, kriegerische Auseinandersetzungen usw.
Der christliche Gott soll allgütig, allwissend, allmächtig usw. sein, so die Gnostiker. Gott kannte somit die Folgen, Risiken und Nebenwirkungen der Schöpfung. Um Leid zu vermeiden hätte ein verantwortungsvoller Gott erst gar keinen Apfelbaum pflanzen dürfen, sowie nie die Schöpfung starten dürfen.
Betrachtet man die tausende Jahre lange Kirchengeschichte, ist diese Zeit mit rücksichtslosen Kriegen und grausamen Handlugen im Namen „der Liebe“ geprägt. Da der christliche Gott sicherlich so eine Geschichte nie wollen konnte, ergibt sich als Schlussfolgerung, dass die christlichen Amts- Kirchen nicht Gottgewollt sein können – Jesus hätte sich seine Aufopferung sparen können, es hat nichts bewirkt, sondern ist erst recht in der Amtskirche rabiat eskaliert. Auch heute werden Gläubige mit religiös motivierten Maßregelungen schikaniert, gemobbt und missbraucht und Verweigert jeden Ansatz das damit zugefügte Leid zu beenden.
Jesus war weder evangelisch, orthodox, katholisch usw. - und schon gar nicht römisch. Ratzinger ist das bewusst, verleugnet er aus systematisch-, methodischen Gründen, weil dann die Grundlage eines Christentums in sich selbst zusammen bräche?

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