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30.01.2013

10:46 Uhr

Pressefreiheit-Ranking

Die Grenzen der freien Presse

Deutschland hat im internationalen Vergleich der Pressefreiheit einen Platz eingebüßt. Damit ist es in Europa lediglich Mittelmaß. Besonders schwer hat es die freie Presse in China, Russland – und dem Nahen Osten.

Fotografen beim CDU-Bundesparteitag in Hannover. Die freie Presse in Deutschland hat im internationalen Vergleich einen Platz abgeben müssen. dpa

Fotografen beim CDU-Bundesparteitag in Hannover. Die freie Presse in Deutschland hat im internationalen Vergleich einen Platz abgeben müssen.

Berlin„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.“ So heißt es in Artikel fünf des deutschen Grundgesetzes zur Pressefreiheit. Doch weil sich diese „allgemein zugänglichen Quellen“ durch Redaktionsschließungen im vergangenen Jahr deutlich verringert haben, bewegt sich Deutschland auf der Rangliste der Pressefreiheit des Vereins Reporter ohne Grenzen (ROG) lediglich im europäischen Mittelfeld.

Die Bundesrepublik verschlechterte sich in der Rangliste der Pressefreiheit um eine Position auf den 17. Platz, wie die Journalisten-Organisation in Berlin mitteilte. Schlusslichter des weltweiten Rankings sind wie in den vergangenen Jahren Eritrea (Platz 179), Nordkorea (Platz 178) und Turkmenistan (Platz 177). Am deutlichsten wurde Mali herabgestuft. Erheblich verschlechtert haben sich auch Ungarn, Griechenland und Japan, während sich die USA um mehrere Plätze verbesserte. Im Nahen Osten und in Nordafrika ist die Lage der Medien nach Einschätzung von ROG auch zwei Jahre nach Beginn des Arabischen Frühlings vielerorts noch prekär.

Die fünf Länder mit der größten Pressefreiheit

Platz 5

Andorra

Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: -

Platz 4

Luxemburg

Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: plus zwei Plätze

Platz 3

Norwegen

Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: minus zwei Plätze

Platz 2

Niederlande

Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: plus ein Platz

Platz 1

Finnland

Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: -

Die USA machten 15 Positionen gut und belegen in der aktuellen Rangliste Platz 32. Unter den Top 30 sind in diesem Jahr 21 europäische Länder, 14 davon konnten sich vor Deutschland platzieren. Problematisch sei hierzulande vor allem die abnehmende Vielfalt der Presse, bemängelte die Reporter-Vereinigung: „Aus Geldmangel arbeiten immer weniger Zeitungen mit eigener Vollredaktion, mehrere Redaktionen wurden 2012 komplett geschlossen.“ Gleichzeitig investierten Unternehmen und PR-Agenturen immer mehr Geld, um ihre Inhalte in den Medien unterzubringen. Auch an den Behörden äußerte ROG Kritik, denn Journalisten gelangten oft nur schwer an Informationen.

Die fünf Länder mit der geringsten Pressefreiheit

Platz 175

Somalia

Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: minus elf Plätze

Platz 176

Syrien

Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: -

Platz 177

Turkmenistan

Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: -

Platz 178

Nordkorea

Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: -

Platz 179

Eritrea

Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: -

Die größte Pressefreiheit garantieren der Rangliste zufolge Finnland und die Niederlande. Norwegen fiel von der Spitzenposition auf den dritten Platz. Mali fiel nach dem Militärputsch von Platz 25 auf Platz 99 zurück. Im Iran (Platz 174) kontrollierten Geheimdienst und Revolutionswächter „die gesamte Medienlandschaft“, kritisierte ROG. In China (173) würden besonders Blogger und Internet-Aktivisten verfolgt. Auch Kuba (171) ist erneut unter den Schlusslichtern. Japan rutschte wegen seiner „restriktiven Informationspolitik“ nach der Atomkatastrophe von Fukushima um 31 Plätze auf Rang 53 ab.

