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05.11.2013

16:09 Uhr

Prognose-Hund

Beagle erschnüffelt Eisbären-Schwangerschaften

Wenn es um Eisbärenschwangerschaften geht hat Elvis die Nase vorn. Der drahtige Beagle ist Spürhund und auf trächtige Bärinnen spezialisiert. 14 Zoos warten nun auf seine Prognose.

Beagle Elvis erschnüffelt Proteine im Kot von trächtigen Eisbären. ap

Beagle Elvis erschnüffelt Proteine im Kot von trächtigen Eisbären.

CincinnatiIst unser Eisbär trächtig? Elvis, ein kleiner schlappohriger Beagle findet es für Zoos heraus, das hat er gelernt. Ausgiebig schnüffelt er an den Fäkalien von Eisbärdamen, saugt Düfte und Gerüche in sich hinein und gibt pflichtbewusst Laut, wenn alle Dämpfe darauf hindeuten, dass ein Junges im Anmarsch ist.

Erin Curry, eine ehemalige Doktorandin eines Forschungsinstituts für Wildtiere in Cincinnati, hatte die Idee, als sie einen Bericht über Hunde las, die Krebserkrankungen entdecken konnten. Gemeinsam mit dem Hundetrainer Mass Skogen in Kansas wagte sie einen Versuch. Die Theorie basiert darauf, dass im Kot von trächtigen Eisbären Proteine enthalten sein sollen, die andere Bären nicht ausscheiden.

Zunächst arbeiteten Skogen und Curry mit einem Border Collie, doch dann entdeckten sie, dass Elvis, ein quirliger Jagdhund, mehr Talent für das Schnüffeltraining mitbrachte. „Elvis ging sehr methodisch vor“, schildert Skogen. Man habe förmlich gesehen, wie er die Gerüche in seinem Hirn verarbeite, sagt er.

Mehrere Monate lang richteten sie den zweijährigen Elvis ab. Zunächst verabreichten sie ihm Proben von Eisbärinnen, die bereits ihr Junges zur Welt gebracht hatten, dann wechselten sie zu Proben von nicht-trächtigen Tieren und so fort. Immer wieder lockten sie ihn mit einem Schmaus zur Belohnung und ließen ihn zwischendrin mit seiner Lieblingsquietscheente spielen.

Inzwischen hat für Elvis der Ernst des Spürhundedaseins begonnen. Vergangene Woche brachte Curry eine Ladung neuer Proben mit, die Elvis wirklich prüfen soll. 22 Eisbärinnen aus 14 US-Zoos warten nun auf seine Diagnose - oder vielmehr ihre hoffnungsschwangeren Zoodirektoren.

„Es ist immer schön, im Voraus im Bilde zu sein“, sagt Randi Meyerson vom Zoo in Toledo. Sie koordiniert für eine US-Zoo-Vereinigung die Fortpflanzung von Eisbären. Elvis' Fähigkeiten, wenn zuverlässig, könnten den Pflegern von großem Nutzen sein, denn Eisbären gelten als vom Aussterben bedrohte Art und ihre Fortpflanzung ist hochkomplex. Schwangerschaften der mächtigen Tiere zu bestätigen ist auch auf konventionellem Weg nicht einfach und häufig mit Fehlern behaftet. Sobald eine trächtige Bärin ausgemacht wird, umsorgen sie die Pfleger jedoch fürsorglich und trennen sie von den männlichen Artgenossen.

Von

ap

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