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03.01.2007

07:01 Uhr

Präsidentschaftswahl

Drama mit Dame

VonRuth Berschens

Wird Frankreichs neues Staatsoberhaupt Nicolas Sarkozy oder Ségolène Royal heißen? Oder wird sich der 74 Jahre alte Chirac etwa um eine dritte Amtszeit bewerben? Auszuschließen ist nichts im Wahlkampf um das höchste Staatsamt der fünften Republik.

Fast 40 Männer und Frauen haben angekündigt, dass sie für die Präsidentschaftswahl kandidieren wollen.

Fast 40 Männer und Frauen haben angekündigt, dass sie für die Präsidentschaftswahl kandidieren wollen.

PARIS. Frankreichs First Lady mag noch nicht ausziehen aus dem Elysée-Palast. "Ich liebe dieses Leben", schwärmte Bernadette Chirac vor wenigen Wochen. Ihrem Ehemann Jacques gehe es ganz genauso. Der Staatspräsident habe seinen 2005 erlittenen Schlaganfall bestens überstanden: "Sehen Sie mal, wie gut er in Form ist." Nun rätselt ganz Frankreich: Wird sich der 74 Jahre alte Chirac tatsächlich um eine dritte Amtszeit bewerben?

Auszuschließen ist nichts im Wahlkampf um das höchste Staatsamt der fünften Republik. Den Franzosen steht 2007 ein Drama bevor, wie Shakespeare es nicht besser schreiben könnte. Königsmacher und-mörder werden darin vorkommen, Intrigen und Verrat an Freund und Feind. Zum letzten Akt kommt es am 6. Mai. Dann entscheiden die Bürger im zweiten Wahlgang darüber, wer in den Elysée-Palast einziehen und Frankreich fünf Jahre mit großer Machtfülle regieren darf.

Die dafür erforderlichen Fähigkeiten glauben viele im Lande zu haben: Fast 40 Männer und Frauen haben angekündigt, dass sie für die Präsidentschaftswahl kandidieren wollen. Dabei sind nicht nur die Vertreter der Parteien, sondern auch Repräsentanten der Schwarzen und der Muslime, der Jäger und Fischer, der Steuerzahler, der Behinderten, der Sozialhilfeempfänger und der Handwerker. Mehrere Trotzkisten machen sich gegenseitig Konkurrenz, und mindestens vier Vertreter der französischen Öko-Bewegung wollen zur Wahl antreten. Einen derartigen Ansturm auf den Elysée-Palast erlebte Frankreich noch nie.

Allerdings können sich nur zwei Bewerber ernsthaft Hoffnung machen, im Mai tatsächlich den Amtssitz des Staatsoberhauptes zu erobern. Das sind ebenso wie in Deutschland die Spitzenkandidaten der beiden Volksparteien. Ein Name steht schon fest: Die Sozialisten haben sich in einer internen Urwahl mit großer Mehrheit für Ségolène Royal entschieden und landeten damit einen Überraschungscoup. Denn die frühere Familienministerin hatte eigentlich niemand auf der Rechnung: Erst vor gut einem Jahr war Royal aus dem Schatten der männlichen Parteiprominenz heraus ins Rampenlicht getreten und eroberte die Partei im Sturm. Als erklärte Feministin überzeugte die vierfache Mutter Royal viele Frauen, die sich vom männlichen Führungspersonal in der Politik vernachlässigt fühlen. Als Präsidentin der westfranzösischen Region Poitou-Charentes wurde die 53-Jährige zur Heldin jener Provinzfranzosen, die genug haben von einer als arrogant empfundenen Pariser Elite. Punkten kann Royal auch mit ihrem jugendlichen Aussehen und ihrem strahlenden Lächeln, das männliche Konkurrenten öfter mal alt und muffig aussehen lässt.

Welchen Spitzenkandidaten die Konservativen gegen Royal ins Rennen schicken, steht offiziell noch nicht fest. Aller Voraussicht nach wird die Regierungspartei UMP ihren Parteichef Nicolas Sarkozy bei einem Sonderparteitag am 14. Januar nominieren. Ebenso wie Royal muss sich auch Sarkozy gegen das Establishment seiner eigenen Partei durchsetzen, allen voran gegen den Präsidenten persönlich. Chirac hat keinen Hehl daraus gemacht, dass er seinen Innenminister nicht sonderlich schätzt.

Dahinter steckt eine persönliche Enttäuschung. Sarkozy, lange Jahre politischer Ziehsohn Chiracs, beging 1995 Verrat an seinem Förderer. Im damaligen Präsidentschaftswahlkampf positionierte er sich gegen Chirac und unterstützte den am Ende geschlagenen Edouard Balladur. Seitdem sind Chirac und Sarkozy geschiedene Leute.

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