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24.08.2011

07:30 Uhr

Presseschau

Kann Libyens Wiederaufbau gelingen?

VonDaniel Lenz

Den Krieg haben sie in der Luft gewonnen, den Frieden können sie nur am Boden sichern: Europa müsse jetzt Friedenstruppen nach Libyen schicken, fordern die internationalen Medien. Sie blicken besorgt ins Land..

Libysche Rebellen feiern die Eroberung von Gaddafis Hauptquartier. dapd

Libysche Rebellen feiern die Eroberung von Gaddafis Hauptquartier.

Die britische Financial Times zieht eine Bilanz des NATO-Einsatzes in Libyen, der in zweierlei Hinsicht Anlass zur Sorge gebe: Zum einen habe die US-Regierung durch ihr zurückgefahrenes Engagement signalisiert, dass sie nicht mehr wie früher jede NATO-Operation finanzieren und anführen werde. Die Europäer hätten daraufhin zwar versucht, die Mission auf eigene Faust zu koordinieren, doch diese sei unzureichend ausgestattet gewesen – die NATO-Zentrale für die Luftschläge sei für 300 Einsätze pro Tag ausgelegt gewesen, doch die Europäer hätten Probleme gehabt, 150 zu schaffen. Der Konflikt in Libyen habe gezeigt, wie dringend die Europäer ihre Verteidigungspolitik koordinieren müssten.
Die Zeit kritisiert das unbeholfene und zynische Selbst-Lob von Bundesaußenminister Guido Westerwelle, der zufrieden festgestellt habe, dass Deutschland bei der Revolution in Libyen einen „wichtigen Beitrag geleistet“ und schon „früher als viele andere, sich klar gegen das Unrechtsregime von Gaddafi gestellt“ habe. Doch tatsächlich habe Deutschland mit der Enthaltung bei der Abstimmung im UN-Sicherheitsrat im März 2011 den Einsatz, der Zivilisten schützen sollte, vor aller Welt missbilligt. „Mit seiner Selbstgerechtigkeit verhöhnt er das libysche Volk. Denn jeder dort weiß, was passiert wäre, wenn man Gaddafis Luftwaffe nicht ausgeschaltet hätte. Der Diktator hätte die Befreiungsbewegung schlicht weggebombt.“

Der Economist geht davon aus, dass die europäischen Regierungen nach dem Sturz von Gaddafi mit Hilfe von Luftschlägen auch Friedenstruppen ins Land schicken müssen: zumindest, um internationale Teams aus Hilfsarbeitern, Ingenieuren oder Beratern zu beschützen; im schlimmsten Fall, um einen möglichen Rachefeldzug von Kämpfern aus Bengasi gegen Stämme abzuwehren, die sich gegenüber Gaddafi Loyal verhalten haben. Die Aussicht, Bodentruppen als Friedenshelfer ins Land zu schicken, werde voraussichtlich in London, Paris, Berlin, Washington und vielleicht auch in der arabischen Welt für Alarmsignale sorgen, aus Furcht vor der „mission creep“, einer schleichenden Ausweitung der Kriegsziele.

Die Süddeutsche Zeitung vergleicht die Rebellen mit der wüsten Truppe aus dem australischen Road-Movie „Mad Max“ – dass die Gaddafi-Söhne nach ihrer angeblichen Festsetzung einfach herumspazieren konnten, sei eine Riesenblamage gewesen. Vor diesem Hintergrund zeigt sich das Blatt skeptisch, ob es den neuen Machthabern gelingen wird, einem ganzen Land Sicherheit zu schenken, wenn sie nicht einmal in der Lage seien, den Staatsfeind Nr. 2 einen Tag lang festzuhalten.

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