Abschneiden der großen Industrienationen

China

Platz 173

Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: plus ein Platz

Russland

Platz 148

Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: minus sechs Plätze

Indien

Platz 140

Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: minus neun Plätze

Brasilien

Brasilien

Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: minus neun Plätze

Frankreich

Platz 37

Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: plus ein Platz

USA

Platz 32

Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: plus 15 Plätze

Großbritannien

Platz 29

Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: minus ein Platz

Deutschland

Platz 17

Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: minus ein Platz

Zu den europäischen Verlierern des Rankings zählt unter anderem Ungarn. Wegen der umstrittenen Mediengesetze der nationalkonservativen Regierung wurde das Land um 16 Plätze auf Rang 56 herabgestuft. Griechenland fiel von Position 70 auf 84. Dort würden Journalisten immer häufiger von extremistischen Gruppen oder der Polizei angegriffen. Russland landete wie die Türkei (154) im hinteren Fünftel (Platz 148). Unter anderem sei dort die Berichterstattung über Großdemonstrationen gegen die Wiederwahl von Präsident Wladimir Putins behindert worden, monierte ROG.

Die Länder mit den größten Fortschritten in Sachen Pressefreiheit

Plus 22 Plätze

Platz 128

Afghanistan

Plus 22 Plätze

Platz 46

Burkina Faso

Plus 23 Plätze

Platz 131

Libyen

Plus 35 Plätze

Platz 104

Uganda

Plus 63 Plätze

Platz 96

Elfenbeinküste

Plus 71 Plätze

Platz 75

Malawi

Durchwachsen fiel die Bilanz der Organisation zur Lage der Pressefreiheit im Nahen Osten und in Nordafrika nach dem Arabischen Frühling aus. „In vielen arabischen Staaten müssen Pressefreiheit und der Schutz von Journalisten verbindlich in Gesetzen festgeschrieben werden“, forderte ROG-Vorstandssprecherin Astrid Frohloff. In Ägypten (Platz 158) sei das Ausmaß der Gewalt geringer als zu Beginn der Revolution. In Tunesien (Platz 138) hätten die Angriffe auf Journalisten zeitweise zugenommen. Libyen verbesserte seine Platzierung nach dem Sturz des Gaddafi-Regimes um 23 Positionen auf Rang 131. Syrien verharrt auf dem viertletzten Platz (176). „Im Propagandakrieg zwischen Regierung und Opposition nehmen dort alle Konfliktparteien Journalisten ins Visier“, hieß es zur Begründung.

Die Länder mit den größten Rückschritten in Sachen Pressefreiheit

Minus 26 Plätze

Platz 143

Kambodscha

Minus 30 Plätze

Platz 103

Malediven

Minus 31 Plätze

Platz 53

Japan

Minus 36 Plätze

Platz 70

Tansania

Minus 74 Plätze

Platz 99

Mali

Israel büßte 20 Plätze ein und landete auf Rang 112. Während der Gaza-Offensive im November hätten die Streitkräfte des Landes gezielt Journalisten und Redaktionen mit Verbindungen zur Hamas angegriffen. Zudem bleibe die Militärzensur „ein strukturelles Problem“.

Von

dapd

Kommentare (9)

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peer-Bilderberger

30.01.2013, 11:23 Uhr

auweiha, das heisst also, wir dürfen das NICHT wissen, was unsere liiieben Politiker auf den Bilderberger Treffen fur UNS entscheiden, denn es ist ja nicht "allgemein zugänglich".

Danke, dass nenne ich mal Presse und Informationsfreiheit:

+++++++++++++++
„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.“
++++++++++++++++++

Kein Wunder, dass wir von ARD / ZDF so "umfassend" informiert (belogen durch Weglassen wichtiger Informationen) werden.
+++++++++++++++

na_ja

30.01.2013, 11:30 Uhr

Zur Erinnerung:

Es wurde die FREIHEIT der Presse bewertet

nicht die QUALITÄT der Presse oder der Medienberichterstattung.

Ich fürchte, da würde es zappenduster aussehen bei uns....

StopptIndect

30.01.2013, 13:30 Uhr

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