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25.10.2013

08:44 Uhr

Protest gegen Rassismusvorwurf

Niederländer kämpfen für ihren „Zwarte Piet“

VonTill Simon Nagel

Eine Expertengruppe der Vereinten Nationen hat die Tradition des schwarzen Peters in den Niederlanden als rassistisch bewertet. Mehr als zwei Millionen Niederländer protestieren nun für den Erhalt der beliebten Figur.

Nein, Rassismus verbindet diese Niederländerin nicht mit der Figur des „Zwarte Piet“. Wie ihr geht es Millionen anderen Niederländern, die für den Fortbestand ihrer Traditionsfigur streiten. dpa

Nein, Rassismus verbindet diese Niederländerin nicht mit der Figur des „Zwarte Piet“. Wie ihr geht es Millionen anderen Niederländern, die für den Fortbestand ihrer Traditionsfigur streiten.

DüsseldorfWenn man in einem Land mit knapp 17 Millionen Einwohnern binnen kurzer Zeit rund zwei Millionen Menschen in einer Facebook-Protestgruppe versammeln kann, dann muss etwas Gravierendes vorgefallen sein. Und was unsere Nachbarn im Westen zur digitalen Demonstration treibt, ist nichts anderes als ein Stück Tradition, das in Gefahr geraten ist. Der Zwarte Piet.

Dieser dunkelhäutige Helfer des Sinterklaas (Nikolaus), der ab Mitte November für zwei Wochen überall in den Niederlanden auftaucht und seiner Tätigkeit (Süßigkeiten verteilen und – immer seltener – böse Kinder bestrafen) nachgeht, ist mal wieder in die Kritik geraten. Eine Expertengruppe der UNO bewertete die Tradition jüngst als rassistisch und forderte die Abschaffung. Grund für das Interesse der UN am Zwarte Piet sind Klagen von Organisationen wie der niederländischen Stiftung Sklaverei-Vergangenheit.

Kritisiert wird, dass der Zwarte Piet ein dümmlich-naiver Helfer des hellhäutigen Sinterklaas sei und in der Arbeitsteilung des Festes für die Bestrafung zuständig ist. Dies würde nicht mehr in die heutige multiethnische Realität der Niederlande passen. Das Fest würde an die Sklaverei erinnern, sagte Verene Shepherd, Vorsitzende der UN-Expertengruppe, im niederländischen Fernsehen.

Bei dieser jungen Dame geht die Liebe zum schwarzen Peter so tief, dass er als Tätowierung auf dem Rücken landet. AFP

Bei dieser jungen Dame geht die Liebe zum schwarzen Peter so tief, dass er als Tätowierung auf dem Rücken landet.

Seitdem ist das kleine Land in Aufruhr. Nachrichtensprecher erschienen im Piet-Kostüm, Demonstrationen wurden organisiert. Innerhalb von nur zwei Tagen haben sich zwei Millionen Menschen in der Facebook-Gruppe „Pietitie“ (eine Wortschöpfung aus Piet und Petition) zusammengetan und protestieren für den Erhalt der Traditionsfigur. Es würde sich dabei nur um ein Kinderfest handeln und wer gegen den Brauch des schwarzen Peters sei, verstehe ihn bloß nicht. Dass der Piet schwarz sei, könne nämlich auch damit zusammenhängen, dass laut der Legende die Pieten über die Dächer springen und durch den Schornstein ins Haus kommen. Somit müsse die dunkle Haut der Figur nicht unbedingt auf eine ausländische Herkunft des Piet hindeuten.

Der Tenor des Protests ist deutlich: Viele der kommentierenden Facebook-Nutzer fühlen sich als Opfer einer falsch verstandenen political correctness. Ihre eigenen Kindheitserinnerungen an Süßigkeiten vom Zwarte Piet wollen sie nicht von Außenstehenden in eine rassistische Tradition umgedeutet haben.

Über die genauen Ursprünge der Figur des schwarzen Peters herrscht indes Unklarheit. Wim Pijbes, Direktor des Amsterdamer Rijksmuseums, sagte Zeit Online, sie lasse sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Andere Quellen nennen das Buch „Sint Nikolaas en zijn knecht“ (Sankt Nikolaus und sein Knecht) des Lehrers Jan Schenkman aus dem 19. Jahrhundert als erste Quelle.

Unklar ist auch, ob die Figur ihrem Ursprung nach ein dunkelhäutiger Sklave, ein Schornsteinfeger oder eine Teufelsmetapher ist. Sicher ist nur, dass die Figur im Laufe der Jahre eine starke Veränderung durchgemacht hat – vom eher simplen und strafenden Gehilfen hin zu einer Sympathiefigur für Kinder.

Kommentare (3)

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Stirnerversteher

25.10.2013, 12:25 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

vaus

25.10.2013, 16:06 Uhr

ich wohne in den Niederlanden. meine holländischen freunde schämen sich dafür, dass ihre kolonialgeschichte immer noch nicht aufgearbeitet ist. da sind frühkindliche erinnerungen vielleicht verständlich und vielleicht auch was schönes, aber keine entschuldigung für rassismus. der "zwartePpiet" existiert seit 150 jahren und ist eine direkte spiegelung der sklaverei. und das hättte diese zeitung auch recherchieren können.

Zwarte-Piet

25.10.2013, 19:11 Uhr

@ vaus: was für "holländische Freunde" sind diese denn? Wohl unsere "Neu"-Niederländer, die unsere Traditionen nie verstehen werden. Eine direkte Spiegelung der Sklaverei ist das Sinterklaas Fest nun wirklich nicht. Sondern ein ganz schönes spezielles Fest für Kinder, an der viele (fast alle) Niederländer wunderschöne Erinnerungen haben. Hände weg von unserem Fest!!!

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